schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

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Feuilleton der Ausgabe 31 - schreibkraft

Kein Feuilleton in dieser Ausgabe

Feuilleton der Ausgabe 30 - wälzen

hans durrer | Kein Mensch will sich ändern

Doch kann das Spiel gewonnen werden, wenn man immer im selben verharrt?

Das einzig Beständige sei der Wandel, sagen die Buddhisten und Heraklit meint das Gleiche, wenn er feststellt, man könne nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Gelegentlich nehmen wir davon Kenntnis, nicken dann zustimmend, haben auch gar keine Einwände, ja, glauben es, doch so richtig ernst nehmen wir es dann doch nicht. Einfluss darauf, wie wir leben, hat diese Erkenntnis nicht oder kaum. Denn was uns einleuchtet, ja bewiesen werden kan... lesen


harald a. friedl | Irrte Pascal?

Warum das Verlassen des Zimmers Entwälzung ermöglicht.

Das Paradies ist anderswo Als Jugendlicher sei ich „pflegeleicht“ gewesen, weil ich häufig „brav“ in einem Eck gesessen und ein Buch gelesen oder gar ein Gedicht geschrieben hätte. Dieser Lebensstil hätte den Mathematiker und Philosophen Blaise Pascal (1623-1663)begeistert, war er doch der Überzeugung, das ganze Unglück der Menschen rühre allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen. Demnach hätte ich d... lesen


Katja Johanna Eichler | Lebst du schon oder containerst du noch?

Gib deinem Leben mehr Entgrenzung!

Ich sorge mich sehr um die Integration der Menschen in unserem Land! Meine Sorgen drehen sich hierbei um eine bestimmte und sehr spezifische Gruppe von Menschen. Ihre Integration scheint schwierig bis aussichtslos: Sie sind jungen bis mittelhohen Alters, sie sind unabhängig und körperlich stark. Sie sind - ungemein viele. Sie treiben sich in den zentralen Bereichen unserer Länder und Städte herum und sind teilweise unberechenbar. Sie sind na... lesen


Uta Hauthal | An der Elbe

Ein Spaziergang durch Dresden

Wie schon so oft in diesem Herbst 2015 ist es ein sonniger, warmer Tag, ich habe meinem Begleiter eine Stadtführung versprochen, wir haben viel Zeit, sein Flug geht erst gegen Abend. Am Hotel Bellevue vorbei erreichen wir den Elberadweg; ohne in-nezuhalten oder darüber zu reden, folgen wir diesem flussaufwärts, als sei das von Anfang an unser Plan gewesen. Mein Weggefährte fragt mich nach den nächsten Schritten in der Musik und im Schreibe... lesen


Gerlinde Hacker | trau schau wem

wo bleibt eine frauenwürdigende partei?

der blond gefärbte blauäugige mann mit kleiner gehstock behinderung lächelt nicht mehr. er senkt seinen blick unter der strengen miene des parteivorsitzenden, den er enttäuscht hat. schwer enttäuscht, wenn auch nur knapp. nach den vielen hoffnungen auf eine veränderung der veränderung, nach dem wunsch eines zurückschreitens, zurückholens der vergangenheit. einer alten sicherheit, vertrautheit, gefühlten richtigkeit, nach einem leben o... lesen


bernhard horwatitsch | Sphärenreiche

4 Thesen

Die Deutschen jammern gern und sie blicken gern zurück. Jetzt weiß man nur nicht, ob das Jammern vom Zurückblicken kommt, oder das Zurückblicken vom Jammern. (Dr. Fisherman in einem Gespräch über Laufschuhe aus deutscher Fertigung) Allgemeinplätze „Die Macht kommt aus den Gewehrläufen“ – Mao Zedong Das ist eine Möglichkeit der Einflussnahme. Seit Generationen bemühen wir uns, die Utopie einer von Gewalt freien... lesen


nikola henze | Wälzen

Eine 360°-Annäherung.

(1) Schöngeistige Wälzerei auf ungesicherter Baustelle Um einen Essay über wälzen zu schreiben, ist es im Vorfeld sicherlich sinnvoll, das Wort, von dem hier die Rede sein soll, nicht nur in seiner Be-deutung zu erfassen, sondern auch seine Herkunft und seine Wortfamilie zu recherchieren. Genauso vernünftig ist es, den Begriff Essay gegoogelt bzw. wikipedisiert zu haben, um das eigene Vorhaben auf einen mit Tat-sachen gepflasterten Boden z... lesen


krimhild pöse | Deus sive natura oder: Eigentlich ist alles nicht der Rede wert

Wir haben getan, was wir immer schon getan haben.

Unser 21. Jahrhundert könnte man als Zeitalter der Störung, ja der Belästigung, der permanenten Emissionen bezeichnen. Wir werden zwar älter und immer älter. Aber wir brauchen diese Zeit auch, um all den Belästigungen Herr zu werden. Bis wir endlich Ruhe haben, sind wir ständig in Bewegung. Sogar im Schlaf pumpt unser Herz Blut, zucken unsere Muskeln, entwirft unser Gehirn Pläne. Dass wir am Morgen erfrischt aufwachen, ist eigentlich ein... lesen


michael helming | Zurück natürlich

Midlife-Crisis einer Natural Born Couch-Potato.

Dumpfer Surround-Sound fernab aller Musik. Inventar rumpelt grob durcheinander und hyperdynamische Stimmen holpern – fast wie im Stimmbruch und doch unverkennbar auf Alkohol – kreuz und quer über den nächtlichen Flur sowie durch benachbarte Zimmer. Die Wände vibrieren zuweilen. Ich knete, walke und knautsche in müdwacher Verzweiflung die Kissen, werfe meinen Körper ohne Unterlass von einer Seite auf die andere. Tief in meinem aufgewühl... lesen


Franziska Bauer | Nicht Arbeit, sondern Müßiggang?

Reflexionen zum neuen Stellenwert der Arbeit.

Der amerikanische Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin, der in neoliberalen Kreisen als moderner Maschinenstürmer kritisiert wird, weist darauf hin, dass eine fundamentale Verschiebung der Eckpunkte des Triangels aus Energiegewinnung, Informationstechnik und Transportwesen stets auch eine völlige Neuordnung der Wirtschaft und der Gesellschaft nach sich zieht. Eben das geht gerade vor sich, wir befinden uns mitten in der dritten industriellen Re... lesen


Rolf Schönlau | Menschetten

Ich bin kein Roboter. Ich bin ein Einhorn.

Die beiden Chatbots, die seit 2011 unter dem Titel »AI vs. AI« auf YouTube parlieren, sind Menschetten. Ein Urteil, das nicht allein darauf beruht, dass ihre Dialoge hölzern sind, sie selbst rechthaberisch und in ihren Äußerungen manchmal verletzend. Auch die Beliebigkeit, mit der sie die Gesprächsebene wechseln, taugt nicht als Unterscheidungskriteri-um zwischen Mensch und Menschette. Die Gewissheit, es nicht mit Menschen zu tun zu habe... lesen


dominika meindl | Linke Demagogie statt Haustier-Kontemplation

Über Umwälzung und Krise im Medienbereich. Mit Lösung!

Umwälzungen sind per se nichts Schlechtes, au contraire. Schon alleine im Privatbereich: Wenig lindert die Zumutungen der postmodernden Existenz so augenblicklich wie das Betrachten eines sich wohlig wutzelnden Haustieres. Eine sich ins Tal wälzende Mure hat – aus sicherer Entfernung beobachtet – immerhin einen ästhetischen Mehrwert, wie Sie gerne bei Kant, Schiller oder Rilke nachgoogeln können. Aber bevor dieser Text nun wie ein mickri... lesen


Adi Traar | Traumtänzerisches Liegegelage

Was man beim Lesen und Nichtverstehen von Essays beherzigen sollte und beim Umgang mit Neuen Medien sowieso.

Ich hätte es nicht tun sollen. Man darf ja auch keine garstigen Filme anschauen vorm Schlafengehen, hat man uns immer gesagt. Und warum habe ich nur diesen Gott-und-die-Welt-Essay im Bett vorm Einschlafen gelesen, von wegen gelesen, manchen Sätzen fünf Mal und öfters halblaut hinterherbuchstabiert, bis meinem Bewusstsein sogar der Automatismus der Wiederholung in die Träume ent-flutscht ist, die Augen machten die ganze Arbeit alleine, das f... lesen


helmut schönauer | Die bibliothekarische Umwälzanlage

Beobachtungen aus dem Rangierbahnhof des Wissens.

Wenn blau ist, sind alle Blauen da, wenn Stipendium ist, sind alle Stipendiaten da. Die guten Beobachtungsplätze sind oft versteckt, weil es sich exponiert und öffentlich schlecht beobachten lässt, und leer, weil sich letztlich niemand die Arbeit antun will, die mit dem Beobachten verbunden ist. Und dann gibt es diese Verkrümmungen im Gedärme der Datenverarbeitung, undichten Schweißnähte im Rohrwerk, die unkontrolliert Gesellsch... lesen


heimo mürzl | War früher alles besser?

Über Popkultur, Veranstalter und Konzertbetrieb in Graz – Teil 1: Ein radikal-subjektives Lamento mit Herzblut.

„wer sich für das, was er gerne hat, nicht anzünden läßt wie einen heustadl, der hat nichts besseres verdienen können als den bösen himmel“ (Werner Schwab) Konzerterinnerungen erzählen viel über persönliche Lebensgeschichten – mitunter hat sich durch Konzerterfahrungen auch ein wenig die unverwechselbare Identität mitgebildet. Konzerte dienten der Daseinsverschönerung, dem Welterkennen, spendeten Trost, machten oft Spaß, manc... lesen




Feuilleton der Ausgabe 29 - verspielt

michael helming | Tänzchen in Aspik

Die zahlreichen Facetten des Spiels im Spiegel des Alltags.

Wenn alles vermeintlich Spiel ist, weil es auf irgendeine Weise kinderleicht-sorglos, eben „spielend“ funktioniert, dann fühlt sich irgendwann nichts im Leben mehr echt an. Spiel ist per Definition eine Simulation; da wird mit unbekümmerter „Spielfreude“ gewonnen und verloren, mitunter folgen- und daher auch gnadenlos vernichtet; derweil in der realen Welt das moralisch-ethische Prinzip „leben und leben lassen“ gelten sollte, au... lesen


Ilir Ferra | Das Spiel am Rande

Von Quoten und Rennorten

„Bei diesem Spiel geht es um Leben und Tod. Hier wird es nie einen Gleichstand geben. Aber ganz egal, welche Mannschaft gewinnt, ich kassiere, weil ich auf den Sieg beider Mannschaften gewettet habe.“ Während mir ein Bekannter mit diesen Worten die Macht einer Doppelchance-Wette präsentierte, hatte ich überhaupt keine Ahnung, wovon er redete, obwohl wir in unserer gemeinsamen Muttersprache kommunizier... lesen


christoph dolgan | ALL IN oder Spiel mir das Lied vom Tod

Versuch in drei Bildern

Vorspiel: Jedes Spiel basiert auf Grenzen. Begrenzt sind die Anzahl der Spieler und das Spielfeld, begrenzt sind die Regeln und die Einsätze. – Im all in werden alle vorweg festgelegten Begrenzungen überschritten und das Spiel wird zur Wirklichkeit.   Bild I (Mother, I want to …*) – Sigmund Freud sitzt in seinem Arbeitszimmer, die große weiße Verbindungstür zum Behandlungszimmer steht offen. Durch das Fenster fäll... lesen


harald a. friedl | Über die Unmöglichkeit, kein Spiel zu spielen

Und die Freiheit, auch anders zu spielen

Die Niederschrift eines Satzes ist der Beginn eines Spiels, das ich „einen Essay schreiben“ nennen könnte. Das wiederum ist selbst ein Spielzug im größeren Spiel der Herausgabe einer schreibkraft-Nummer, das sich in einem weiteren Schritt als Spielzug des Meta-Spiels „Literaturbetrieb“ verstehen könnte. „Oberhalb“ dessen läuft ein noch komplexeres Spiel ab, das ich „Kulturproduktion“ nennen könnte, „Identitätssti... lesen


sarah g. foetschl | total langweilig > Game over

Privat? Öffentlich?

Heute war es kühl im Dschungel, nur 30 Grad. Da ich hier keine Zeitung bekomme, lese ich fast nur facebook. Es passiert nicht viel. Veronika schreibt wie immer, dass sie sich umbringen will, Thomas, dass er mir in die Muschi spritzen will, meine Mutter schreibt nicht, dass ich ihr Haus niemals wieder betreten darf, vermutlich hat sie meinen neuen Account noch nicht ausfindig gemacht. Das Meer ist fast ruhig. Neumond. Gleich vorweg: W... lesen


bettina balàka | Schuhtick

Shop till you drop – oder lieber doch nicht?

Ich habe keinen Schuhtick.   Dies liegt nun nicht etwa daran, dass ich mir den Erwerb von vielen Schuhen gar nicht leisten kann, oder daran, dass ich nicht über den nötigen Platz verfüge, um einen Haufen Schuhe aufzubewahren, oder dass ich gar nicht die Zeit hätte, immer neue Schuhe einzukaufen, von ihnen Polaroidfotos zu machen, diese auf die Schuhschachteln zu kleben, die Schachteln zu beschriften und in einem Schuhhort zu or... lesen


david staretz | Eigentümliche Verspieltheiten

Über vermeidbare Worte, türschlagzählende Nachbarn, Eisenbahnervorgartenburgen, Waldviertler Knopffabriken und die unvermeidliche Allgegenwart des Internets.

Jeder im Berufe Schreibende führt bei sich, so nehme ich an, eine imaginäre schwarze Liste der verdammten Worte. Auf meiner stehen unter anderen „leistbar“, „menscheln“ und „garteln“. Läppische Begriffe, die einem die Freude an den bezeichneten Eigenschaften/Tätigkeiten vergällen könnten. Bei „menscheln“ muss ich an Ruderleiberln, Körperbehaarung und die ganze Olfaktorik denken. Wer „leistbar“ sagt, macht sich selbe... lesen


benedikt narodoslawsky | Die Kunst des Kickens

… und die Größe Zinédine Zidanes.

Vor sieben Jahren trennte ich mich von meinem Fußballverein, aber der Fußball verlässt einen nie. Im Herbst kickt man die Kastanie über den Weg, in der Stadt die Dose, am Berg den Stein. Auf Spaziergängen versucht man unbemerkt alles, was tretbar ist, durch die Beine der Mitwanderer zu schießen. Fällt ein Gegenstand zu Boden, greift man nicht danach, sondern streckt reflexartig seine Zehen nach oben und bildet mit dem Fuß eine S... lesen


dirk werner | Kunst, nicht Kunstmarkt

Die Bedeutung von Kunst im Spiegel der Wirklichkeit.

1 Wenn ich über Kunst schreibe, denke ich zunächst nicht an die Produkte kreativer Tätigkeit. Das Künstlerische besteht für mich vor allem in der Art, wie ein Mensch die Welt anschaut. In welches Verhältnis er sich dann zu ihr stellt, bewusst oder unbewusst. Zudem besteht für mich Kunst im Vermögen, eine im weitesten Sinne eigene Sprache zu sprechen. Eine eigene Sprache in dem Sinn, als dass sie den, der sie erfindet, der sie... lesen


Adi Traar | Kausa effiziensis

Und wir verspielen uns täglich.

Im Musikerjargon werden sie Schlepper genannt (wir erwähnen das trotz brisanter Namensvetternschaft), in der Lebenskunst sind es die Flaneure, im Fußball die Dribbler (so geheißen die Ballverliebten), in der angewandten Elternpsychologie schimpft man sie Trödler – und wenn jene „schleppenden“ Musiker im Klein-Klein des Notenfirlefanz das Tempo ebenso verlieren wie besagte Spaziergänger das Ziel vor Augen, und wenn sich auch die Bal... lesen


bernhard horwatitsch | Realität und Virtualität

Binge-watching statt Burn-out

Der wesentliche Unterschied zwischen Spiel und Arbeit ist: Arbeit kann Spaß machen, Spiel muss Spaß machen. Kunst dagegen ist freudvolle Arbeit, an deren Ende das Werk steht. Allerdings hat sich in der modernen postheroischen Gesellschaft inzwischen ein neues Mandat entwickelt. Auch meine Arbeit muss mir Spaß machen. Und wenn mir meine Arbeit keinen Spaß macht, dann leide ich unter einem Burnout. Burnout heißt eigentlich Brennschlu... lesen


rosemarie pilz | Unheimlich komisch

Das Lustvolle in der Komödie.

Zur Sichtung des Films To Be or Not to Be von Ernst Lubitsch zog ich einmal eine alte VHS-Aufzeichnung heran, die handschriftlich ausgewiesen den Titel To Have and Have Not trug. Den richtigen Titel bei der Hand haben ist keine Kunst, aber mit etwas Falschen, einer Fälschung, oder eben einem falschen Titel etwas Wahres ansprechen, das vermag die Kunst der Komödie. Die Transformation des Titels, die der Film durch jemanden erf... lesen


krimhild pöse | Punk

And how to live it … or what?

Ich möchte so besoffen sein, dass ich alles nicht mehr seh‘ (Rio Reiser)   Eine Freundin von mir bekannte sich neulich dazu, dass sie ein Punk sei. Das geschah während einer durch Alkohol schon etwas fortgeschrittenen Debatte. Den Inhalt der Debatte habe ich (in Folge des Alkohols) leider vergessen. Zurück blieb das Bekenntnis meiner Freundin. Nun sind wir (die Freundin und ich) ja schon in die Jahre gekommen. Wir stehen an de... lesen


egon christian leitner | Die Visage als Ausweg

Auswege? Ja sicher, aber wie?

Groß A) Machiavelli wurde sechsmal hingerichtet. Zum Schein zwar jedes Mal, aber das hat er nie gewusst. Man hat ihn sechsmal erhängt, stieß ihn mit dem Strick um den Hals hinunter, fing ihn dann im letzten Moment auf. Er schrieb sodann nur mehr über sex and crime. Über crime in seinen politischen ratgebenden Schriften an die Eliten. Über sex in seinen Stücken, für die er einem größeren Publikum, dem Volke eben, bekannt wurde... lesen


Clemens Schittko | Es war absehbar

Zum Tode von Helmut Schranz (12.01.1963 – 06.09.2015).

Helmut Schranz war ein lieber Kerl. Jedenfalls habe ich ihn nie neidisch oder missgünstig erlebt. Das hätte er auch gar nicht sein können in seiner Eigenschaft als Mitherausgeber einer Literaturzeitschrift und als Organisator von Lesungen in einem sogenannten Literatur- bzw. Kulturhaus. Er ließ andere gelten und äußerte dennoch Kritik, wo sie angebracht war. Und sie war angebracht und ist es heute mehr denn je – bei allem Neobie... lesen




Feuilleton der Ausgabe 28 - wie meinen?

bernhard horwatitsch | Im Garten der Behauptungen

Das Meinen als Technik des Denkens

"Das ist so schrecklich, dass heute jeder Idiot zu allem eine Meinung hat." (Dieter Nuhr) Vor etwa 4.000 Jahren ließen sich in Kleinasien – an der Westküste der heutigen Türkei verstreut – ein paar Stämme nieder. Im siebten Jahrhundert vor Christus gründeten diese Stämme den so genannten Ionischen Bund. Herodot spricht in seinem ersten Geschichtsbuch ( Klio ) von zwölf Städten. Kos, Ephesos, Lebedos, Milet, um nur einige d... lesen


wolfgang kühnelt | Heute schon gemeint?

