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Rezensionen der Ausgabe 34 - geht's noch

Beziehungsgroteske im Vorstadtidyll

Sprachgewaltiges Romandebüt über einen Familienvater, der sich ins eheliche Unglück grübelt.

Bernhard Strobl: Im Vorgarten der Palme. Roman

Vater, Mutter, Kind, ein schmuckes Häuschen, ein gepflegter Garten, zwei Autos vor dem Tor: Leidegger führt ein perfektes Leben in der Vorstadtidylle. Könnte zumindest der Nachbar meinen, mit dem Leidegger hie und da ein paar Worte über den Zaun wechselt. Doch mit der Idylle ist es nicht weit her, denn schon in den ersten Sätzen dieses Romans bahnt sich das Unheil an: Da kommt, eines Morgens nicht lange nach der Geburt seiner Tochter, die... lesen


Alter Analytiker!

Von der Geilheit des Jägers beim Schuss.

Paul Parin: Die Jagd – Licence for Sex and Crime. Erzählungen und Essays.

Er war altösterreichischer Aristokratenspross mit Schweizer Pass, Jude, Untersteirer, begeisterter Jäger, Arzt bei den Partisanen, Psychoanalytiker in Zürich, Ethnologe in Afrika, Schriftsteller, liebender Ehemann und Päderast, der, wenn man das aus seinen autobiografischen Erzählungen folgern darf, ab und zu jungen Buben den nackten Hintern peitschte, bevor er mit ihnen verkehrte. Die Schublade, in die Paul Parin (1916-2009) passt, muss er... lesen


Entbehrungs-Reichtum

Bergsveinn Birgissons Debutroman "Die Landschaft hat immer recht" liegt nun endlich auch auf Deutsch vor.

Bergsveinn Birgisson: Die Landschaft hat immer recht

Die Welt in Bergsveinn Birgisssons 2003 erschienenem Debutroman Die Landschaft hat immer recht ist irgendwo zwischen banaler Realität, magischen Halluzinationen und bildreicher Vorstellungskraft angesiedelt. Es ist dem Residenz-Verlag hoch anzurechnen, dass der Roman endlich in deutscher Sprache (Übersetzung: Eleonore Gudmundsson) veröffentlicht wird, nachdem er 2011 offensichtlich übersehen wurde, als Island Gastland auf der Frankfurter Bu... lesen


Keine Welterklärer

Gertrude Maria Grosseggers Protagonist Wendel ist beschäftigt, sich selbst zuzuschauen.

Gertrud Maria Grossegger: Wendel

Wendel ist der Protagonist des Romans, ein Wissenschaftler, der in seinem Labor in Gamspichl am Schweigergut an Forschungsprojekten arbeitet. Gewöhnlich trägt er seine Forschungsergebnisse öffentlich vor, ein Projekt jedoch hält er geheim. Von diesem inoffiziellen Projekt darf niemand erfahren, deshalb hat Wendel dafür ein Labor als Lagerraum getarnt. Wendel versucht dort, Herr über sein Unterbewusstsein zu werden, das ihn seit seiner Ki... lesen


Von der Poesie der Tiere

Zsuzsa Selyem vertreibt sich die Zeit mit Fabulierkunst.

Zsuzsa Selyem: Regen in Moskau. Die Geschichte einer Aussiedlung. Aus dem Ungarischen von Eva Zador.

Als Istvan Beczásy auf seinem Gut in Háromszék zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Jagd ausrichtet, blickt seine Familie auf eine beachtliche Vergangenheit zurück. Bereits im Jahr der Französischen Revolution findet sein armenischer Ahne Emánuel als berühmter Pferdezüchter Erwähnung in adeligen Korrespondenzen. Ähnlich verhält es sich mit Istvan. Niemand Geringerer als der Finanzminister des Staates Rumänien initii... lesen


Die Macht der Dunkelheit

Gerhard Jäger nimmt sich in seinem zweiten Roman schwerer Themen an.

Gerhard Jäger: All die Nacht über uns. Roman.

„Er weiß nicht, ob er sich jemals in seinem Leben so geschämt hat wie in diesem Moment, als ihn seine Großmutter in der Tür erwartete, ihn, mit blutender Nase, ihn, mit nasser Kleidung aus dem Aufruhr dieser Nacht kommend. (…) Natürlich konnte die Großmutter daraus nicht schließen, dass sich seine Hand in der Menge gehoben, dass er eine Fackel auf das Windrad geworfen hatte. Aber sie schien zu wissen, wo er gewesen war, dass er Teil e... lesen


Fellini 2.0

Ursula Wiegele stemmt sich in ihrem Roman Was Augen hat und Ohren mit den Mitteln der Poesie gegen den Social-Media-Zeitgeist.

Ursula Wiegele: Was Augen hat und Ohren

Musik muss nicht Thema sein. Sie kann auch in Texten leben, sie beleben, tanzen machen. Wie Silberfäden in einen Gobelin, ist Musik in die Texte von Ursula Wiegele gewirkt – so durchdringt sie, oft unsichtbar, aber stets gegenwärtig das Geflecht der Worte und Bilder. Wiegeles Erzählen präsentiert Dichtung, als ein Fluss sorgsam komponierter Silben, der – fast ließe sich sagen: wie im Vorübergehen – Handlung generiert. Passend dazu i... lesen