Über soziale Medien und unsoziale Gedanken.

„What’s on your mind?“, fragt das erst noch zu befüllende Facebook-Kästchen in der angloamerikanischen Version. „Was machst du gerade?“, will man in der deutschsprachigen Variante neugierig vom „User“ wissen. Wenn sich ein Konzern von globaler Bedeutung so vehement für unsere Gedanken respektive Handlungen interessiert, dann darf das nicht unbeantwortet bleiben. Noch vor zehn Jahren waren es vereinzelte – auf ihre Art... lesen


parviz amoghli | Propaganda aus der Retorte

Im Meinungsbombardement textgenerierender Computerprogramme.

Obwohl von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, sind sie beileibe keine Besonderheit mehr: textgenerierende Computerprogramme. Inzwischen haben sie es sogar schon bis in den Journalismus geschafft. Das Magazin Forbes beispielsweise benutzt eine Software, die nach Eingabe einiger statistischer Daten durchaus lesbare Artikel hinsichtlich der Entwicklung von Unternehmenszahlen ausspuckt. Oder die Nachrichtenagentur AP: Die lässt seit... lesen


gábor fónyad | Lob des Homo mendax

Der Lüge verdanken wir Dichtung und Literatur

Allen Zweifeln zum Trotz, allen Versuchen, ein gegenteiliges Bild davon in die Welt zu setzen – der Mensch ist doch ein wunderbares Wesen. Was ihn so wunderbar macht, so außergewöhnlich, und ihn über die nächsten Verwandten im Stammbaum der Evolution hebt (die Bonobos und die Schimpansen), sind nicht seine technischen Errungenschaften, die entbehrlich sind und bald aus dem Kanon der Menschheitsgeschichte verschwunden sein werden... lesen


harald a. friedl | Die Einsamkeit des Zweiflers

Über die Freiheit von der Angst, das Falsche zu meinen und nicht geliebt zu werden.

Die lähmende Angst des Autors vor dem leeren Blatt – in ihr manifestiert sich die Sehnsucht, das „Richtige“ zu schreiben: Was des Lesers Zuwendung erwirkt, ihn fesselt, bewegt, Teil seines Horizonts, seiner Wahrheit wird. Wer „falsch“ schreibt, wird von der „Leserschaft“ mittels „like not“ stigmatisiert, oder schlimmer noch, bleibt ungelesen, jenseits der Wahrnehmungsgrenze, bedeutungslos, inexistent. „Alles, was... lesen


michael helming | Auch du bist Haßloch

Ein Euro für zehn Minuten Umfrage

Ins Jenseits spähen selbst sie nicht, heißt es über Demoskopen bei Arno Knoschke, einem Autor, den unter tausend Befragten auch nur einer kennen will. Belastbares Datenmaterial über jene andere Seite besitzt dabei freilich niemand, da einfach kein Aas weiß, was passiert, wenn man stirbt. Allerdings bin ich bestimmt nicht der einzige Mensch, der sich in neugierigem Vorausorakeln auf jenes unvermeidliche Ereignis seine ganz private T... lesen


werner schandor | Eine Art Aufmerksamkeit

Warum Meinungsforschung nicht gleich Marktforschung ist, aber auf alle Fälle der Durchschnitt zählt.

"Wer Fragen hat, macht um sie einen Bogen herum." (Helmut Schranz) Warum rufen so oft Leute an, die einen nach der Meinung zu diesem oder jenem befragen wollen? Wie kommt es, dass Wahlprognosen dermaßen oft danebenliegen? Und wer sind eigentlich die Menschen, die Meinungsforschung betreiben? Ich habe meinen Cousin, den Marktforscher Odilo Seisser, um ein Interview gebeten. Der Psychologe schlitterte in den 1970er-Jahren in die Mark... lesen


katja schmid | Fragen und fragen lassen

Facebook statt Face-to-Face

Wir haben zuhause einen Festnetzanschluss und mehrere Durchwahl-Nummern. Benutzt werden jedoch nur zwei. Damit wir nicht durcheinanderkommen, wenn jemand anruft. Klingelt es bei mir, weiß ich: Das ist für mich. Klingelt es bei meinem Mann, weiß er: Das ist für mich. Klare Sache. Ab und zu jedoch klingeln beide Telefone. Gleichzeitig. Dann wissen wir: Das sind die Meinungsforscher. Die haben unsere dritte, sonst nie genutzte Durchwah... lesen


michaela schröder | Was Meinung verlangt

Ist der Verlust des Paradieses der Beginn der freien Selbstbestimmung?

Das „Vermeintliche“ bezeichnet einen Irrtum. Es steckt das Wörtchen „meinen“ darin, aber eine Meinung zu haben, bedeutet nicht generell, dass es sich dabei um eine sachlich zutreffende Ansicht handelt. Trotzdem gilt die gesetzlich verbürgte Meinungsfreiheit seit rund 250 Jahren als ein Menschenrecht, inklusive dem darin enthaltenen Recht auf öffentlich geäußerten Irrtum. Wieso dient das freie Meinungsbilden dem gesellschaft... lesen


alice le trionnaire-bolterauer | Was Charles, Charlie und Kleist so meinen

In den Texten des 18. Jahrhunderts wird auf Teufel komm raus gestritten.

1. Als Charles de Secondat, Baron von Montesquieu, im Jahr 1712 seine persischen Reisenden Usbek und Rica in Paris ankommen lässt, ist des Staunens kein Ende. Unverständlich, was hier nicht alles noch geglaubt wird, was einem neugierigen Orientalen die Haare zu Berge stehen lässt! Die Macht des Königs allzumal, der, wenn die Notwendigkeit des Kriegführens die Staatskasse leert, seinen Untertanen weismacht, Papiergeld sei ebenso... lesen


helwig brunner | Gummibälle in der Gummizelle

Spiele der Meinungsbildung zwischen Aporie und Aphorismus.

Spazieren gehen Wie ich an dieser Stelle flugs zu lästern beginnen könnte über Meinungen, die, hat man sie erst einmal ausgedrückt, als undurchschaubar klumpenförmige, quasi koprolithische Gebilde versteinern, künftig als Vorurteile weiteren Gedanken im Weg liegen und schlimmstenfalls auch noch von Generation zu Generation weitergereicht werden: „Meinungen zu haben, ist die beste Methode, der Verpflichtung zum Denken auszuweic... lesen


stefan sonntagbauer | Direkte Demokratie? – Völliger Topfen!

Wieso wir nicht reden, sondern schweigen müssen, damit die hiesige Welt anders werden kann, was durchaus zu begrüßen wäre.

"Des is die nächste depperte Frog‘!" ( Der österreichische Fußballer Günther Neukirchner zu einem Sportreporter) I In seiner Schrift Im Schatten der schweigenden Mehrheit oder Das Ende des Sozialen steuerte Jean Baudrillard bereits 1978 einige gewagte Thesen zur Massentheorie bei. Unter anderem spricht er in seinem Essay von einer Politkultur der Neo-Darstellung, in der die Herrschenden nur noch mit leeren Zeichen o... lesen


vasile v. poenaru | Europäisches Denken und rumänisches Weiden

Marginalien zu einer lückenhaften Meinungsbildung.

„Na, wie geht’s so?“, wird ein an bedeutungsvollem Ort in unmittelbarer Nähe seiner wolligen Herde ausschnaufender Schäfer irgendwann nach der Zweiten Lautverschiebung irgendwo im nahrungshaltigen rumänischen Grasland gefragt. „Nichts wie in Gedanken vertieft dasitzen, was?“ Und des Hüters epistemologisch gevifte Antwort auf die anmaßende Grasland-Frage? – „I wo! … Bloß dasitzen.“ Die Schafe grasen gedankenlos... lesen


harald darer | Gut. Gemeint.

Notizen eines Meinungserfinders in der Meinungsforschungsindustrie.

Wer meinen Sie zu glauben, wer Sie sind, beziehungsweise glauben Sie zu meinen, wer Sie sind? Was glauben heißt, wissen Sie aber hoffentlich, meine ich, und dass das Meinige zählt, weiß ich, schließlich will ich nicht mit mir selbst meineidig verfahren, nicht wahr? Das ist ja das Schöne am Meinen. Man würde geradezu gegen ein Menschenrecht verstoßen, nicht seiner Meinung zu sein. Also der eigenen. So gesehen bin ich ein Menschenr... lesen


wolfgang gulis | Unter uns

Dieser Text ist der Selbstzensur zum Opfer gefallen.

Bitte, liebe Redaktion: Das, was folgt, muss unter uns bleiben. Sagen Sie meinen beiden SelbstzensorInnen nichts. Bitte verwahren Sie den Text gut, ich bin mir nämlich nicht sicher, ob sie nicht draufkommen und dann meine ganze Festplatte vernichten. Diesen Text konnte ich gerade noch vor ihnen retten. So weit ist es schon gekommen, ich musste nach Mitternacht in mein Arbeitszimmer schleichen, heimlich die Datei runterladen und verstec... lesen




Feuilleton der Ausgabe 27 - zweifelhaft

ernst kilian | Zweifellos ist ein hoher Berg

Wir glauben es, weil es absurd ist

Es muss ja nicht alles so zweifellos feststehen wie die Schuld in Kafkas Strafkolonie. Aber wenigstens einige grundlegende Dinge wüsste man gern vom Zweifel befreit, doch der nagt unerbittlich. Nagen ist das Einzige, was er kann, und ganz besonders gern und hartnäckig nagt er an den Fundamenten unserer Kultur. Beginnen wir chronologisch. Wer, zum Beispiel, war Moses (ca. 1300 vor der Zeitrechnung)? Bis ins 18. Jahrhundert galt er noch... lesen


stefanie lehrner | Geschichten vom Drachendreck

Ein neongelber Schleim belebt Körper und Geist.

Der Zweifel ist ähnlich wie das Internet, Sex oder Zirbenschnaps: der Ursprung und die Lösung vieler Probleme. Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Werden Schleimpilze irgendwann die Welt beherrschen? Will you still love me tomorrow? Bin i jetzt eher tot oda lebendig? Warum nicht? Oder warum schon?   Yes we Kant „Ich mag deine Zweifel“ ist zweifelsfrei eines der schönsten, a... lesen


harald a. friedl | Wer soll ich sein wollen?

Die Suche nach Selbst-Gewissheit als postmoderne Odyssee.

Kärnten ist ein unvergleichlich schönes Urlaubsland mit perfekter Kulisse: Seen, Berge, Buschenschänken und Kasperltheater. Für genießende Gäste am schönsten ist jedoch die Freiheit wieder heimfahren zu können, denn wer lebt schon gerne dauerhaft unter bissigen Krokodilen, hinterlistigen Dieben und grinsenden Seppln? Wem aber der Rückzug ins Zuhause jenseits von Großglockner oder Pack verwehrt ist, dem bleibt nur die rechte He... lesen


hans durrer | Vom Vertrauen

Es beginnt beim Flughafentaxi

Das Weltbild der Juristen gründet auf der Vorstellung, dass man den Menschen nicht trauen kann. So recht eigentlich sind es nicht nur Juristen, die so denken, die meisten Menschen denken so, doch den Juristen ist eingefallen, daraus ein Geschäftsmodell zu machen, das dazu beiträgt, die Beziehungen der Menschen untereinander zu vergiften. Ich trage diesen Virus, dass man den Menschen nicht trauen kann, auch in mir. Den lieben Nachb... lesen


doris claudia mandel | Die Auferstehung der Winkeladvokaten

Wie man die Armen unter den Deutschen zu Kriminellen macht.

Deutschland ist gerade dabei, in die vordere Reihe der mächtigen Staaten zurückzukehren. Gleichzeitig ist es, einer Studie der englischen BBC zufolge, der beliebteste Staat der Welt. Sogar 59 Prozent der US-Amerikaner haben laut unserer dortigen Botschaft „einen ausgezeichneten Gesamteindruck“ von uns, und das will was heißen. Deutschland ein Musterländle zum Liebhaben? Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschu... lesen


bernhard horwatitsch | Wo das Geld ist, ist die Wahrheit

Die Alchemie hat sich doch durchgesetzt.

„Während Preising schlief, ging England unter.“   Jonas Lüscher: Der Frühling der Barbaren Wenn Sie heutzutage irgendein Produkt oder Ihre Arbeitskraft (die markttechnisch auch nur ein Produkt ist) auf dem Markt platzieren wollen, dann brauchen Sie ein Startkapital. Das bedeutet in der Regel „Kredit“. Ihre Bank verkauft Ihnen nun gegen Zinsen das Recht, fremdes Geld wie Ihr eigenes zu benutzen. Jetzt machen Sie Ge... lesen


michael helming | Ge(h)hilfen des Zweifels

Die Welt will betrogen werden. Nur Oma nicht.

Meine Oma fährt zwar nicht im Hühnerstall Motorrad – eine dubiose Betätigung, die der Text eines altbekannten Kinderliedes lebensfrohen Großmüttern da nachsagt –, dafür wagt sie sich mit ihrem Rollator inzwischen sogar auf Rolltreppen; wobei ein derartiges Unterfangen, zumindest beim Abwärtsfahren, allerhand Nervenkitzel im Geiste Evel Knievels impliziert. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe das überprüft, borgte mir währe... lesen


heike stuckert | Der Schattenmann

Der erste Fall als Schöffin am Landgericht: ein Mord

Einem System ausgeliefert sein, Zwängen unterworfen, auf die man keinen Einfluss nehmen kann, gleich ob äußeren oder inneren – vielleicht würde man bei diesen Umschreibungen an Suchtverhalten denken, vielleicht an Bürokratie, vielleicht an den Gang durch den Immigrations-Checkpoint am JFK-Flughafen in New York. Ich denke unweigerlich an Strafverfahren. An Rollenbezeichnungen, die keinen Raum für Namen lassen: Täter, Opfer, Ange... lesen


nikola henze | Conversation with the Beast

Zwischen Kellerverlies und Opfer-Abo.

Der Mann fällt auf, sowie er hereinkommt. Obwohl ich nicht sagen kann, wodurch. Ob er laut ist, poltert, etwas sagt, was er anhat? Fehlanzeige. Als ob er mir innerlich auffiele. Als hätte seine Seele Arme, die nach mir greifen. Vielleicht eine Stunde, bevor der erste Seminartag zu Ende gegangen ist, taucht er auf. Ich sehe kaum auf, denke nichts konkret, da passiert er bereits meinen Rücken und nimmt einen Sitzplatz vor den Fenstern... lesen


helwig brunner | Leere Hände

Über Dichtung und Wahrheit - und den Zweifel an beidem

Unlängst, als ich wieder einmal mit leeren Händen dastand, habe ich ein Gedicht gelesen und eines geschrieben. Das wäre nun nicht weiter erwähnenswert, wenn es nicht Ausgangspunkt der nachfolgenden Darlegungen wäre, die auf beides, nämlich auf das Lesen und Schreiben von Gedichten, ein durchaus zweifelhaftes Licht werfen. Nach meinen persönlichen Kriterien handelt es sich bei jenen zwei Gedichten, dem gelesenen und dem geschri... lesen


dirk werner | Im schönsten Zwielicht

Dem Jubilar Arno Schmidt die Ehre.

1 Auch wenn er in diesem Jahr einhundert geworden wäre – hat Arno Schmidt nicht zwielichtige Gestalten gefördert? Ans Tageslicht befördert, aus sich selbst herausgezogen? Um letztlich uns braven Bürgern die eigene Existenz wenn schon nicht als zwielichtig, so doch als zweifelhaft erscheinen zu lassen? Dem Jubilar die Ehre. Dennoch: Er hat. Der Held seines Buches Das steinerne Herz ist ein Abenteurer. Abenteurer in den... lesen


katharina körting | Baden gehen

Ein zweifelhafter Text.

„Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warenansammlung', die einzelne Ware als seine Elementarform.“  Karl Marx   Ich habe ein Buch geschrieben – nun muss ich es verkaufen. Ihnen, liebe Leserin. Das Verkaufen ist eine andere, wenn auch ähnlich zweifelhafte Tätigkeit wie das Schreiben. Ihnen zuliebe, Leser, will ich ehrlich bleiben b... lesen




Feuilleton der Ausgabe 26 - da capo

brigitte fuchs | der kosmische kampf gegen lange weile

Schafft eins, zwei, viele Weltuntergänge

Am Anfang war universelle L/langeW/weile: „Die Mutter hatte keine Gestalt, sie war nichts. Sie war ‚Alúna' (Seele, Wunsch).“ (1) Da schuf sie die erste Welt oder „Sonne“, die unter dem Namen „4-Wasser“ bekannt ist. Da es ihr aber an Erfahrung mit dem Erschaffen von Welten mangelte, fehlte es der ersten aller Welten an Tages- und Jahreszeiten, an interessanten Landschaften und Wesen sowie an schmackhaften Spe... lesen


jürgen plank | wiedergänger, vampire und bela lugosi

Geköpft, verbrannt und doch nicht umzubringen: Wiedergänger als Kehrseite des ewigen Lebens.

1997 war das Jahr der Vampire: 100 Jahre zuvor hat Bram Stoker seinen Roman Dracula veröffentlicht, zum 125. Mal jährt sich das Erscheinen der Vampirgeschichte Carmilla des irischen Autors Joseph Sheridan LeFanu, die ein wichtiger Einfluss für Stoker war. Auch feiert in diesem Jahr der berühmte Dracula-Darsteller Christopher Lee seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Und ein ewig lebender Stoker wäre 150 Jahre alt gew... lesen


georg gartlgruber | widerlich - eine reminiszenz

Der Grusel beim Horrorfilm kann als kathartische Erfahrung erlebt werden, der Tritt in den Hundehaufen nicht.

Siebente Klasse AHS am Sommerbeginn, da zog ich ein Heftpflaster von einem meiner Finger und klebte es mir auf die Rückenlehne meines Sessels. Es war wohl ein Ausdruck des jedem Teenager bekannten, unzensierten und unbewussten Strebens nach Individualisierung und kreativer Gestaltung, obwohl damals hätte ich nach meinen Beweggründen gefragt, wohl bloß mit den Achseln gezuckt. Ein Klassenkollege fragte nicht, sondern fing bloß zu sc... lesen


ilona kästner | heldenandacht

Eine doppelte Grabrede

Einige wären ein Phönix gewesen, wären andere nicht zuvorgekommen. Großer Vorteil: erster zu sein, und wenn mit Vortrefflichkeit, doppelt. Bei Gleichheit gewinnt, wer als erster gewinnt. - Balthasar Gracian, Der Held In unserem Wertesystem gibt es eine Kategorie, die ist unschlagbar: der oder die Erste. Als Ordinalzahl markiert sie zunächst nur einen neutralen Ort im Rahmen einer abzählbaren und geordneten Reihe. Seltsamerwei... lesen


peter piller | der künstler sollte verrückt sein

Das ist für alle das Beste

Bei jedem größeren Neubau muss der Bauherr ein paar Prozent der Bausumme für Kunst am Bau ausgeben. Weil der Bauherr aber meist von Kunst keine Ahnung hat, wird aus Sachverständigen, etablierten Künstlern, Kunsthistorikern und den Laien eine Jury gebildet. Ein Wettbewerb wird ausgeschrieben und die Jurymitglieder aus der Kunst argumentieren für die Vorschläge ihrer Künstlerfreunde. Die Jury tagt bei Kaffee und Gebäck. Wenn sie... lesen


egon christian leitner | nebelscheinwerfer

Damit Sie wissen, wovon Sie reden, wenn Sie „Neoliberalismus“ sagen. Und warum Sie nichts Nennenswertes gegen diesen unternehmen Bourdieus et aliorum Das Elend der Welt ist bewerkstelligt worden, damit entsetzliche, entsetzte Menschen einander ohne Unterlass mitten im angeblich banalen Alltag – welcher angeblich unter einigermaßen erwachsenen Menschen durchaus zumutbar ist und aufgebrachter, enttäuschter, weinerlicher Rede angeblic... lesen


thomas ernst brunnsteiner | tugendarbeitslosigkeit

oder vom Mann, der sich zu nichts mehr eignet

Jede Mühe, die über das Sorgetragen für Grundbedürfnisse - Essen, Wärme, Reinheit, Duldsamkeit - hinausgeht, nimmt mir immer öfter den Geschmack des Willkürlichen, des Unreinen und Entbehrlichen an. Zu Zeiten treiben mich materielle Sorge um, aber zu Zeiten bedarf es des Geldes gar nicht. Dann will ich nur meiner Herr werden - und dabei Knecht bleiben. „Warum“, frage ich mich, „weshalb, wozu mehr“, und ich finde in der Stille v... lesen


ann cotten | zivilisiertes gemüse

Erscheinungsformen vegetabilen Materials als Symptome kultureller Befindlichkeiten

Wir halten uns für ziemlich gut, ja? Unser kollektives Über-Ich schreibt wöchentlich in der österreichischen Tageszeitung Die Pisse eine Selbstgratulationskolumne, unser Es (Opa) tut am Wochenende im Schrebergarten Rasen mähen, und selbst leben wir ganz selbstverständlich um die Arbeit, unseren unverdaulichen Gallenstein, herum. Vor allem halten wir selbstverständlich unser selbstverständliches Weltbild für selbstverständlich, gerad... lesen


alexandra rollett | mein ich ist hirntot

Nachruf auf einen geliebten Patienten

Nicht nur trauern wollen wir, dass wir es verloren, sondern dankbar sein, dass wir es gehabt. Meinem ICH ging es schon seit geraumer Zeit nicht besonders gut. Es war nicht nur erschöpft, was ihm Alain Ehrenberg in seinem viel zitierten Buch Das erschöpfte Selbst gerade noch zugestanden hätte. Es musste eine Reihe äußerst bedenklicher Burnouts verkraften: neuronale Synapsen durchgeschmort, moralisch-ethische Sicherungen geflogen und a... lesen


dirk werner | mehr als weniger blauer dunst

Weder Fragen noch Rauchen – die Vernunft ist ein Endpunkt

1 Jedes Verbot zeugt ein Geheimnis. In der DDR, wo praktisch alles verboten war, gab es Unmengen von Geheimnissen, von Abernichtweiter-Sagen, Mythen und Mystifikationen. Und wenn jetzt in der BRD das Rauchen in den Gaststätten verboten wird – den Rauch treibt das nicht aus. Das Verbot wird die Kultur verändern, ja, aber das Gasgemisch, einmal von den Tischen verbannt, wird anderswo die Köpfe erneut unter sich versammeln. Keine Frage m... lesen


bernhard horwatitsch | das universum

Oder: Nichts von Bedeutung

Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau rausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist. – Douglas Adams: Das Restaurant am Ende des Universums Glück, so sagen viele Glücksforscher, sei nicht messbar. Dennoch gibt es einige Statistike... lesen


clemens marschall | weltkrieg am jausentisch

57 Kuhhirne in 15 Minuten: ein neuer Sport erobert die Welt

4. Juli, kurz nach 11 Uhr in New York: Wir feiern den Unabhängigkeitstag. Coney Island, der New Yorker Vergnügungspark, ist Platz des Geschehens. Ich bin dort nicht alleine, 40.000 Leute stehen sich um mich herum ihre Füße in die Mägen, die Kinder, die auf ihren Schultern sitzen, schwingen ihre Fahnen. Zusätzlich jauchzen noch 1,5 Millionen Fernsehzuschauer. Der Anlass des Events? Heute findet das Wettfressfest schlechthin statt! Der le... lesen


harald a. friedl | die rosarote krise

Fallstudie über ein Opfer der Rosamunde-Pilcherisierung

Endlich hatte sie ihm unter Tränen und unverwüstlichem Make-up ihre ewige Liebe geschworen, während ihr der schottische Nebel das blonde Haar benetzte. Unter ihr der Abgrund einer wilden Felsküste, zerschnitten von weißen, schwebenden Möwen; im Hintergrund die beruhigende Grünheit der sanften Highlands mit ihrem Hauch von Freiheit und Abenteuer; über ihr ein Himmel so blau wie seine Augen; um sie seine starken Arme und in ihr seine Zu... lesen


gerhild perl | der telefon-engel®

Versuch über das Sterben

1 Vor einigen Monaten fiel mir im Wiener Bestattungsmuseum eine Broschüre mit dem kryptischen Versprechen „Trauerbewältigung mit dem TelefonEngel®” in die Hände. Dieser helfende Engel ist ein rechteckiges, glasfaserverstärktes Gehäuse, das ungefähr die Größe von vier Sardinenbüchsen hat und ein Handy, einen Lautsprecher sowie eine Stromversorgung beinhaltet. Der TelefonEngel®, der 30 cm über der Grab- oder Urnenstelle eingeer... lesen


jörg albrecht | schreib dich ab!

Sonst müssen wir auch den Sozialstaat selbst bauen

Hallo! Hallo?! Ah, ich dachte grad. Ich komm manchmal aus Versehen auf die Stummtaste, und dann hört mich keiner mehr. Na ja. Es gibt einen Satz, den ich mir jeden Tag selber sage: My work is my life. Nein, NICHT auf einem Blatt Papier, eine Stunde am Tag, in höchster Konzentration, Thomas Mann-like. Ich arbeite manchmal, bis ich so müde bin, dass ich nicht mehr arbeiten kann, noch weiter arbeiten muss, weil irgendwie dann, wenn alles so d... lesen


laura freudenthaler | feel free to stalk me

Zwischen Online-Dating und donogener Insemination

Im Jahr zweitausendzehn wurde in New York das Online-Dating auf der Straße erfunden und es handelte sich gleichzeitig um einen Rückschritt und Fortschritt und New Yorker Singles zeigten sich angetan und fanden es eine ganz neue Erfahrung ihr Date vor dem ersten Date bereits in echt gesehen zu haben. Und im Mai neunzehnhundertzweiundvierzig stellte ein Mann namens Zuse den ersten funktionsfähigen Computer fertig und kurz zuvor hatte... lesen


roland steiner | der panther sind wir

Über die Autonomie der Bewegung

0 Zahlen hasse ich. Aber sie durchzucken mich als romantischen Skeptiker und romanischen Träumer dennoch und werden mich, hoffentlich ungerade, überrollen. Denn ich gehe davon aus, dass ich mit 95 Jahren in einer Public-Private-Partnership-Klinik der Dritten Republik Österreich von einem indonesischen Krankenpfleger nach Bestimmungen für Leute wie mich als prekäres Schuldnersubjekt ein finales Naturpflanzengerät zu inhalieren bekommen u... lesen


michael helming | allein vinyl hat bestand

Kroatische Sturmgewehre: Sicher wie Milch

"The only certain thing in life is death." Truth hits everybody - The Police Ein ruheloser Geist bringt Shiva zum Tanzen, erklärte angeblich einst gelassen der Guru Sri Nisargadatta Maharaj. Demnach hat der große Zerstörer definitiv den Groove, wenn ein Menschlein sich plagt, mit Leid und Begehren, mit Zwängen, Zweifeln und Ängsten; Seele und Gottheit geraten gleichermaßen in aufgewühlte Bewegung, solang grundlegende – oder als grun... lesen


krimhild pöse | der irrtum der praxis an der theorie

Teil V

Das geheime Tagebuch von Samuel Pepys erwähnt den gescheiterten Versuch seines Freundes und Spions im Dienste der Krone, Samual Morland, mithilfe einer Art Wasserpumpe, die er an eine Trompete anschloss, Schall nach Frankreich zu exportieren. Morland arbeitete für John Tuerlee, dieser wiederum für Richard Cromwell. Und dieser schließlich für Karl II. In dieser Zeit arbeitete jeder für jeden. Doch Schall exportierte man mit Pferdekutsche... lesen




Feuilleton der Ausgabe 25 - schön blöd

harald a. friedl | das karenina-prinzip

Warum das schöne Leben die Ausnahme und Leiden an der Blödheit normal ist

  Glück ist das Wichtigste im Leben. Diesen Eindruck vermittelt die gewaltige Flut an Büchern, Beratern und Gerätschaften, deren Versprechen eines besseren Lebens den Markt vereinnahmen. Dass dieses boomende Angebot den Nerv der Zeit trifft, erscheint umso erstaunlicher, als es den Menschen in Zentraleuropa nie zuvor so gut ergangen ist, gemessen an fundamentalen Grundbedürfnissen. Während – entgegen bemühten UN-Millenniumszie... lesen


harald darer | es gilt die unschuldsverhütung

… bis das Gegenteil erbrochen ist

Ich bin Ihnen wirklich dankbar, dass Sie mir die Möglichkeit geben in der Öffentlichkeit meine Sicht der Dinge zu verklären, weil was in den letzten Wochen durch die Medien gegangen ist, was da an Ungeheuerlichkeiten unter den Tisch gekehrt wurde, das passt, mit Verlaub, auf keine Sauhaut. Wie ich diese Vorwürfe aus der Zeitung erfahren musste, da bin ich fast zu Salzsäure erstarrt. Man hetzt mit Tatsachen gegen mich auf, die nicht der W... lesen


werner schandor | hoffnung kennt keinen spaß

Paulus war Amerikaner, und Obama ist ein armer Mann. Ein Appell

Doch ein Mann sollte lieber auf den Ratschlag von Kindern hören als auf seine eigene Hoffnung. - Ilja Trojanow: Der Weltensammler Die schwindelhafte Hoffnung ist einer der größten Übeltäter, auch Entnerver des Menschengeschlechts. - Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung Die Macht, die die Hoffnung über uns haben kann, fiel mir das erste Mal auf, als ich in Wien einen Freund besuchen wollte, der nicht daheim war. Seine Freundin aber schon... lesen


bernhard horwatitsch | deutschland?

Eine Kritik der Erzählung

Viele Nationalmythologien basieren nicht auf einem Triumph, sondern auf einer Schmach. Eine Demütigung blieb im Raum stehen. In der Raumzeit fand sich allerdings kein Rächer für diese Demütigung. Verletzter Stolz, gekränkte Ehre, ein unerledigter Rest in der Welt, ständige, fortdauernde Unruhe sorgen für Heimsuchungen. Um diese zu bewältigen, sucht man durch stete Wiederholung, durch Variation, durch ständige neue Erzählanläufe ein... lesen


peter androsch | geständnis eines alchemisten

Über Calcinitaion, Sublimation, Solution, Putrefaction und Coagulation der Bau-Akustik

So was Blödes! Jetzt haben wir so lange vorbereitet, diskutiert, Materialien getestet, geplant und Modelle gebaut. Und trotzdem ist es wieder nichts geworden. Buchstäblich nichts. Wir haben den Aludel eingerichtet. Dann ganz gewiss die richtigen Legieain die Kupelle gefasst, dann alles in die Retorte gefüllt. In der Serpentine haben wir noch sorgfältig nachgebessert. Natürlich ist auch alles auf dem Athanor gestanden, selbstverständlich... lesen


karl wimmler | proben aufs exempel

Schnell vergessene Blödheiten mit Wiederholungspotenzial

Historiker werden bekanntlich oftmals als Leute geringgeschätzt, die „hinterher alles besser wissen“. In der Regel von Leuten, die ungern an den Stuss erinnert werden, den sie noch gestern begeistert verbreiteten. Und der sich von ihrem heutigen nur wenig unterscheidet. Womit jedoch befassen sich Historiker? Umstände, die dem Heute nicht lange genug entfernt, der Aktualität der Gegenwart aber längst entschwunden sind, finden selten Be... lesen


alexandra rollett | über das blöde am sinn

Ein Sermon

Sinn sollte eigentlich nie blöd sein. Er gehört dafür, dass es ihn gibt, von jeder Zumutung durch adjektivische Kategorisierung befreit. Unabhängig von seiner Herkunft. In der Realität sieht das allerdings anders aus. Da wird meistens Blödsinn gemacht. Nicht immer sofort. Der Blödsinn zum Beispiel, den ich gestern alleine zuhause angestellt habe, hat Sinn gemacht. Doch dann hat er beschlossen, die eigenen vier Wände zu verlassen, und... lesen


wolfgang pollanz | dumb all over

Mit Frank Zappa in der Dummheitsfalle des Pop

Ein Ritter nahm den Kampf gegen die Dummheit auf, ein Monster, dessen Antlitz keine Menschenseele beschreiben konnte. Nur ein Name und der Ort, wo es sein Unwesen trieb, waren bekannt. In schwerer Rüstung und mit gezücktem Schwert zog er durch das Sumpfland. Je näher er dem Ort kam, desto tiefer versanken seine Füße im Boden. Kurz bevor er verschwand, wurde der verdutzte Ritter vom Moor umfangen. - Matthijs van Boxsel: Die Enzyklopädie... lesen


michael sammer | wir sind die overdoer

Leben in Zeiten der kollektiven Beschleunigungstrance zwischen Semmering und Wien

Beginnen wir am Ende. Der Vorteil: Damit befinden wir uns gleich einmal in geistreicher Gesellschaft so großer Denker wie Montaigne, Borges und Falco. Und noch ein Vorteil: Mit so viel geballter Weisheit stirbt es sich auch leichter. Denn, und das eint dieses Dreigestirn: Sterben lernen heißt leben lernen. Was erfahren wir übers Leben beim Sterben? – Bei Begräbnissen immer gerne zur Hand: das Buch Kohelet. Weinen, lachen, tanzen, bau... lesen


martin alexander sieber | sinnesabblendungen

Dummheit als Stigma

Blendungen sind immer auch Abblendungen.     (Käte Meyer-Drawe) Im Hinblick auf die eigene Intelligenz neigen wir vielleicht alle ein wenig dazu, an die unbefleckte Empfängnis zu glauben. Erbringen wir nicht jeden Tag den Beweis unserer Unversehrtheit, da wir doch ständig lauter Dummheiten um uns herum erkennen? Als Erkennende fühlen wir uns vom einmal Erkannten automatisch ausgeschlossen. Dass man aber, wie Sartre in se... lesen


krimhild pöse | der irrtum der praxis an der theorie

Teil V

Das geheime Tagebuch von Samuel Pepys erwähnt den gescheiterten Versuch seines Freundes und Spions im Dienste der Krone, Samual Morland, mithilfe einer Art Wasserpumpe, die er an eine Trompete anschloss, Schall nach Frankreich zu exportieren. Morland arbeitete für John Tuerlee, dieser wiederum für Richard Cromwell. Und dieser schließlich für Karl II. In dieser Zeit arbeitete jeder für jeden. Doch Schall exportierte man mit Pferdekutsche... lesen


kerstin eberhard | verhängnisvolle sehnsuchtsmonde

Bärenpelz, Arschfax, bravouröse Sexualaufklärung

In einer alten Radiosendung referierte Eugen Drewermann über das Märchen Der Froschkönig. Zur Sprache kam dabei, anlässlich der Drewermann‘schen tiefenpsychologischen Interpretation des Märchens, das Wort PUBERTÄT. Dieses bescheuertste Wort von allen bescheuerten Worten überhaupt. Das ist so ein Igitt-Wort, ein unaussprechliches, dass ich schon so lange hasse, wie ich denken kann. Und mit bewusst denken fing ich ungefähr genau in di... lesen


dirk werner | dummheit

Ein Zauber

Die unbestritten größten Helden der Dummheit im 20. Jahrhundert waren Stan Laurel und Oliver Hardy. Das weniger durch ihre nie endende Tollpatschigkeit oder dadurch, dass die sich mit unverwüstlicher Unbelehrbarkeit paarte. Nein, in meinen Augen waren sie deshalb der Dummheit Größte, weil sie stets wieder aufstanden, nicht nur aus ihr, sondern auch mit ihr. Weil sie kaum je daran dachten, aufzustecken. Sie hatten Ziele vor Augen und eine... lesen


alice le trionnaire-bolterauer | von den abderiten

Wieland, sein Esel und die Krätze

0. „Auch liebe Grüße fon mir und meinen Freunden“, schrieb mir ein Bekannter – per SMS – zu meiner Hochzeit, was ich schockierend fand. Doppelt schockierend ob des Rechtschreibfehlers und meiner indignierten Reaktion. Sind Rechtschreibfehler ein Indiz für Dummheit oder bloß für mangelnde Bildung? Und was ist dann von meinem (anderen) Bekannten zu halten, der Chat-Kontakte mit Leuten vermeidet, in deren Leitsätzen sich... lesen




Feuilleton der Ausgabe 24 - aber sicher

hermann götz | gut verunsichert

Wir leben in unsicheren Zeiten. Aber wir leben noch.

Das erste Elternauto, an das ich mich erinnere, hatte bereits Nackenstützen. Für die beiden Vordersitze wohlgemerkt, auf der Rückbank gab es natürlich keine. Und auch keine Gurte. In Wohnung und Wochenendhaus gab es keine Kindersicherungen. Weder bei Stiegenaufgängen noch für Herdplatten oder Steckdosen. Mein erster Fahrradsitz war auf Vaters Herrenrad an der Stange montiert, in Ermangelung einer Schutzvorrichtung wurde ich regelm... lesen


michael helming | allein vinyl hat bestand

Kroatische Sturmgewehre: Sicher wie Milch

"The only certain thing in life is death." Truth hits everybody - The Police Ein ruheloser Geist bringt Shiva zum Tanzen, erklärte angeblich einst gelassen der Guru Sri Nisargadatta Maharaj. Demnach hat der große Zerstörer definitiv den Groove, wenn ein Menschlein sich plagt, mit Leid und Begehren, mit Zwängen, Zweifeln und Ängsten; Seele und Gottheit geraten gleichermaßen in aufgewühlte Bewegung, solang grundlegende – oder als grun... lesen


harald a. friedl | alles ist so kompliziert

Heilswege aus der postmodernen Erbsünde – und deren notwendiges Scheitern

Dank seiner pointierten Beschreibung der modernen Lebenswelt („Alles ist so kompliziert“) wurde der glücklose österreichische Bundeskanzler aus dem Burgenland, Fred Sinowatz, berühmt. Denn tatsächlich nimmt die Komplexität der Welt exponentiell zu: Je besser und schneller die Menschen und ihre Sichtweisen miteinander vernetzt sind, desto rascher verändern sich die sozialen Systeme – eben weil sich die Individuen an die sich verän... lesen


bernhard horwatitsch | die kakerlakenbutterbreze

Ob Mäusekot, ACTA oder Bio: Wir finden Trost in Koprolithen.

Als ich neulich wieder einmal über einen Lebensmittelskandal in der Zeitung las, wollte ich es etwas genauer wissen. Nach Gammelfleisch, Dioxin-Eiern oder Antibiotika-Hühnchen waren es diesmal Kakerlakenbrötchen. In Neufahrn, Nahe Freising, musste man eine Bäckerei-Fabrik von Müller-Brot schließen, weil man dort Mäusekot und Kakerlaken in nicht mehr tolerierbaren Mengen vorfand. Man hatte die Firma ja schon öfter darum gebeten, sauber... lesen


doris claudia mandel | die legende vom dritten geschlecht

Die Geschlechtergrenzen sind dabei, sich aufzulösen? – Mitnichten!

Vor kurzem schwärmte meine beste Freundin, während wir uns eine Flasche Chardonnay genehmigten, sie halte mich für eine der eigentlichen Revolutionärinnen unserer Zeit. Ausdrücklich meinte sie mich als Transsexuelle. Angesichts der vielen revolutionären Erhebungen rings um uns war ich baff und fühlte mich natürlich auch ein bisschen gebauchpinselt. Doch nach und nach ätzte ihre Bemerkung mein Selbstverständnis wie mit Salpetersäure... lesen


hermann götz | die beschnittene debatte

Warum soll eigentlich nur der Körper vor religiös motivierten Eingriffen sicher sein?

Es war das Thema des Sommers 2012. Das Landesgericht Köln brachte mit seinem Urteil vom 7. Mai, das die Beschneidung von Kindern – oder fachgerecht ausgedruckt die Zirkumzision Minderjähriger – als grundrechtswidrig erklärte, eine Bombe zum Platzen. Wäre tatsächlich nur ein Konflikt zwischen dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und jenem der Religionsfreiheit zur Debatte gestanden, hätte es wohl weit weniger Aufregung gegeben... lesen


ernst kilian | mind the gap

Wir wollen Social Security und Safe Sex und sicheres Surfen.

Aber sicher hätte ich vor etlichen Jahren, als viele Hausbewohner das taten, mir ebenfalls eine einbruchshemmende Wohnungstür einbauen lassen sollen. Während ich diesen Satz niederschreibe, bin ich übrigens durch einen gebrochenen Finger an der rechten Hand leicht behindert. Ob und wie das zusammenhängt, werden wir noch sehen.  Es gibt Menschen, die das Englische für die Präzision bewundern, mit der es zwischen zwei Sicherheits... lesen


andreas r. peternell , evelyn peternel | zum grenzenlosen grenzenlos vertrauen

Aus Nichts Wertschöpfung schaffen? Kein Problem – wir müssen nur fest daran glauben.

„Geben Sie uns Ihr Geld, wir lassen es für Sie arbeiten!“, rät der Finanzberater dem Kunden. Wie konkret allerdings unbelebtes Papier arbeiten soll, wissen sowohl Kunde als auch Berater oft nicht so genau: „Ja, ich habe eine Pensionsvorsorge. Wie viel ich da am Ende rausbekomme? Keine Ahnung. Ich weiß eigentlich nur, was ich einzahle“, antwortet die junge Dame im Kaffeehaus auf die Frage, ob sie eigentlich wisse, was mit ihrem Geld... lesen


evelyn seidl | die hochzeit meiner besten freundin

Alarm im Kosovo

Im hinteren Eck meines Bades, zwischen Duschkabine und Toilette, warten zwölf mit Leitungswasser gefüllte Eineinhalb-Liter-PET-Flaschen auf ihren Einsatz. Ein Flascheninhalt reicht für eine Klospülung, zwei zum Duschen, weitere zwei zum Haarewaschen – zwei Mal schamponieren inklusive.  Um die gewünschte Duschtemperatur zu erreichen, erhitze ich einen Teil des Wassers auf meinen beiden Campinggaskochern und fülle es zurück zum... lesen


dominika meindl | sicherheit …

… auch an den schwächeren Tagen

Immer wenn sie mir entgegenkommen, sticht’s in meinem Herzen. Hier in Linz werden sie nicht gerne geduldet, in ihren roten Uniformimitaten und in ihrem sehr festen Schuhwerk. Und so kommt es, dass sich die neuen Stadtwachen mit misstrauischem Blick und nur zu zweit durch die Stadt wagen. Sehr nachvollziehbar. Da schaut ein Migrationshintergrund aufsässig, dort zischt ein Gutmensch, hier lässt ein Kleinkind das Eisstanitzel insubordinant a... lesen


roland steiner | roma, roma

Wir reden über Freiwild.

Monte Mario „Roma, Roma, Roma, core de ‚sta città, unico grande amore, de tanta e tanta gente, che fai sospira‘…“ Antonello Vendittis Refrain hallt nach, als ich aufwache in der psychiatrischen Praxis, die mir im Norden der italienischen Kapitale als Wohnstatt dient. Mit den Oppositionellen des öffentlich-rechtlichen Senders RAI Radio 3 wohnte ich einem Training des AS Roma bei, in dem die erworbenen Fußballer vorgeführt wurden... lesen


martina ernst | sicher dat!

Von fliegenden Schlangen, psychopathischen Wachhunden, neugierigen Nachbarn und anderen Gefahren.

Sicherheit schlägt Kapriolen und ist für jeden Spaß zu haben. Unter „Sicher dat“ verbergen sich ein Blog, Forum, YouTube Filmchen, man kann mit wer weiß wem auf Facebook kommunizieren oder lustig drauflos twittern. Wer nicht nutzlose, witzige Fakten durchstöbern möchte, schaut einfach mal bei den Tieren vorbei. Wildtiere zum Beispiel sind im Frühling genauso von der Rolle wie wir Menschen. Dummerweise rennen sie dabei auf die Stra... lesen


dirk werner | hölderlin patt

oder: Das Sichere im Fiktiven suchen.

Vervierfacht man die Zeit, die die Turmuhr vorhin vom ersten Dröhnen bis zum leisesten akustischen Schatten des letzten Schlags brauchte, nimmt man jene Momente hinzu, die ich für sechzehn – oder sagen wir: fünfzehn – Zeilen meiner Notizen benötige, kommt er schließlich ganz notwendig hier vorbei. Eilt er, hetzt er, schlendert, springt oder schleicht er niedergedrückt – je nachdem. Nie sehe ich ihn von vorn, nie von der Seite. Weg... lesen




Feuilleton der Ausgabe 23 - gute reise

martin amanshauser | ist das nicht bestechung?

Über die Ästhetik der Pressereise – mit einigen erklärenden Worten zu einem Berufsbild

Seit 12 Jahren absolviere ich Pressereisen. Früher fuhr ich für den Standard, heute mache ich die meisten für die Presse und die eine oder andere für die Süddeutsche Zeitung. Ich war in Neuseeland und auf den Malediven, im Oman, in Monte Carlo, der Emilia-Romagna, am Klopeinersee und an 150 anderen Orten. Dort, wo Fluglinien, Tourism-Boards, Hotels und Reiseveranstalter uns Journalisten in der Hoffnung hinschicken, dass wir über ihre De... lesen


harald a. friedl | wie wir reisen werden

Der Tourismus, die verlässliche Wachstumslokomotive

Tourismus zählt zu den wichtigsten Branchen der Weltwirtschaft. Allein in Österreich, einem der am stärksten bereisten Länder der Welt, arbeiten rund 10 % aller Erwerbstätigen in diesem Geschäft mit genussorientierter Mobilität und erwirtschaften mit ca. 125 Mio. Nächtigungen von 33 Mio. Gästen über 22 Mrd. Euro oder 7,5 % der österreichischen Wirtschaftsleistung. Bei genauer Betrachtung ist die Reisebranche sogar noch wichtiger, d... lesen


evelyn peternel | drittklassig von moskau bis peking

Eine der besondersten Reisen überhaupt

162 Millionen Schweißdrüsen, versammelt auf einer Fläche von etwa 70 Quadratmetern. Und das über eine Strecke von 9.302 Kilometern. Das klingt nicht nur nach einer Zumutung, sondern ist es auch. Warum ich mich dem trotzdem aussetze? Weil es ja heißt, die Fahrt mit der Transsib sei eine der besondersten Reisen überhaupt. Der Versuch, herauszufinden, wieso. „Platzkartnyj?“, fragt die herbe Dame am Bahnhof in Moskau, ohne mich anzus... lesen


katja grach | weggespült

Über das Verhältnis zwischen Tod und Tourismus

Am 26. Dezember 2004 sterben 230.000 Menschen. 850 davon auf Koh Phi Phi Don. 1.300 werden noch vermisst – steht auf wikitravel.org zu lesen. Das Alter des Artikels unbestimmt. Ist auch egal. Wer interessiert sich 2011 noch dafür? Die Filmvorlage The Beach spült nach wie vor mehr Touristen an, als eine Naturgewalt verhindern mag. In ihrer Zerstörungskraft halten sie sich die Waage. Jedem die eigene Waffe. Beide raffen die Kultur eines La... lesen


eva reithofer-haidacher | precious‘ apfelstrudel

Reisenotizen aus Nigeria

50 bis 250 Naira kostet eine Busfahrt in Lagos, 1.000 Naira zahlt der Chauffeur in Benin City Schutzgeld an Polizei und Mafia pro Tag. Ein Liter Benzin kostet 65 Naira, also umgerechnet 35 Cent, im Land des Öls. In der katholischen Missionsschule beträgt das Schulgeld 75.000 Naira pro Trimester. Eine Packung Zigaretten kostet 200 Naira. Und so weiter und so fort. Geldbeträge sind hier aufgeschrieben, einer nach dem anderen, mindestens fün... lesen


martin gasser | lauter bestseller

Das Wandern als kulturindustriell verwaltetes Glücksversprechen

Das kann kein rechter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein. - Wilhelm Müller Manchmal geht es nicht mehr weiter. Paradoxerweise ist gerade das der Zeitpunkt, an dem man aufsteht und losgeht. Im buchstäblichen Sinne. Als ein Studienfreund mitten in einer mittelschweren Lebens- und Beziehungskrise steckte, packte er kurzentschlossen das Allernotwendigste zusammen und setzte sich in einen Zug nach Südfrankreich. Wir schrieben Anfan... lesen


thomas ernst brunnsteiner | nach umba! zum gebet!

Mit Pfingstlern ans Weiße Meer – eine Pilgerfahrt

1. Teil – Von Lappland nach Russland Das ist der erste Satz. Kolari ist ein finnisches Wort und ein Bezirk in Finnland. Das Wort bedeutet auf Deutsch „Autounfall“. Im Bezirk liegt seit zehn Jahren mein Heimatdorf Vaattojärvi – als wäre es dort hingefahren und verunfallt. In der Bezirkshauptstadt gibt es einen Flohmarkt, der von Pfingstlern betrieben wird. Pfingstler sind die am schnellsten wachsende christliche Gemeinschaft der Welt... lesen


roland steiner | der panther sind wir

Über die Autonomie der Bewegung

0 Zahlen hasse ich. Aber sie durchzucken mich als romantischen Skeptiker und romanischen Träumer dennoch und werden mich, hoffentlich ungerade, überrollen. Denn ich gehe davon aus, dass ich mit 95 Jahren in einer Public-Private-Partnership-Klinik der Dritten Republik Österreich von einem indonesischen Krankenpfleger nach Bestimmungen für Leute wie mich als prekäres Schuldnersubjekt ein finales Naturpflanzengerät zu inhalieren bekommen u... lesen


stefan kaegi | werbung vom herzen

Erinnerungen an eine Rheumadeckenwerbebusfahrt ins Münsterland

An meiner Uni gab es immer wieder seltsame Flyer für Performances: japanischer Kung-Fu, Cyber-Soaps oder Pyrotechnik auf der Studiobühne. Gießen wäre ja sonst eine langweilige Stadt gewesen. Doch dieser Flyer hier war an Farbe nicht zu überbieten: Streichelzoo im Münsterland. Busreise in den Prickingshof von Bauer Ewald, nur 19,90 DM! Hauptattraktion: Prinz Elegant von Kolumbien, größter Zuchtbulle Deutschlands! Inkl. gratis 10 Kilo W... lesen


vasile v. poenaru | the toronto purchase

Wie Indianerland für ein bisschen Geld und allerlei Kram den Besitzer wechselte

Im Rahmen des intensiv mediatisierten Staatsbegräbnisses, das am 27.08.2011 in der Roy Thomson Hall in Toronto zu Ehren des an Krebs verstorbenen Oppositionsführers Jack Layton (New Democratic Party/NDP) begangenen wurde, ergriff gleich am Anfang der Oberhäuptling aller Ureinwohner Kanadas, Shawn Atleo, das Wort. Chief Atleo, genauer gesagt, the National Chief of the Assembly of First Nations, bediente sich dabei sowohl seiner Muttersprach... lesen


klaus knoll | hawaii ohne apostroph

Feuer, Flammen und ein Ozean, der diesen Namen auch verdient

Wie kommt der Mensch nach Hawai'i? Als Urlauber, was sonst. Besonders als Nachwuchsjapaner. Japan also und verheiratet und das erste Kind unterwegs. Drei Jahre waren wir schon in the most different country. Höchste Zeit, unser Gastland kennenzulernen. Als Alleinunterhalter in der japanischen Provinz, sprich Lektor am Germanistikinstitut, wäre das aus vielerlei Gründen angebracht gewesen. Es war aber unmöglich, weil ein Urlaub, der diesen... lesen


david staretz | one car racing through the night

Der anzunehmende Wagen sei schwarz wie ein Lamborghini Gallardo

Spätabends unter Freunden, wenn die Pizzaschachteln zur Tischmitte geschoben sind und die Feuerzeuge klicken (die Mädchen haben die Knie hochgezogen und schaukelnd umfasst), sagt einer mitten im Binnenland: „Leute, wär das nicht eine gelungene Aktion, den Kaffee am Meer zu nehmen?“ „Sowieso, und Tramezzini und Crossini und Paganini und wie die Teile alle heißen, und draußen steigt die Sonne des Südens hoch, denn das wär doch endl... lesen




Feuilleton der Ausgabe 22 - zahlen bitte

dominika meindl | beschwerdebesuch wegen der apokalypse

Zivilcourage gehört gezeigt

Mir ist ja für die Rettung der Welt nichts zu mühsam. Soeben komme ich zurück von einer Recherchereise in Sachen Apokalypse: 2012 endet die Zählung des 5125 Jahre dauernden 13-Baktun-Zyklus und damit vielleicht auch die Existenz der Welt. Aber ich greife vor. Nur eines: Sollte die Menschheit wirklich am 21. Dezember 2012 entkörperlicht werden, muss ich wohl eine kleine Teilschuld meinem jähen Gemüt anlasten. Ich möchte mich dafür jet... lesen


bernhard horwatitsch | der thron gottes

oder Warum uns der Bau des Universums heute nicht mehr interessiert

Ein Typ, der öffnet, dass niemand mehr schließen kann, und der schließt, dass niemand mehr öffnen kann. (Offenbarung 3,7) Leonhard Euler, ein Schweizer Mathematiker des 18. Jahrhunderts hat einmal – vermutlich nur aus Spaß – die Existenz Gottes berechnet. Er tat dies wohl auch, um die russische Zarin Katharina die Große, Anhängerin des Aufklärers Voltaire zu verwirren. Die Formel, auf die er kam: (x+y)²=x²+2xy+y² Desh... lesen


michael helming | schwäne!

Auch so ´ne Nummer

Als altruistisch veranlagter Mensch könnte man sich die denkende und handelnde Summe des alltäglichen Lebens innerhalb unserer pluralistischen Gesellschaft rücksichtsvoll, tolerant und gleichberechtigt als ahierarchisches Nullsummenspiel schönrechnen. Eine Ziffer namens Wir. Jedoch: Unterm Strich bleibt das Ich stets die dicke Nummer eins, nicht nur rein etymologisch, aus dem Sanskrit, wo unser Ich ja seine Wurzel im Zahlwort eins (êk... lesen


doris neidl | 1+1=3

Erinnerungen und Visionen

„Murat“, fragte ich den 6-jährigen Schüler, der im Hochsommer mit einer dicken Wollmütze dasaß, weil man ihm die Haare geschoren hatte, „wie viel ist eins plus eins?“ Murat überlegte und überlegte. Ich konnte bildlich sehen, wie sein Gehirn arbeitete. „Du darfst auch deine Finger verwenden!“ Murat überlegte und rechnete. Sein kleines Gesicht begann sich zu verzerren vor Anstrengung, er rechnete weiter, und dann sagte e... lesen


matthias rauch | malen nach zahlen

Ein Rundgang zu einigen kulturellen Bedeutungen der Zahl

Malen nach Zahlen ist auch eine Art des Malens. Es entstehen Bilder, die schematisch, konstruiert, schon zuvor festgelegt sind. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Es gibt nicht nur Kindern das Gefühl der Machbarkeit, der Beherrschbarkeit, sondern auch „Erwachsene“ malen auf ihre ganz eigene Art immer wieder nach Zahlen. Dabei stehen Zahlen und Malen eigentlich in einem unauflösbaren Widerspruch. Malen impliziert eine nicht vo... lesen


wolfgang pollanz | übertragung von 25.400.000$

Herr Prinz Charles schreibt an Wolfgang Pollanz

Lieber Freund, Lassen Sie mich durch die Einführung mich richtig zu starten. Ich bin Mr. Prince Charles, einem Beratungs-Prüfer in Johannesburg, Südafrika. Ich habe mich entschlossen Sie zu kontaktieren, wegen der Dringlichkeit dieser Transaktion. Ein Ausländer, ein Deutscher, spät Mr. Andreas Schranner, eine Mehrheitsbeteiligung Halter in Copper Immobilien Südafrika, bis zu seinem Tod Monaten auf den 25. April CONCORDE F... lesen


harald a. friedl | das jubiläums-paradox

Geschichte jenseits von mythenumrankten Gedenkjahren

2011 Was bedeutet dieses Jahr? Es ist … • das Jahr von Arabiens Revolution, Japans Super-GAU, Osama bin Ladens Tötung und Prinz Williams „Traumhochzeit“ mit Catherine Middleton • der 5. Jahrestag der Flucht Natascha Kampuschs sowie des Todes der Ex-Diktatoren Stroessner (Paraguay), Pinochet (Chile), Saddam Hussein (Irak), Botha (Südafrika Apartheidsregime) und Miloševic´ (Serbien) • der 10. Jahrestag von... lesen


wolfgang gulis | stiftingtalstraße 163

Eine Zwischendurchvermessung meines Lebens

Mein Mathematiklehrer – einer im weißen Kittel – hat mein Interesse radikal abgetötet. Als ich jung war, faszinierten mich Zahlen nämlich sehr. Genau genommen war ich ein Zahlenfetischist. Wer mich heute kennt, würde das nicht glauben. Aber damals, vor, in und unmittelbar nach der Pubertät, war die Anziehungskraft der Zahlen fast magisch, möchte ich sagen. Aber wie gesagt, der Mathematiklehrer hat es geschafft, dass sich das nicht i... lesen


christoph d. weiermair | cayenne turbo

Mit 170 Sachen von Padova nach Bologna

Bei der Bezeichnung von Automodellen gibt es grundsätzlich zwei Philosophien. Der eine Hersteller bevorzugt Namen, der andere Zahlen. Manche kombinieren auch Namen mit Zahlen, andere wieder Buchstaben mit Zahlen. Von der A-Klasse bis zum Z4, vom 320d touring bis zum Zafira, vom Beetle bis zum X6, von der DS3 über den Mazda6 bis hin zum Qashqai. Und überhaupt von Alfa Romeo bis Volkswagen, von Aston Martin bis Volvo und von Bentley bis... lesen


laura freudenthaler | feel free to stalk me

Zwischen Online-Dating und donogener Insemination

Im Jahr zweitausendzehn wurde in New York das Online-Dating auf der Straße erfunden und es handelte sich gleichzeitig um einen Rückschritt und Fortschritt und New Yorker Singles zeigten sich angetan und fanden es eine ganz neue Erfahrung ihr Date vor dem ersten Date bereits in echt gesehen zu haben. Und im Mai neunzehnhundertzweiundvierzig stellte ein Mann namens Zuse den ersten funktionsfähigen Computer fertig und kurz zuvor hatte... lesen


brigitte theißl | zahlen.studium

Von der Überlegenheit der Elektrotechnik

5.526 Studierende der Publizistik stehen an der Universität Wien 1.632 Mathematikern gegenüber. Setzt man das Wort „Technische“ vor die Mathematik, so schrumpft diese Zahl, 1.253 (junge) Menschen haben sich an der TU Wien für das erfolgversprechende Fach entschieden. 404 Verfahrenstechniker stehen 3.738 Anglisten gegenüber, auf jeden technischen Chemiker kommen in etwa vier Philosophen, und das Institut für Theaterwissenschaf... lesen


martina ernst | wie die dinge zusammenhängen

Ein Leben in vierzehn Billionen CDs

Trägt man bei Google „Verrückte Zahlen“ ein und lässt die Suchanfrage unbekümmert los sausen, hat man locker bis zu 10 g CO 2 verbraucht. Einfach so. Zuzüglich 22 Heidelbeeren, wenn man der Verlockung eines frisch gewaschenen Zwischendurch-Snacks nicht widerstehen kann. Das Wasser, mit dem ich die Heidelbeeren gewaschen habe, wird meine Tomatenernte auf dem Balkon ankurbeln. Unter einem halben Liter. Tomatenernte zurzeit 2-3 a... lesen


ernst kilian | der countdown hat begonnen

Von der Gefährlichkeit des Zählenkönnens

Zahlen bitte! – Moment. Kollege kommt gleich. – Auch gut. Somit bleibt uns, bevor wir die Geldbörse hervorholen, noch etwas Zeit für ein paar Überlegungen. Zum Beispiel diese: Vor dem Zahlen kommt das Zählen. Um zahlen zu können, muss man Zahlen kennen. Also nochmals, mit anderer Antwort: Zahlen, bitte! – Gerne. Wie viele? Reichen fürs erste drei? Oder kommen wir mit weniger aus? Mal sehen. Die Pirarrã (meist in einer englisch... lesen


irina kilimnik | kopf oder bauch

Der schnelle Weg zum Lotto-Jackpot

„Spielen kann süchtig machen! Teilnahme erst ab 18 Jahren“, steht in roter Schrift auf jedem Lottoschein. Und unten ist noch eine Telefonnummer angegeben für diejenigen, die bereits süchtig sind. Ich spiele jeden Samstag, bin aber nicht süchtig, da ich immer nur zwei Felder ankreuze. Manchmal drei, wenn ich ein besonders gutes Gefühl habe. Gewonnen habe ich kaum was, zweimal um die zehn Euro, aber das hindert mich nicht an meine... lesen


alice le trionnaire-bolterauer | die andere seite des urknalls

oder Warum die Mathematik nicht hält, was sie verspricht

1. Was soll Literatur nicht alles leisten, will sie geliebt und anerkannt und erfolgreich sein! Was wird ihr nicht alles zugeschrieben, was wird nicht alles von ihr verlangt! Dass sie „schön“ sei, aber den Mut zur „Hässlichkeit“ habe (Karl Rosenkranz), dass sie „innovativ“ sei, aber die Traditionen wahre (Jorge Luis Borges), dass sie „interessant“ sei (Gerhard Plumpe), aber doch auch „komplex“ genug, um wiederhol... lesen


dirk werner | mein leben als zahl

Über Fotografie und den Baum der Erkenntnis

1. Ähnlich wie bei den Komponisten Bach (BWV) und Mozart (Köchelverzeichnis) existieren Werkverzeichnisse für die reiche Hinterlassenschaft des Malers Lyonel Feininger, der in seinem Leben Thüringer und „Ostseeurlauber“ ebenso war wie ein New Yorker. Vor einigen Jahrzehnten wurden sie von Hans Hess einerseits und Leona E. Prasse andererseits erstellt. Beider Auflistungen und Zuordnungen sind insofern bemerkenswert, als dass Fe... lesen


hans durrer | irgendwie

Zahlenmagie für Esoterik-Unschlüssige

Als Henri seinen Laptop einschaltete, zeigte die Uhr 05.55. Das musste eine besondere Bedeutung haben, dachte er so bei sich, denn zum einen saß er um diese Uhrzeit so recht eigentlich nie am Laptop und zum andern schien ihm die Zahlenkombination eigenartig verheißungsvoll, denn Henri hatte beschlossen (das war am Abend zuvor, um 23 Uhr 23, als er wie zufällig auf die Uhr blickte – eindeutig ein Zeichen!), seinem Leben eine neue Ric... lesen




Feuilleton der Ausgabe 21 - selbstgemacht

jörg albrecht | schreib dich ab!

Sonst müssen wir auch den Sozialstaat selbst bauen

Hallo! Hallo?! Ah, ich dachte grad. Ich komm manchmal aus Versehen auf die Stummtaste, und dann hört mich keiner mehr. Na ja. Es gibt einen Satz, den ich mir jeden Tag selber sage: My work is my life. Nein, NICHT auf einem Blatt Papier, eine Stunde am Tag, in höchster Konzentration, Thomas Mann-like. Ich arbeite manchmal, bis ich so müde bin, dass ich nicht mehr arbeiten kann, noch weiter arbeiten muss, weil irgendwie dann, wenn alles so d... lesen


klaus erich dietl , stephanie müller | du hast es in der hand

Gestrickte Bomben zwischen Widerstand und Werbemasche

Politische Forderungen, per Kreuzstich eingestickt in Bauzäune, Bepflanzungsaktionen im urbanen Grau und bandagierte Überwachungskameras: Der spielerische Umgang mit Protest, allem voran unter dem Banner des Do-it-Yourself-Ethos, feiert seit geraumer Zeit fröhliche Hochzeiten. Es scheint, als sei eine traditionell auf Massenmobilisierung abzielende Protestkultur für so manchen längst keine attraktive Option mehr, um auf Missstände aufme... lesen


evelyn peternel | ach – das bin ich doch selbst

Wie das Facebook-Universum unser Leben beeinflusst

Krummnasen, Untersetzte und Breitbehüftete haben eines gemein: Sie müssen mit ihrem Makel leben. Sofern sie es nicht wagen, sich auf den Operationstisch zu legen, ist der ihnen von der Gesellschaft attestierte körperliche Defekt immer präsent und auch mit großen Ablenkungsmanövern nicht wegzubekommen – eine krumme Nase sieht man auch, wenn man sie mit einem falschen Bart zu verdecken versucht. Mit der Erfindung des Internets haben si... lesen


christiane kühl | es werde geld

Über die abstrakte Kunst des Geldvermehrens

Neulich musste ich mir ein paar Geldscheine machen. Der Anlass tut hier nichts zur Sache. Der Ausgang schon: Ich habe es, verdammt noch mal, nicht hingekriegt. Schon die Farbkopierer arbeiten mit dem Feind und verweigern ihre Dienste. Ich habe meinen 50-Euro-Schein geschickt gescannt. Geschickt sage ich, weil es auch unter den Scannern massenweise Kollaborateure gibt, und nur die wenigsten einem ehrlichen Geldfälscher zu Dienste stehen. Ich... lesen


christoph hartner | regalfantasien

oder: Ihr Tischler macht’s persönlich

Letztens bei der Onanie musste ich, wie so oft, an Billy denken. Nicht wie sie jetzt denken! Es handelt sich weder um schöne Erinnerungen mit der bekannten Kondommarke, noch den alternden Rocker, weder den jünglichen Helden eines Tanzfilms, noch einen der vielen männlichen Pornostars mit besagtem Vornamen (normalerweise gefolgt von einem Familiennamen wie Harder, Longer oder Coxton), und schon gar nicht um den legendären Revolverhelden de... lesen


thomas ehritz | selbst ist der mensch

Eine Reportage aus Kubas Parallelsystem

Alternative Eigeninitiativen sind in Kuba keine Domäne für spirituelle Bio-Freaks und Aussteiger, sondern integraler Bestandteil der Art und Weise, wie man sich auf der Karibikinsel sein Überleben sichert. Denn im Wirrwarr zwischen einem auf dem Papier immer noch sozialistischen, aber längst schon „nicht einmal mehr in Kuba funktionierenden“ System (Fidel Castro) kann die große Mehrheit der Bevölkerung nicht darauf warten, dass sie... lesen


bernhard horwatitsch | durch meiner hände arbeit in den tod

Über den direkten Weg von der Selbstbestimmung zur Selbstausbeutung

Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: daß das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint. Karl Marx. MEW Bd. 25 Die zentrale Botschaft der Lohngesellschaft lautet: Egal welche Arbeit, Hauptsache du hast eine Arbeit. Es zählt also nicht, was du arbeitest, sondern dass du arbeitest. Stalins Motto „Der Mensch ist das wichti... lesen


werner schandor | das system loipersdorf

Was man nach einem Thermenaufenthalt übers Leben lernen kann

„Was ist los mit Euch?“, fragte mein Bruder den Kellner und die beiden Kellnerinnen, die an der Bar standen und Trübsal bliesen. Immerhin standen einer der Frauen Tränen in den Augen. Mein Bruder hatte sich vom warmen Thermalwasser die malträtierten Bandscheiben besänftigen lassen und zum Abschluss seines therapeutischen Aufenthalts noch das Thermenrestaurant aufgesucht, in dem allerdings triste Stimmung herrschte. Die Ursache, so ste... lesen


dietmar seiler | das bewusstsein der gäste

Immer alles schön wegräumen

Von: dietmar.seiler@....net An: kundenservice@at.mcd.com Datum: 08. Oktober 2010 10:25:02 GMT+02:00 Betreff: Self-service   Sehr geehrte Damen und Herren, Ich bin ein begeisterter Besucher Ihrer Restaurants, etwas fällt mir aber immer wieder auf: Viele Kunden stellen nach Beendigung ihres Mahles das Tablett mit den Verpackungs- und Essensresten nicht auf den dafür vorgesehenen Wagen, sondern lassen alles einfach am Tisch z... lesen


markus krajewski | strickliesel und faule susanne

Der Weg in die Selbstbedienungsgesellschaft

Kurz vor dem Kollaps der alten Weltordnung, in den letzten Monaten der mitteleuropäischen Monarchien, mit deren Untergang ganze Hofstaaten und die dort angestellten Diener von einem Tag auf den anderen in die Beschäftigungslosigkeit abgleiten, erscheint in einer amerikanischen Zeitschrift eine Werbeanzeige. In der Dezemberausgabe jenes populären Magazins, das sich überaus treffend nach William Thackerays Roman Vanity Fair benennt, bewirbt... lesen


dirk werner | wenn räume erzählen

Warum wir Erinnerungen selbst machen müssen

Die Straße lag abseits. Als Zugereister nahm ich sie in den in den achtziger Jahren kaum wahr. Ich wusste sie nur jenseits der S-Bahn, die den Bezirk Mitte südlich von ihr durchschneidet. Hier Alexanderplatz, Fernsehturm, Palast der Republik, mit dem bisschen – lächerlichen – Glanz, da, auf der anderen Seite der S-Bahn-Bögen: sie. Sie lag jenseits vom Rosa-Luxemburg-Platz mit Volksbühne und dem Kino Babylon im Osten, jenseits der ges... lesen


thomas frahm | gefühlte nähe

Fremdkulturelle Erfahrung im Selbstversuch

Das war er also, der Großstadtdschungel, nach dem ich mich in der geordneten Perspektivlosigkeit meines deutschen Daseins immer gesehnt hatte: Nach zwei Tagen Fahrt im Kleinbus, in den ich das allernötigste Hab und Gut verladen hatte, war ich von einem idyllischen Städtchen mit restaurierten Fachwerkhäuschen, sauberen Straßen und ohne besondere Vorkommnisse im letzten noch vor der Wende erbauten Plattenbau-Viertel Sofias angekommen. Die... lesen


wolfgang gulis | annas tränen

Der lange Weg zum Bleiberecht

Anna (1) ist in Tränen aufgelöst. Die Sitzung ist unterbrochen. Ihre über die geröteten Wangen kullernden Tränen rühren alle Anwesenden. Zusammengesunken sitzt sie am Stuhl und versucht sich hinter ihren glatten, braunen Haaren, die ihr bis zu den Schultern reichen, zu verstecken. An eine nüchterne Abhandlung der Fakten und der Tagesordnung ist nicht mehr zu denken. Keiner der Anwesenden sieht einem anderen in die Augen, denn die meist... lesen


kerstin eberhard | ich hasse apfelmus

Deshalb werfe ich es weg

Ich hasse Apfelmus ... und meine Tante. Dies deshalb, weil ich kein Apfelmus mehr sehen kann. Sie macht es nämlich immer selbst. Und könnte damit eine halbe Kompanie versorgen. In Einmachgläsern steht es da. Glas für Glas. In Reih und Glied. Regalfach für Regalfach. Unumstößlich. Und manche Gläser weisen das Datum von vor vielen Jahren auf. Igitt. Die obere Schicht ist dunkler-bräunlich als die untrige, die eigentlich Essbare. Apfelm... lesen


michael helming | mach halt, aber mach was, mach ...

Vom Glioblastom zum Tretlager und zurück

Immer gibt es was zu schweißen, abzubauen und einzureißen. Reinhard Mey Jeder Mann soll ja irgendwie in seinem Leben einen Baum gepflanzt, ein Haus gebaut und ein Kind gezeugt haben. Alles in Eigenleistung, versteht sich. Mit knapp vierzig Jahren habe ich noch keinen einzigen Punkt auf dieser gesellschaftlichen To-Do-List abgehakt und ich lege es darauf an, einen fetten „UNERLEDIGT“-Stempel quer darüber knallen zu können, wenn i... lesen




Feuilleton der Ausgabe 20 - grenzwertig

julian blunk | die schweiz als maßeinheit

Über die Grenzen der Landvermessung

... nachzulesen in schreibkraft, Heft 20, "grenzwertig". lesen


gerhild perl | der telefon-engel®

Versuch über das Sterben

1 Vor einigen Monaten fiel mir im Wiener Bestattungsmuseum eine Broschüre mit dem kryptischen Versprechen „Trauerbewältigung mit dem TelefonEngel®” in die Hände. Dieser helfende Engel ist ein rechteckiges, glasfaserverstärktes Gehäuse, das ungefähr die Größe von vier Sardinenbüchsen hat und ein Handy, einen Lautsprecher sowie eine Stromversorgung beinhaltet. Der TelefonEngel®, der 30 cm über der Grab- oder Urnenstelle eingeer... lesen


katharina körting | PRostitution en blogs

Von Löchern und Lücken der PR

I Öffentlichkeitsarbeit Es schneit. Ich registriere, wie die Tage ganz langsam heller werden, bin nur ein kleines Licht. Ich arbeite als freie PR-Texterin. Wir produzieren im Namen der Absender (Unternehmen, Verbände, Ministerien etc.) Inhalte und transportieren sie zu den Empfängern (Bürgerinnen und Bürger), und immer öfter merke ich: Ich würde lieber meinen eigenen Inhalt kreieren, anstatt anderen nach dem Munde zu reden. Mir ist kl... lesen


gabriele feyerer | der postler im schafspelz

Vom grenzenlosen Schein akademischen Seins

Wir leben im Zeitalter grenzdebiler Wissenschafts- und Expertengläubigkeit. Sobald ein Experte dies empfiehlt, lassen wir uns willig mit chemischen Brackwässern gegen jede 08 bis 15-Grippe impfen, Experten erfinden monatlich neue Wellness- und Ernährungsrichtlinien, um uns später allerlei Krebs aus dem Gedärm zu operieren, mit spitzen Geräten in sämtliche Organe zu stechen oder diese mit Strahlungskanonen zu beschießen. Wieder andere... lesen


michael helming | timbre der grenze

Eine emotionale Topografie

„No method in our madness. Just pride about our manner.” Adam and the Ants: Kings of the Wild Frontier, 1980 Die Anfänge meines Denkens sind vor allem akustischer Natur, denn mein Vater besaß ein Tonbandgerät, das mich bereits als Kleinkind faszinierte. Schon früh konnte ich mir die Namen von Songs und Bands merken, in einer Sprache, die ich nicht beherrschte. Musik war klar in Stilrichtungen aufgespalten: Disco von Schlager oder R... lesen


bernhard horwatitsch | google ergo sum

Wie wir uns Facebook und Co preisgeben

„In Deutschland reizt der Essay zur Abwehr, weil er an die Freiheit des Geistes mahnt.“ - Theodor Adorno: Der Essay als Form „Privatsphäre ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß”, meinte der Gründer des digitalen sozialen Netzwerkes Facebook einmal in einem launigen Interview. Der Terminus Privacy wurde 1890 von dem späteren Richter Louis Brandeis und dem Schriftsteller und Rechtsanwalt Samuel Warren „Individual’s right to be... lesen


erich schirhuber | das römische kartell

Heimatgefühle im alten Imperium

Da schaute ich neulich im Teletext die Meldungen an und las: „Römisches Kartell in Schwechat entdeckt.” Dachte mir: Vielleicht eine Preisabsprache bei der OMV oder am Flughafen? Hat sich Berlusconi eingeschaltet? Ein zweiter Blick bewies, was ich ohnehin vermutete: Es war ein Kastell gemeint. In Schwechat, Ala Nova hieß das seinerzeit, gab es ein Reiterlager, seit der Zeit der flavischen Kaiser. Hilfs­truppen für Vindobona. Aber na... lesen


ernst kilian | die idee eines kontinents

Erinnerung an die Grenzen Europas

Ich erinnere mich. Es war Ostern 1991, in Vyšne Nemecké, Ostslowakei. Ich stand etwas abseits der Hauptstraße auf einem Seitenweg und fotografierte den Endpunkt dieser Reise: einen kleinen Friedhof, nicht mehr als ein paar unregelmäßig aufgestellte windschiefe Kreuze. Den Hintergrund bildete eine niedrige Anhöhe mit Wachturm, zwischen Baumwipfeln ragte das Dach der Grenzstation hervor. Die Staatsgrenze, die sie markierte, war die letzte... lesen


jan-erik riemenschneider | die unmenschliche menschlichkeit

Kurze Episoden über Grenzen

Es gibt Grenzen, die man für sich selbst zieht. Grenzen moralischer, präskriptiver Natur, mit denen man sich ein besseres und angenehmeres Leben verspricht: Keine One-Night-Stands, täglich 4 Liter Wasser trinken, ständig unter 55 Kilo bleiben und dergleichen mehr. Wenn man diese Grenzen überschreitet, schmerzt es, kann aber auch heilsam sein. Andere Grenzen werden von der Gesellschaft gezogen. Sie zieht Grenzen mit dem Ziel, das Zusam... lesen


kai kugler | indigo

Auf der Suche nach Timbuktu

Konzert im Stade-Omnisport-Modibo-Keita, dem größten Stadion in Bamako. Wir sind zu fünft, Bintou, ihre Schwester Adam – Adam ist hier ein weiblicher Vorname, dessen männliches Pendant Adama lautet –, Marjam, Sidi und ich. Eine Menschenmenge vor dem Stadion, das Konzert ist ausverkauft. Am Schwarzmarkt ergattern wir gerade noch drei Karten, die anderen beiden bestechen einen der Securityleute. Es ist üblich solche Konzerte von einem... lesen


kai grehn | am anderen ende des berges

Ein Bericht (für C.)

Dem Tod begegnen und also der Präsenz des Lebens. / Dem Leben begegnen und also dem Verneinen des Nichts. / Dem Nichts begegnen und also dem Einen und Allem. / Dem Einen und Allem und also dem Fremden begegnen. / Dem Fremden begegnen und also sich selbst. / Sich selbst begegnen und also dem Tod. Am Anfang war ein Wolkenkuckucksheim. 8.125 Höhenmeter, die Besitz ergriffen von dir, Besitz ergriffen von mir. Was für ein seltsamer Vogel, da... lesen


claudia chibici-revneanu | regenwurmliteratur

Warum die Geschichte des Romans durchaus zum Kotzen verleiten kann

Was wären wir Armen ohne Grenzen, wenn wir uns nicht abgrenzen, andere nicht ausgrenzen und uns selbst nicht so schön begrenzen könnten. In ihrem recht berühmten Buch Pouvoirs de l’horreur, die „Gewalten des Grauens”, schreibt die selbst oft grenzwertige Theoretikerin Julia Kristeva von dem Ausgestoßenem, all dem, was wir grauslich, stinkend, peinlich, grässlich, unvorstellbar, unappetlich, ekelerregned etc. finden. Regenwürmer u... lesen


eva zettelmann | jeder biss ein bonus

Zu Vampirmetamorphose und “Twilight”-Manie

Literarische Figuren sind für gewöhnlich sesshafte Wesen. Strikt halten sie sich an die von zwei Buchdeckeln vorgegebenen Grenzen ihrer Textwelt. Welche Entwicklungsstadien sie auch durchlaufen, welche Kreise sie auch ziehen, den äußersten Radius der Bewegung bestimmt die Raum-Zeit-Limitation des Texts. Dracula hingegen, der Untote, der Wiedergänger, überschreitet Grenzen, ontologische und moralische, penetriert Haut, Tod, Text. Wäh... lesen


dirk werner | aller grenzen wert

Erinnerungen an den Regisseur Klaus Fiedler

Die Menschen, Texte, Autoren und Aufführungen der Theater in der DDR repräsentierten für mich oft Werte auf der Grenze: an einer tatsächlichen oder gedachten Demarkationslinie. Dieser einmalige Kosmos mit den ihm eigentümlichen Gesetzen war damals im Innern des kleinen Landes, der Diktatur, oftmals ein geschützter Raum. Ein Innenraum, der sich aber in seinem Volumen, in der ihm eigenen Räumlichkeit, über militärische und politische G... lesen




Feuilleton der Ausgabe 19 - im ernst?

erich schirhuber | die erträgliche schwere des seins

Der Ernst ist ein Meister aus Österreich

Der Ernst ist ein weites Feld – so weit wie die Unterschiede zwischen den Romanen von Gustav beziehungsweise Hans Ernst. Zweiteren werden die gebildeten Leser dieses Mediums wahrscheinlich nicht kennen, man braucht jedoch bloß im Donauland-Katalog nachzuschauen. Nun sind Spielereien mit Namen gewiss ein etwas seichter, banaler Scherz. Eben deshalb muss er hier gemacht werden; ich folge darin Thomas Bernhard, der bei einem der sogenannte... lesen


bernhard horwatitsch | qualvoll werde der hals zerquetscht

Über den Wert des Geldes und mongolische Hinrichtungsmethoden

Von der Antike bis zum Spätmittelalter exekutierte man Führer auf folgende Weise, um ihnen einen ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld zu verwehren: Der Verurteilte saß oder stand mit dem Gesicht zum versammelten Volk, während ihm rücklings mit einem Seil, das durch einen Stab gedreht wurde, langsam und qualvoll der Hals zerquetscht wurde. Der Mongolenherrscher Gaichatu wurde im Jahr 1295 durch eine Bogensehne erdrosselt. In diesem Fal... lesen


caroline fürholzer | thailändische fischsauce

Eine Reise aus dem Mittelalter hin zu meiner Wohnung

Ich füttere die beiden Triopse. Munter tauchen sie durch die Plastiklacke. Wieder und wieder stoßen sie an ihre Wände und ich frage mich, ob sie glücklicher lebten, wenn das Gefäß größer wäre. Doch auch in der Natur bewohnen diese Tiere bloß winzige Pfützen. Und das für ungefähr neun Wochen, bevor sich ihr Leben dem Ende zuneigt. Mein Schüler Mathis betritt als Erster das Klassenzimmer und schleudert seine Tasche unsanft auf... lesen


ernst kilian | berlin, im ernst: berlin

Ein Rundgang durch die deutsche Hauptstadt

Über Berlin, die europäische Hauptstadt mit der tragischen Geschichte, im Ernst zu reden ist gar nicht so leicht, das weiß ich seit einem früheren Besuch, als mir eine Zimmervermieterin begeistert die Vorzüge des von ihr vermieteten Zimmers schilderte, inklusive wunderschönem Blick auf den Mercedes-Stern, und zwar nachdem sie erklärt hatte, dass das Zimmer bereits vergeben sei; und als ich in eine kurdische Demonstration geriet, die im... lesen


vasile v. poenaru | östliches bonanza

Auf geheimen Pfaden von Wien nach Bukarest

Es gibt einen geheimen Pfad zwischen Wien und Bukarest, der nur selten begangen wird und der – nicht nur im räumlichen Sinne – über seine gesamte Strecke allerlei tückische Krümmungen und Wendungen aufweist, da er streng genommen in einer dem intuitiv ansprechenden Gang der Dinge übergeordneten Legende anfängt und in einer vorzüglich virtuell erschließbaren Subsektion der Wirklichkeit aufhört, die gerade für solcherlei Instanzen... lesen


anna weidenholzer | im 86. jahr

Porträt einer alten Dame

Wegen ein paar besorgniserregender ökonomischer Basisdaten nicht in Panikstimmung zu verfallen, mag von staatsbürgerlicher Reife oder von großer Gelassenheit zeugen, man könnte genauso gut aber auch von Lethargie sprechen. Ulrich Peltzer: Zwischen Lethargie und Staunen, taz, 27.05.2009 „Ist die klar im Kopf?”, sagt der Heimleiter. Frau Lampl sei klar im Kopf, dürfte die Pflegerin am anderen Ende der Leitung sagen. Der Heimleiter n... lesen


doris neidl | papier

Erinnerungen an das Leben

Papier ist wie die Haut eines geliebten Menschen. Man berührt es, man fühlt es, man erfasst die Struktur seiner Oberfläche, man riecht es, man betrachtet seine Farbe. Würde ich keine Malerin sein, würde ich in einem Papiergeschäft arbeiten. Oder beim dm. Ich mag auch den dm-Markt. Ich mag es, alle diese Produkte anzuschauen. Ich muss gestehen, dass ich einen Anti-Cellulitis-Creme-Komplex habe, und deswegen oft beim dm bin. Ich kaufe mir... lesen


harald a. friedl | die rosarote krise

Fallstudie über ein Opfer der Rosamunde-Pilcherisierung

Endlich hatte sie ihm unter Tränen und unverwüstlichem Make-up ihre ewige Liebe geschworen, während ihr der schottische Nebel das blonde Haar benetzte. Unter ihr der Abgrund einer wilden Felsküste, zerschnitten von weißen, schwebenden Möwen; im Hintergrund die beruhigende Grünheit der sanften Highlands mit ihrem Hauch von Freiheit und Abenteuer; über ihr ein Himmel so blau wie seine Augen; um sie seine starken Arme und in ihr seine Zu... lesen


katharina bendixen | der rest erledigt sich von allein

Liebe Frau B, manchmal läuft das Leben nicht ganz so, wie wir uns das wünschen. Pfeiler, auf die wir uns seit Jahren gestützt haben, lösen sich in Luft auf, und wir stehen plötzlich vor dem Nichts. Vor einem Monat wurden Sie von Ihrem Mann verlassen. Das ist schlimm, und Sie haben allen Grund, traurig zu sein. Nehmen Sie Ihre Trauer an! Setzen Sie sich mit Ihrer Vergangenheit auseinander. Dies können Sie zum Beispiel tun, indem Sie die... lesen


werner schandor | kabarett ohne pause

Der Mythos vom Witz der Krise

Dinge ernst sagen, aber witzig meinen, ist das Privileg von Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung, um einen fast vergessenen jungen Wilden des deutschen Dramas zu zitieren. Im ernst gesagt, auf Lacher gehofft, das ist auch die Haltung von Kabarettisten, die in Österreich hohes Ansehen und regen Publikumszuspruch genießen, auch wenn viele nur halb so witzig sind, wie es ein auf Unterhaltung gierendes Publikum gerne hätte. Neben jene... lesen




Feuilleton der Ausgabe 18 - genug

julian blunk | es ist genug für alle da

Was Günther Jauch und Marie-Antoinette gemeinsam haben

... nachzulesen in schreibkraft, Heft 18, "genug". lesen


clemens marschall | weltkrieg am jausentisch

57 Kuhhirne in 15 Minuten: ein neuer Sport erobert die Welt

4. Juli, kurz nach 11 Uhr in New York: Wir feiern den Unabhängigkeitstag. Coney Island, der New Yorker Vergnügungspark, ist Platz des Geschehens. Ich bin dort nicht alleine, 40.000 Leute stehen sich um mich herum ihre Füße in die Mägen, die Kinder, die auf ihren Schultern sitzen, schwingen ihre Fahnen. Zusätzlich jauchzen noch 1,5 Millionen Fernsehzuschauer. Der Anlass des Events? Heute findet das Wettfressfest schlechthin statt! Der le... lesen


bernhard horwatitsch | unsere zeit ist abgelaufen

Hundert Meter in null Sekunden. In einer Welt ohne Grenzen sind Rekorde sinnlos

Ackermann ist böse. – In der Tat machen wir uns es derzeit so einfach. Wir stigmatisieren eine Berufsgruppe, behaupten, sie wolle sich bereichern, sei gierig und unmäßig. Wir hinterfragen dabei nicht, wie sehr wir selbst die Hand aufhalten. Wir kommen nicht auf den Gedanken, dass wir selbst unmoralisch handeln könnten, ganz einfach weil uns die Gelegenheit dazu nicht gegeben wird. Wenn wir nicht davon ausgehen, dass der Bankchef Ackerma... lesen


harald a. friedl | uncle sam in der wüste

Energie-Kolonialismus und die Folgen für den unbeschwerten Sahara-Urlaub

Zurück aus dem Wüstendrama Im Herbst 2008 wurde ein Salzburger Ehepaar nach 252 Tagen in Gefangenschaft der algerischen Terrorgruppierung „GSPC“ befreit, nachdem sie angeblich in Südtunesien überfallen, entführt und in Nordostmali, im Einflussgebiet der Kel Ifoghas-Tuareg, gefangen gehalten wurden. Wer könnte hinter diesen Entführungen stecken? Ist die Sahara etwa schon so sehr von Al-Khaida-Terroristen durchdrungen, wie es die USA... lesen


roland steiner | basta

Eine Reportage aus Italien

Totes Rot Renato Biagettis Welt war rot, in einem Rot, wie es in Lauras Haar am Strand oft glänzte und in ihrem Herz für ihn pochte. Seine Welt war rot wie der Männerfußballverein, der nach ihm Renoize Calcio benannt werden wird, der ebenso freundschaftlich basierte Frauenfußballverein She-Reds und wie der Männerrugbyverein seines Bruders Paolo. So rot wie der Mehrspartenklub All Reds, das mütterliche Dach aller sportlichen Aktivitäte... lesen


adelheid dahimène | es ist mir nicht egal

Vom Ende der Virginier

Sogar an der Haltung von Bäumen ist der aktuelle Rechtsruck schon nachvollziehbar, sie beugen sich immer weiter von der Sonne weg in einen Schatten, der nicht mehr hausgemacht aus eigener Produktion stammt, sondern von Doppelgaragen geworfen wird, die als Zukunftsvisionen in Schüleraufsätzen als das Nonplusultra einer wie immer gearteten, steilen Karriere gelten. Aber darauf will ich eher am Rande hinaus. Und eigentlich sind die fehlgekr... lesen


günter eichberger | genug von mir und allem

Ein Ausflug in die Niederungen des Literaturbetriebs

1 Im März 2006 schwankte ich abends zum Bankomaten meines Vertrauens, um mich hernach in angemessener Dosierung mit einer legalen Droge versorgen zu können. Der Bankomat teilte mir durchaus freundlich mit, dass mein Höchstbetrag überschritten sei. Am nächsten Morgen entnahm ich den Medien, dass eben jene Bank die seltsamen Transaktionen eines gewissen Herrn, dessen Name Flöttl einem Stück von Raimund entnommen sein könnte, angeblich m... lesen


thomas eder | druckabfall im paradies

Warum Musikfreaks neue Strategien brauchen

Bubblegum mit Zielfernrohr Ich habe vergessen, dass ich mich in einem der vielen neuen Libro-Geschäfte befinde. Ich höre die Appelle meiner zwei Schwestern kaum. Sie sind zu einem Lüftchen verkommen und erinnern an das Meeresrauschen in großen Muscheln. Es ist nicht wirklich da. Mit feuchten Augen halte ich mein erstes Vinylalbum in Händen. Ich bin nicht gerührt, sondern werde erschlagen von der Reizüberflutung meines Sehnervs. In zehn... lesen


stefanie lehrner | mehr als genug

Ist das Nichts dem Menschen zumutbar?

Mehrheitlich sind wir superlativisch. Das übergeordnete Ziel unseres Lebens besteht darin, uns zu vermehren. „Seid fruchtbar und mehret euch!“, heißt es schon in der Bibel. „Seid wirtschaftlich und mehret euren Gewinn!“, so dann etwa die sinngemäße Übersetzung in die Managementsprache heutiger Zeit. Dieses Prinzip des Vermehrens scheint jede Faser unseres Körpers zu durchdringen und uns zu konstituieren: Mehr, mehr, mehr. Gut, b... lesen


thomas laessing | drei tage

w/Abwesenheit im Paradies nicht in die E-Mails geschaut

Ja gibt’s denn das? Ja gibt’s denn das? Überfliegen der Betreffzeilen im restpflichtbewussten Horror, magnetisiert durch ein Eskönntejadochwichtigsein: Newsletter des Newsletter von Newsletter unserer Verwandte mit ihren Ego-Foto-Belästigungen, zu erkennen an der Anlagenklammer, trügerisch-klein oben links, fallenstellend (könnten ja 20 Euro für die Jüngste zum Geburtstag rausspringen) Re: Aw: xxx Re: Re: Re: Re: Neue Freundanfrag... lesen


beate tröger | grazer galopp

Bericht einer Stadtleserin

Das Stipendium Drei Wochen bezahlt in Graz lesen? August 2008. Eine Glosse in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Darin heißt es: Das örtliche Feuilletonmagazin schreibkraft [...] lobt zusammen mit den lokalen Literaturinstitutionen ein Stipendium der besonderen Art aus: Anstatt, wie so oft, einem Autor Kost und Logis zu gewähren, damit er in die und in der Stadt zum Schreiben kommt, wird in Graz erstmals ein Leser gesucht, der sich do... lesen


anne kramer | von der sehnsucht nach dem herrn

Das Selbstbildnis des T. E. Lawrence

Zu wenig Jeder kennt das: Man will sich jemandem verständlich machen, redet, sucht, gräbt regelrecht nach den passenden Worten und sagt dann doch nur resigniert: „Du weißt schon, was ich meine.“ Der 1888 geborene Autor, Soldat und Archäologe Thomas E. Lawrence schrieb einmal: „Ich bin zu wenig Schriftsteller, um genug von mir in irgendein Werk zu legen.“ Lawrence, der sein Schreiben vor allem als Mittel einer permanenten Selbstbeo... lesen




Feuilleton der Ausgabe 17 - alles bestens

parviz amoghli | die seele hockt im fegefeuer

Das Alles-bestens-Prinzip der Corporate Social Responsibility als moderne Form des Ablasshandels

Sobald das Geld im Kasten klingt, Die Seele aus dem Fegfeuer springt. Johannes Tetzel, 16. Jahrhundert Beinahe 500 Jahre ist es her, dass der Dominikanermönch und Ablassprediger Johannes Tetzel mit diesem Reim das Alles-bestens-Prinzip beschrieb, welches damals wie heute Grundlage eines überaus lukrativen Geschäfts ist: des Ablasshandels. Auch wenn sich sein Erscheinungsbild geändert hat, so bleibt das Ablasswesen doch weiterhin in... lesen


emily walton | von klomuscheln und leichenbestattern

Damit alles einen Model hat

Raum 212 im zweiten Stock. Stühle, Tische, in U-Form aufgestellt, eine Leinwand für Präsentationen. Gläser sind auf kleinen Tabletts angerichtet, Mineralwasser steht daneben. Ein Besprechungszimmer? Ein Seminarraum? Nein, 212 im zweiten Stock der Heinestraße 38 im zweiten Wiener Bezirk ist ein Sitzungssaal. ON (österreichisches Normungsinstitut) prangt in blauen Buchstaben auf dem weißen Bürohaus mit rotem Dach. Saal wie... lesen


anne peters | kleine typologie des mehrheitsfrohsinns

Über Poptimismus und weitere allgemeine Arten, sich des Lebens zu freuen

Ich war zwar dennoch nicht froh, nicht von Grund aus froh, aber ich musste es sein in der Art, wie es alle sind. Die Sonne zündete mich an. - Regina Ullmann Ein Arzt kann einen Patienten mittels Medikament einstellen; oder anders­herum, ein Medikament wird auf den Patienten eingestellt. Ein Einstellungsmaßstab für die allgemeine Art, froh zu sein, kann zwar ebenfalls nur idealtypisch erstellt werden, aber geheilt wird damit keiner. Wi... lesen


harald a. friedl | das platon-popper-syndrom

Warum wir auf Kosten des Guten nach dem Besten streben

1. Das Philosophenkomplott Was wir heute zu wissen glauben, verdanken wir überwiegend Platon (427 -347 v. Chr.), im Guten wie im Bösen. Denn letztlich habe Platon bereits alle wesentlichen philosophischen Probleme gelöst, weshalb alle Philosophie nach dem großen alten Griechen weiter nichts als Fußnoten zu seinem Werk sei, wie der britische Philosoph und Co-Autor der Principia Mathematica, Alfred North Whitehead (1861 -1947), überspitz... lesen


bernhard horwatitsch | das universum

Oder: Nichts von Bedeutung

Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau rausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist. – Douglas Adams: Das Restaurant am Ende des Universums Glück, so sagen viele Glücksforscher, sei nicht messbar. Dennoch gibt es einige Statistike... lesen


stefanie lehrner | wir 2.0

Es tickt die Weltbevölkerungsuhr

Schlecht. Schlecht. Bei Ihnen hat sich offenbar eine Seele gebildet. Wir, Jewgenij Samjatin Wir stehen in einem großen, sterilen, lichtdurchfluteten Chemielabor. Um uns Glasfläschchen und Behälter in unterschiedlichen Größen und Formen, in Bestgrößen und Bestformen, alle gefüllt mit klaren Flüssigkeiten. Neben uns glänzen filigrane und hochkomplexe technische Geräte, Maschinen und Werkzeuge. Wir haben Tabellen voll... lesen


nina goldfisch | aus liebe zur arbeit?

Jäger Schnitzel, Gulasch, Spieß, Cordon bleu, Schweinsbraten mit Semmelknödel …

Wer nach Abschluss des Studiums keinen Job findet, versucht, den Einstieg ins Berufsleben über ein Praktikum zu schaffen. Für ein Praktikum muss man sich mittlerweile denselben Bewerbungsverfahren stellen wie bei „richtigen“ Jobs. Je anspruchsvoller das Arbeitsfeld, je besser der Ruf eines Unternehmens, desto mehr wird vorausgesetzt, desto mehr Mitbewerber müssen übertrumpft werden. Nur in zwei Punkten unterscheiden sich Praktika noc... lesen


jürgen plank | reif für die insel

Eine Projektionsfläche des Glücks

Die Langerhans’schen Inseln wurden noch nie von einem Menschen betreten. Obwohl sie näher liegen als jedes andere Eiland der Welt, nämlich in der Bauchspeicheldrüse. Es ist ein Glück, dass die Natur sie entstehen ließ, weil sie die Höhe des Blutzuckerspiegels registrieren und das lebensnotwendige, körpereigene Hormon Insulin produzieren und ausschütten. Im Wort ‚Insulin’ ist etymologisch betrachtet übrigens der Begriff Insel ve... lesen


brigitte radl | loser sind ok

Warum der Pinguin nicht fliegt und Amerikanisch-Samoa Fußball spielt

Vögel im Allgemeinen Vögel sind eigenartige Wesen und die Tatsache, dass Gott eine Spezies mit Flügeln und Federn statt Armen und einem ordinären Haarkleid ausgestattet hat, kann einem schon zu denken geben. Was er damit bezwecken wollte bzw. die himmlischen Motive der Schöpfung allgemein sollen hier jedoch nicht Thema sein. Wichtig ist einzig und allein, dass es Lebewesen gibt, deren unbestreitbar charakteristischste Qualität es ist... lesen


sabine dengscherz | gut ist nicht gut ist nicht gut ...

Eine kleine Relativitätstheorie der Werte

In einer Hungersnot erscheint uns eine alte Semmel als unerreichbar gut und ein Butterbrot als Delikatesse. Wenn man uns in einer Jugendherberge ein weiches Ei und eine Käseplatte zum Frühstück serviert, sind wir begeistert, würde man uns in einem Fünfsternehotel dasselbe vorsetzen, wären wir maßlos enttäuscht. Qualitative Begriffe sind relativ. Im Vergleich zur Diskrepanz zwischen gut und gut wirkt die alte Feindschaft zwischen g... lesen


myriam keil | die andere seite der besseren lebensart

Immer schön schauen!

Wenn jemand eine Straße überquert, wird er im Allgemeinen nicht überfahren. Wenn jemand eine Straße überquert und dabei nach links und rechts sieht, hat er sogar noch bessere Chancen. Vielleicht überquert er aber die Straße, sieht nach links und nach rechts und erblickt ein paar spielende Kinder, die dem Fahrbahnrand gefährlich nahe kommen; er sorgt sich, er ruft, er gestikuliert – und wird überfahren. Zumindest steigen s... lesen


cay marchal | das getobe der sprachen

Über die Suche nach dem besten, dem einzigen, dem angemessenen Wort

  Eigentlich nimmt es wunder, wie wenig die Literatur der Gegenwart von der Tatsache der Vielsprachigkeit in Mitleidenschaft gezogen wird. Im Deutschen, im Französischen, im Englischen lebt es sich auch heute bestens: Die verschiedenen Nationalsprachen scheinen immer noch denselben Zusammenhang wie schon im 17. oder 18. Jahrhundert zu stiften. Dabei müsste die gleichzeitige Anwesenheit so vieler Weltsprachen (die von der Technik imm... lesen


martin gasser | der feuerkopf im schrebergarten

Die Lust an der Idylle im literarischen Pessimismus

  „Geh zum Fegefeuer mit deinen Predigten, Wahnwitziger!“ rief die schöne Akante mit dem jachzornigsten Tone und warf den erstaunten, halb sinnlosen Belphegor nach zween wohlabgezielten Stößen mit dem rechten Fuße zur Thüre hinaus. Als im Zuge einer fragwürdigen Unternehmung der schönste Anfangssatz der deutschsprachigen Literatur gesucht worden ist, hat man diese Zeilen übersehen. Mit diesem Arschtritt beginnt Johann K... lesen


stefan schmitzer | süßt wein wasser?

Eines der drei neuen Bücher von Helwig Brunner in der Frühjahrssaison 2008 ist der Gedichteband "süßwasser weinen", erschienen in der edition graz im Sonderzahl Verlag. Über den lyrischen Beobachtungsgestus, Dreierfiguren, hübsche kultivierte Gehirne und vieles mehr diskutierte mit ihm für die schreibkraft Stefan Schmitzer.

Schmitzer: Mein erster Eindruck von deinem neuen Buch ist, dass es von einem eher unproblematischen Verhältnis zu den Traditionen von Natur- und Gedankenlyrik geprägt ist, aber auch von einem Formbewusstsein, das über diese weit hinausweist. Um also mal mit der Form anzufangen: Die Gedichte in süßwasser weinen sind sämtlich dreistrophig. Auch hat der Band drei Kapitel, die mit "Naturalien", "Musikalien" und "Destillate" betitelt sind, a... lesen




Feuilleton der Ausgabe 16 - für immer

stefanie lehrner | im wurststrudel

Zwei Enden machen noch keine Unendlichkeit

Heute ist alles wie immer. Wir werden nicht für immer jung sein. Wir werden nicht ewig leben. Ich werde nicht für immer im Bett bleiben. Du wirst nicht immer für mich da sein. Wir werden uns nicht immer lieben. Auch wenn Milch immer teurer wird und Jugendliche immer früher Sex haben und ich nie, also nicht immer und auch nicht immer öfter Clausthaler trinke. Du bist immer nie am Meer, sondern meistens hier und trotzdem muss immer ich den... lesen


harald a. friedl | das nukleare ende europas

In La Hague steht die weltgrößte Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Ein Lokalaugenschein am äußersten Zipfel von Frankreich

Das Ölzeug gegen den Regenschauer ins Gesicht gezogen, zurrt die stämmige Gestalt seine Nussschale fest. Im Netz zappelt eine Handvoll Küstenfische. „Taugt nichts für die hohe See, die Schaluppe. Aber was Größeres passt da nicht mehr rein“, grinst der Alte und nickt nach dem schmalen Hafenbecken von Ormonville-la-petite, das sich stolz der „kleinste Hafen Frankreichs“ nennt. Eng schmiegt sich die Pier an die Uferböschung von La... lesen


peter glaser | speicherwahn

Manche fürchten, dass sie Daten verlieren. Andere hoffen darauf

Von Mobiltelefonen konnten Computer eine ganze Menge lernen – bis vor kurzem jedenfalls. Die alten Handys beherrschten nämlich eine große Kunst: das Vergessen. Inzwischen kann man sie mit zunehmend großen Speicherkarten ausstatten. Davor jedoch konnte man auf einer kleinen SIMcard außer seiner Telefonliste gerade mal eine Handvoll SMS speichern. War die Karte voll, mußte man Nachrichten löschen. Newsjunkies und Blogger horten heutzuta... lesen


werner schandor | das letzte gletscherbild

Die Fotografie liefert uns Ewigkeit für alle. Aber sie unterliegt der Bilderschmelze

Ich behaupte nicht, dass die Gletscher schmelzen, weil mehr fotografiert wird. Aber es kann durchaus sein, dass mehr fotografiert wird, weil die Gletscher schmelzen. Lassen Sie mich diesen Gedanken kurz erklären, ich habe dazu ein paar Aufnahmen vorbereitet. 1. Du lieber Scholli! 2007 geht ein Bild um die Welt: Ein ausgewachsener Eisbär balanciert auf der Kuppe einer Eisscholle, die kleiner als sein Körper scheint, als wär’s ein... lesen


anne peters | schon wieder

Über die Leerstellen in der Konzeption des Ewigen

Nicht einmal Naturgesetze sind für immer gültig. Gültig, also von bleibender Aussagekraft, sind sie zwar schon – aber eben nicht für immer. Deshalb pikiert sich Wittgenstein ja auch so schön und schreibt von „sogenannten“ Naturgesetzen. Dennoch dürfte den physikalischen Gesetzen wohl noch am ehesten Beständigkeit zugetraut werden. Der Modellcharakter von Beschreibungen der Naturwirklichkeit wird dabei gerne übersehen. Sie haben... lesen


georg gartlgruber | ewige liebe in der heutigen zeit

Eine Auftragsarbeit

1. For ever ever. For ever ever? – Outkast Natürlich gibt es die ewige Liebe; es gibt ja auch das Gute im Menschen. Was es nicht gibt, ist Perfektion. Die mediatisierte Umwelt erzeugt die Illusion, dass es möglich wäre, den Lebenslauf zu kontrollieren. Deshalb verzweifeln tausende Frauen auf der Suche nach der Perfektion in ihrer Beziehung. Sie reden ein Scheitern herbei, wo bloße Details nicht dem Ideal entsprechen. Schuld daran ist na... lesen


martin gasser | der verkaufte fan

Einem Verein die Treue zu halten, ist im österreichischen Fußball unmöglich

48,9 Prozent der in Österreich eingegangen Ehen werden geschieden, die Katholische Kirche erfreut sich auch nicht gerade wachsender Beliebtheit und die Arbeitswelt verlangt flexible Kräfte, die stets darauf vorbereitet sein müssen, Neuland zu betreten. Während man sich also mit diversen Lebensabschnittspartnern in unterschiedlich zusammengesetzten Patchwork-Familien zusammenfindet, sich seine Religion selber zusammenbastelt oder außer an... lesen


marie kreutzer | im himmel ist kein platz für uns zwei

Gedanken eines Telenovela-Junkies

Zeit ist im fiktionalen filmischen Erzählen beliebig dehnbar. Auf Liebesgeschichten bezogen bedeutet das etwa eine Ausdehnung zur extremen Zeitlupe im Moment des Verliebens, umgekehrt die Verdichtung ganzer Beziehungsphasen zu mit Musik unterlegten Montagen. Der erste Kuss bekommt mehr Raum als der vierzigste Streit, ein Blickwechsel zwischen einander Unbekannten üblicherweise mehr als ein wortlos-harmonischer Austausch von Frühstücksuten... lesen


brigitte radl | glaubensfragen

Oder der Schlüssel zum Paradies der Unenttäuschbaren

Es gibt ein paar Wörter in dieser unserer wunderbaren Welt, an denen lässt sich nicht einfach vorbeidenken. An solchen, die nie klar und verständlich definiert wurden und deren Bedeutung wir aufgrund fehlender psychischer Gegebenheiten und ihres hohen Komplexitätsgrades nicht begreifen können. Meist sind das Begriffe, mit denen wir trotzdem irgendwie leben, deren fehlende Eindeutigkeit wir bis zu einem gewissen Grad ignorieren oder von w... lesen


wolfgang pollanz | forever & ever & ever

10 Songs für die Ewigkeit

Das Schnelllebige, Ephemere ist wohl eines der Wesensmerkmale der Popkultur; nichtsdestotrotz erfreut sich das Ewige in der Lieddichtung der Popmusik größter Beliebtheit. Die mehr oder weniger berühmten hier behandelten Songs tragen zwar das Wörtchen „forever“ in ihrem Titel, einige sind möglicherweise sogar unsterblich, aber im Großen und Ganzen dauert die Ewigkeit in der Popmusik meist nicht länger als drei Minuten … &nbsp... lesen


alexandra rollett | stop motion!

Plädoyer einer Teilzeit-Fortbewegungsdissidentin

Das Credo des heutigen Menschen, die permanente Erweiterung seiner Selbst- und Weltverfügung, setzt eine zunehmende physische und psychische Beweglichkeit voraus. Flexibel, mobil, spontan und im lebenslangen Weiterbildungsprozess begriffen wechseln wir Job, Wohnort und Lebenspartner wie die Unterhosen und entdecken an uns täglich eine neue Seite, während die von gestern ins Altpapier wandert, um einige Zeit später recycled und chlorfrei g... lesen


martin fritz | lieber nachhallig!

Gegen Nachhaltigkeit als Kampfbegriff

Achtung: Wenn Sie irgendwo ein Konzept für ein temporäres, künstlerisches Vorhaben präsentieren und jemand in der Diskussion das Wort Nachhaltigkeit ausspricht, herrscht allergrößte Gefahr für Ihr Projekt. Jetzt fehlt nur noch, dass ein anderer stumm nickt und ein Dritter davon spricht, dass doch ebendieser Wert bei der letzten Klausur als zentraler Wert der Organisation bestätigt wurde – dann können Sie möglicherweise einpacken m... lesen


florian malzacher | der tod und das mädchen

Aggregatzustände des Todes in „Buffy the Vampire Slayer”

Sie ist wach. Dietmar Dath über Buffy „She came from the grave much graver“ – nicht nur ernster – fast als wär sie gar nicht zurück. Antigone aus der Höhle befreit, doch wo sie hinkommt, da sieht sie kein Leben, das lebenswert ist. Wie sie durch die Schlachtfelder der Realität stapft, sieht sie nur Grausamkeit und Sterben, Trauer und Einsamkeit und Sehnsucht ohne Ziel. Als wär sie noch immer dort, wo auch immer sie war, a... lesen


alice le trionnaire-bolterauer | auf ewig! auf ewig! auf ewig!

Von der Monomanie des Erhabenen bei Stifter

0. Was veranlasst einen behäbigen Biedermeierautor, der nicht davor zurückschreckt, seine Leser mit den ausführlichen Beschreibungen landwirtschaftlicher Betätigungen zu langweilen, der sich daran ergötzt, Muster und Beschaffenheiten von Fußböden in extenso darzulegen, was also veranlasst diesen selbsternannten Autor des Kleinen und oft Kleinlichen, zu dem Adalbert Stifter sich selbst stilisiert hat, dann, wenn es um die Liebe geht, im... lesen


georg fuchs | big crunch oder urknall?

Egal. Am Ende ist alles für immer vorbei

Time is the Killer Die Brüder   Die Zeit überlisten Das Ende ist nah. Wer auf das Reich Gottes, das zweite Kommen des Messias oder auf den Kommunismus wartet, muss wissen, dass die Uhr unerbittlich tickt. Wir befinden uns in einem Wettlauf mit der Zeit, in deren Strudel wir unterzugehen drohen, bevor das Gute über das Böse siegt und die Wohnungsmieten für immer auf ein äußerst günstiges Niveau gesenkt werden. Die Widerst... lesen




Feuilleton der Ausgabe 15 - noch fragen?

ann cotten | sind sie ein gedicht?

Ann Cottens existenzieller Fragebogen

1) Halten Sie sich etwas auf Ihre Schönheit zugute? a) Ja, natürlich. Sie wurde mir auch vielfach bestätigt. b) Selbstverständlich irgendwie, aber die Konstruktion ist mir wichtiger. c) [Nimmt eine Schere und zerkratzt das Gesicht, schreit dabei:] Innere Werte! Innere Werte! d) [gähnt und wälzt sich auf die andere Seite] Ja gepflegt sollte man schon sein. 2) Was denken Sie über Zeilenumbrüche? a) Nerven unglaublich. Am liebsten w... lesen


anne peters | bin ich schwanger? bin ich schwul?

Über das Wesen indiskreter Fragen und die Unmöglichkeit, sie gesetzlich in den Griff zu bekommen

Fragen sind niemals indiskret. Antworten bisweilen schon. Oscar Wilde Ein Glück für den, der sich von Fragen nicht einfangen lässt, ihnen gelassen gegenübertritt und selbst abwägt, ob er durch seine Antwort eine indiskrete Situation entstehen lässt. Er kann alle Fragen zulassen, ohne sich einzulassen. Gelassen kann also derjenige sein, der, dem Zitat Oscar Wildes folgend, glaubt, mit seiner Antwort Distanz zur Frage schaffen zu k... lesen


katharina körting | bungee-jumping mit christiansen

Vom Kitzel, sich völlig zu veräußern

Ich glaube nicht an das Individuum. Ich weiß, dass das ketzerisch ist, in dieser gottlosen Zeit, aber Individualismus ist etwas für die anderen. So wie Risikosportarten, Fun-Food oder Christiansen. Neulich ist ein komischer Kauz aufgetreten, ein Rentner  der sein Leben lang hart gearbeitet hat. Der Mann hat seine gesamte Erbschaft einer kauzigen marxistischen Splitterpartei gespendet – ohne Bedingungen! –, und ihm verdankt Christia... lesen


helga pankratz | mfaq

Jetzt steht es endlich in der Zeitung

Ich weiß jetzt nicht: Ob ich Ihnen das schon erzählt habe? Ich hab’ es im Lauf des Jahres 2006 so oft erzählt! Fast immer, wenn ich gefragt wurde: „Was machst du so?” Oder: „Wie geht’s dir?” Oder: „Wo treibst du dich denn herum? – Man sieht dich fast nie!” Ob mündlich oder schriftlich, ob am Telefon oder per E-Mail habe ich es auf Fragen dieser Art erzählt. Sodass ich fast glauben könnte, es müsste inzwischen ha... lesen


parviz amoghli | leben wir in einer vormoralischen zeit?

Das Ende der bürgerlichen Moral

Egal ob Integration, Killerspiele, Komasaufen, Klimaschutz, Familien- und Gesundheitspolitik, Managergehälter oder Nothilfemissbrauch – in der Regel dauert es nicht lange und ein Diskutant beruft sich auf die Moral, womit der Zeitpunkt erreicht ist, ab dem es nicht mehr lohnt, sich an einer Debatte, sei es öffentlich oder privat, zu beteiligen. Wie will man auch vernünftig über einen Sachverhalt sprechen, wenn der Widerrede der Makel de... lesen


brigitte radl | widerstand zwecklos!

Unbemerkt fasst es uns, unbemerkt hält es uns, unbemerkt täuscht es uns

Ein Rätsel Es ist weder farbig noch grau, weder groß noch klein, auch nicht flauschig oder kratzig. Es kann nicht fliegen, ist niemandes Freund und bekommt auch keinen Durst, wenn der Regen für längere Zeit ausbleibt. Meistens ist es stur und kümmert sich nicht darum, was die anderen wollen – ein Egoist sozusagen. Manche Leute nennen es sogar einen Nihilisten. In meinem Fall trifft das wahrscheinlich zu, denn egal was ich tue, es hat i... lesen


georg marko | offen gesagt, verschlossen gemeint

Neun mittelschwere bis schwere Fragen zum Thema Pornographie und Explizitheit

1. … absolutely explicit sex – absolut expliziter Sex: So und ähnlich wird Pornographie einschlägig beworben. Was heißt „explizit“ hier? Explizitheit ist eine heterogene Ansammlung von sich teilweise überlappenden Eigenschaften, die der Pornographie zugeschrieben werden. Es gibt sicher Unterschiede zwischen (vornehmlich) visueller und textueller Pornographie, aber grundsätzlich lassen sich die besagten Eigenschaften an beiden For... lesen


ilona kästner | träumst du schon oder lebst du noch?

Gerade der Tod stellt Fragen. Träumt sich unser Bewusstsein nach dem Sterben einfach weiter fort?

„Es hat keinen Sinn, es zu versuchen“, sagte Alice. Man kann nicht an das Unmögliche glauben.“ „Ich wage zu behaupten, dass du darin nicht viel Übung hast. Als ich in deinem Alter war, habe ich es immer für eineinhalb Stunden getan. Manchmal habe ich an sechs unmögliche Dinge noch vor dem Frühstück geglaubt.“  Lewis Carroll Unter den vielen, vielen Fragen die uns das Leben täglich stellt, gibt es einige Fragen, di... lesen


alexandra rollett | ei o-e i ei?

Der Rest ist Schweigen

Aber ab wann kann man von einem solchen Rest sprechen? Wo beginnt und wo endet er? Und warum sollte gerade für mich dieser Rest alles gewesen sein? Ich muss jetzt auf jeden Fall reden. Weil andere das einfach zu oft tun. Noch dazu coram publico, im Rampenlicht und immer zu die gleiche Leier. Denn mal ehrlich: Sein oder Nichtsein – kann irgendjemand diese Frage noch hören? Hollywoodlegenden wie Ralph Fiennes murmeln sie hinter der Bühn... lesen


julian blunk | text und gegentext

Ein Hoch auf den Ähnlichkeitsfilter

... nachzulesen in schreibkraft, Heft 15, "noch fragen?" lesen


martin gasser | google und die letzten klugscheißer

Kann nutzloses Wissen wirklich nutzlos sein? – Ein gelehrter Disput.

A (referierend, mitunter schneidend, Geheimratsecken in der Stimme): ... kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit unnützem Wissen. Das halte ich für eine ausgesprochene Diffamierung, dass es so etwas geben soll. B (behält die ganze Zeit über einen skeptischen Tonfall): Na ja, es stimmt wohl, was Sie sagen. Ich erinnere mich an einen Freund, der die sonnenschwere Ödnis eines kroatischen Strandes zum Zeitvertreib mit einem guten Beispiel an... lesen


cornelia schuss | von träumen und realitäten

oder: Was Politiker und Masochisten gemeinsam haben

Fragt man kleine Kinder, was sie werden wollen, so sagen diejenigen, die mit den Eltern schon ein bisschen in der Welt herumgekurvt sind, Pilot oder vielleicht auch Kapitän. Die, die später mal groß hinaus wollen, sagen Astronaut. Später, mit 15, will man Rechtsanwältin werden, Arzt, die künstlerisch Begabten vielleicht Bestsellerautorin oder Geigenvirtuose. Daneben gibt es noch ein paar junge Weltverbesserer, die es sich zum Ziel setze... lesen


bernhard horwatitsch | kleine reise durch den nihilismus

Wie französische Autoren die Wurzeln des Alltags-Faschismus in ihren Werken entkleiden

Beim Prediger Salomo heißt es, dass die Frau bitterer sei als der Tod. Umberto Eco lässt seinen Franziskanermönch Wilhelm von Baskerville versöhnlich sagen, dass Gott kaum ein Geschöpf erschaffen würde, ohne ihr wenigstens ein paar Tugenden mit auf den Weg zu geben. Rein wissenschaftlich lässt sich sagen: Die Frau ist ein weiblicher, erwachsener Mensch, und das geschlechtliche Gegenstück zum Mann. Die Unterscheidung liegt vor allem in... lesen


dirk werner | mehr als weniger blauer dunst

Weder Fragen noch Rauchen – die Vernunft ist ein Endpunkt

1 Jedes Verbot zeugt ein Geheimnis. In der DDR, wo praktisch alles verboten war, gab es Unmengen von Geheimnissen, von Abernichtweiter-Sagen, Mythen und Mystifikationen. Und wenn jetzt in der BRD das Rauchen in den Gaststätten verboten wird – den Rauch treibt das nicht aus. Das Verbot wird die Kultur verändern, ja, aber das Gasgemisch, einmal von den Tischen verbannt, wird anderswo die Köpfe erneut unter sich versammeln. Keine Frage m... lesen


andreas r. peternell , evelyn peternel | wer hat an der uhr gedreht?

oder: Kann die Popkultur all unsere Fragen beantworten?

„There are no answers in this book!“, musste Homer in der Kinoversion der Simpsons beim Durchblättern der Bibel verzweifelt feststellen – hätte er doch nur zur schreibkraft gegriffen. Damit nach Lektüre dieser Ausgabe auch wirklich keine einzige Frage mehr offen bleibt, haben Evelyn Peternel und Andreas R. Peternell versucht, all jene Mysterien zu klären, vor die uns die Populärkultur im Laufe der letzten zwei Millionen Jahre geste... lesen




Feuilleton der Ausgabe 14 - patient spezial

bernhard wieser | die todgeweihten grüßen dich!

Die moderne Genforschung schickt sich an, den Begriff der Krankheit nachhaltig zu verändern

Krankheit rührt an der Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit. Sie beinhaltet die Erfahrung, dass der eigene Körper verwundbar ist, dass er nicht immer so funktioniert, wie man es sich wünscht, und schließlich irgendwann aufhören wird zu arbeiten. Krankheit ist an die Hoffnung auf Heilung gebunden, dass es wieder so wird, wie es war, dass alles gut wird, alle Schmerzen abklingen und man zurück in das unbeschwerte Leben kehren wird. K... lesen


hermann götz | kranken-klassen

Über Gesundheit als höchstes Gut und elitäres Konstrukt der Gesellschaft

Es ist nicht so, dass sie mit den Schultern zucken würde. Aber so etwas wie ein Schulterzucken liegt unzweifelhaft in der Stimme von Tante Gerda, wenn sie ihren Lieblingsspruch ausspuckt, der mindestens so resignativ ist, wie er optimistisch sein will: „Hauptsache, wir sind gesund“. Womit sie definitiv nicht sich selber meinen kann. Aber das ist eine andere Geschichte. Unsere Geschichte beginnt hier, weil Tante Gerda auch ganz anders hei... lesen


barbara kampas | zustände ohne aufstände

Eine Menagerie

Arzt oder Patient? Götter in Schwarz oder Weiß, Nullen oder Einser, Opfer oder Täter? Eines Tages steht jedes Kind, bevor es endgültig groß geworden sein wird, vor der Wahl: Arzt oder Patient zu sein, Macht oder Ohnmacht zu pflegen. Eine Frage der Bequemlichkeit. Patienten liegen im Bett, Ärzte sind rund um die Uhr erreichbar. Weil Ärzte ihrerseits so schlecht im Bett liegen und ständig aus diesem gerufen werden, sind sie die schle... lesen


brigitte fuchs | milzbrand

Aus Krankheiten lernen wir, dass Asien irgendwann nicht mehr in ganz Asien vorherrschte

Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen. Sie tragen einen weißen Flaus und sind mit Schrot zu schießen Ich schieße keine Möwe tot, ich laß sie lieber leben und füttre sie mit Roggenbrot und rötlichen Zibeben Christian Morgenstern, Möwenlied, 1905 Seuche Ohne Zweifel gibt es Patienten. Die Frage ist, ob sie auch wirklich krank sind. Die Medizin als florierender, kommerzieller Wissenszweig beantwortet diese Frage allerdin... lesen


reinhard braun | liebling, ich habe die kinder ...

oder: Für eine neue Geständniskultur in progress

Allein schon die im deutschen Sprachgebrauch eher unübliche bis verpönte Anrede „Liebling“ deutet an, dass der Ausrufungssatz sich nur auf eine Katastrophe beziehen kann (und so legt es auch der Inhalt des dadurch zitierten Films nahe): ... fernsehen lassen, ... mit Milchschnitten ruhig gestellt, ... abzuholen vergessen. Die Anverwandlung anglizistischer Umgangsformen mündet in ein Eingeständnis des Versagens, eines Ungenügens und ei... lesen


sabine dengscherz | leiden: kein eintrag

oder: Wie das corpus das Ruder über- und die mens an die Kandare nimmt

Jenseits der Dreißig kommen die Wehwehchen. Das sagen alle. Und alle können nicht irren. Also zweifelst du allmählich an dir selbst. Bis jetzt hast du dich eigentlich nicht für zurückgeblieben gehalten. Aber so ist es nun mal: Die ersten dreiunddreißig Jahre deines Lebens bist du nachgerade unverschämt widerstandsfähig. Und schon auch irgendwie stolz darauf. Deine Hausapotheke füllt nicht einmal eine halbe Schuhschachtel, bei der Soz... lesen


monika wogrolly-domej | die hinfällige seele

Über Personalität und Würde in der Medizin

Der in der Bioethik und modernen Medizin etablierte Personbegriff entfernt sich zunehmend von christlichen Ansichten einer Unantastbarkeit menschlichen Lebens und von dessen besonderem Wert. An die Stelle des Menschen, dem nach christlichem Denken bereits unmittelbar nach der Zeugung zentrale Rechte, wie ein Lebensrecht und Menschenwürde, zukommen, tritt nunmehr ein menschliches Wesen, dessen Personalität und Rechtsstatus im Lauf seines Leb... lesen


alexandra rollett | mein ich ist hirntot

Nachruf auf einen geliebten Patienten

Nicht nur trauern wollen wir, dass wir es verloren, sondern dankbar sein, dass wir es gehabt. Meinem ICH ging es schon seit geraumer Zeit nicht besonders gut. Es war nicht nur erschöpft, was ihm Alain Ehrenberg in seinem viel zitierten Buch Das erschöpfte Selbst gerade noch zugestanden hätte. Es musste eine Reihe äußerst bedenklicher Burnouts verkraften: neuronale Synapsen durchgeschmort, moralisch-ethische Sicherungen geflogen und a... lesen


karl hofbauer | und was macht der hase?

„Schön sieht man bei der Operation nicht gerade aus. Mit dem Stahlrohr im überstreckten Hals, durch das Sie übrigens der Chef persönlich operieren wird, sieht man ein bisschen aus wie ein Hendl am Spieß.“ Ob die an sich sehr sympathische Anästhesistin das nur mir oder allen Patienten anvertraute, die an den Stimmlippen operiert werden sollten, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hatte ich mich noch nie selbst als Hendl am Spieß visu... lesen


eleonore zorn | der öffentliche patient

Über Sinn und Zweck moderner Inneneinrichtung

Frau Schmitt ist krank. Das ist ihr peinlich. Ihr Image als flotte Mittfünfzigerin leidet darunter, besonders im Büro. Unter keinen Umständen möchte sie, dass die jüngeren Kollegen sie für nicht mehr belastbar halten. Sie tut ja auch alles, um gesund zu bleiben, macht Yoga, ernährt sich vollwertig, geht ins Fitness-Studio, achtet auf ihr Gewicht. Umso mehr ärgert es sie, dass ihr Körper anfängt, da und dort zu schwächeln. Sie wa... lesen


benedikt narodoslawsky | advertale influenza

Wir sind nicht nur werbe-degeneriert, sondern auch werbegeneriert

Ich bin krank. Mein Hausarzt diagnostizierte Advertale Influenza (AI) im fortgeschrittenen Stadium. Der Doktor übersetzte mir das als fieberhafte Beeinflussung durch Werbung. Ich leide an den krankheitstypischen Symptomen Kaufrausch und paranoide Naivität. Die Krankheit ist nicht tödlich – aber sie ist lästig. Ihr Erreger, penicillinresistent und großteils noch unbekannt, heißt Bacillus oeconomicus. Er breitet sich schleichend aus... lesen


michaela schröder | krankheit macht schulden

Gesundheit beinhart kalkuliert

Neuerdings spricht man von ”Human Resources”. Da die ”Ressource” laut Lexikon als ”natürliches Produktionsmittel für die Wirtschaft” definiert wird, darf man den Terminus ”Human Resources” wohl analog verstehen. Das menschliche Produktionsmittel gehört zu den wesentlichen Voraussetzungen nationalen Wohlstands – gleich wie das Vorkommen an Bodenschätzen, fruchtbarer Humus zur landwirtschaftlichen Nutzung und gewisse klima... lesen


gabriele feyerer | kein mensch träumt von aller medizin

Ascorbinsäure versus Vitamin C. Plädoyer für eine ganzheitliche Heilkunde

Patient, sprich „Duldender“ zu sein, ist heutzutage kein Leichtes. Wer das Wartezimmer eines rein schulmedizinisch orientierten Arztes betritt, kann sicher sein, es nicht ohne Diagnose und passendes Rezept zu verlassen – gleich wie gesund oder krank er in Wahrheit sein mag. Ich empfehle den Selbstversuch. Der bekannte Satz eines Zynikers: „Wem nichts fehlt, der ist noch lange nicht gesund, sondern bloß nicht richtig untersucht“, sc... lesen


andrea hiller , jürgen plank | der geist des büffels

Der Blackfoot Pablo Russell über den Sonnentanz oder: Was Indianer tun, wenn eine Verkühlung im Anmarsch ist

Die Blackfoot waren bis vor rund 300 Jahren halbnomadische Jäger und Sammler in einem Gebiet westlich der großen Seen. Anfang des 17. Jahrhunderts wichen sie den Algonkin und der beginnenden Kolonisierung Nordamerikas und zogen gen Westen, wo sie auch heute leben: Im US-Bundesstaat Montana und in der kanadischen Provinz Alberta. Pablo Russell ist Blackfoot Blood und lebt in der Stadt Calgary. Seine Familie zeigt im Kleinen einen Prozess... lesen


werner schandor | ein normaler dienstleister

Gespräch mit einem Chirurgen über das Handwerk des Heilens und die Selbstdefinition von Ärzten im Wandel der Zeit

Der Grazer Helmut Müller wusste bereits 1977, als er 12 Jahre alt war, dass er Arzt werden wollte. Seit 1993 steht er als Facharzt für Chirurgie im OP. Sein Schwerpunkt ist die Organtransplantation, insbesondere die Transplantation von Niere, Herz und Lunge. Mit diesem Thema befasst er sich auch in Forschungsarbeiten. Der habilitierte Mediziner arbeitet an der Universitätsklinik Graz, wo er an der Abteilung für Transplantationschirurgie d... lesen




Feuilleton der Ausgabe 13 - mitte

brigitte fuchs | kodo, der kosmische dolm

oder Legenden und der Mythos „Mitte“

Ohne Zweifel gibt es im Universum angenommene Örtlichkeiten und Punkte, die zwischen, neben, über oder unter anderen angenommenen Örtlichkeiten und Punkten liegen. Daher kann die „Mitte“ auch nicht ausschließlich als Mythos betrachtet werden. Beispielsweise wissen wir aus dem Mathematikunterricht, dass es für geometrische Flächen und Körper Formeln gibt, womit sich deren „Mittelpunkte“ berechnen lässt. Dazu ist einschränkend... lesen


julian blunk | zur mitte finden

Der Mensch im Zentrum verschiedener Kunstepochen

... nachzulesen in schreibkraft, Heft 13, "mitte". lesen


christiane kalss | bis einem schwindlig wird

Vom Suchen und Erfinden möglichst mittelmäßiger Mittelpunkte

Sie gehören dazu. Ich gehöre dazu. Wir gehören zu den Suchern. Sie suchen wahrscheinlich gerade andere Dinge als meine pinkfarbenen Handschuhe und eine neue Wohnung für mich, was eigentlich bedauerlich ist, doch zumindest auf einer Suchexpedition befinden wir uns gewiss gemeinsam. Wir alle sind auf der Suche nach Mittelpunkten. Mittelpunkten, in denen man für eine Weile stehen kann, Mittelpunkten unseres Planeten, zu denen man reisen kan... lesen


vrääth öhner | punkt ohne ausdehnung

Zur Philosophie der Mitte

„Gibt es ein Leben vor dem Tod?“ In großen, schwarzen Lettern gemalt, verziert die Frage eine Wohnzimmerwand, die zu einem gerade noch besetzten, nun aber zum Abbruch freigegebenen Haus gehört. Ohne Zweifel richtet sie sich an die Öffentlichkeit und nicht an jene, die dort gewohnt haben, schließlich ist der Abbruch des Hauses gegen den Widerstand seiner Bewohner und deren politischer Verbündeter durchgesetzt worden. Jene, die gekomme... lesen


wolfgang kühnelt | nilfisk schlägt zidane

Das Ende der Kunst im Mittelfeld

Anlässlich der WM 2006 in Deutschland überhäufen uns die Buchverlage mit neuen Werken zum Wesen des Fußballsports. Da erscheinen historische Weisheiten nicht gebunden, sondern auf einen Lederball gedruckt, Fakten-Sammlungen werden gestaltet wie christliche Gesangsbücher und natürlich vermarktet man auch wieder die allseits beliebten und wie von Geisterhand geschriebenen Selbstdarstellungen berühmter Spieler. Kaum ein Fußball-Text abe... lesen


serjoscha wiemer | glückliche consolencowboys?

Das Universum verdichtet sich zwischen den Rändern der Mattscheibe

Alles zieht sich zusammen, die Stirnfalten etwa, in höchster Konzentration während einer Kampfszene. Wenn man Videospielern bei ihrer Arbeit über die Schulter guckt, den „Zockern“, die sich in Bildschirmwelten durch enge Gänge bewegen und sich den Weg freischießen müssen, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier für Momente des Spiels die Welt auf einen kleinen Punkt zusammenschnurrt. Das wahrnehmbare Universum ve... lesen


werner schandor | ad absurdum

Das Weltgesetz der Hypertrophie harrt seiner Verbreitung

Die schlimmste Phase habe ich schon hinter mir: Das war mit einem Computer, der noch unter Windows 98 lief. Irgendwie hatte ich es geschafft, ihn so lahm zu machen, dass allein das Aufrufen eines neuen Word-Dokumentes bis zu zwei Minuten dauerte. Dann ergatterte ich aus dem Internet und von Software-CDs, die Computermagazinen beiliegen, allerlei Gratisprogramme, die versprachen, meinen PC schneller zu machen. Also tunte und entrümpelte und w... lesen


sarah fötschl | die wahrheit in der mitte

Mitte versus Anfang und Ende

Mitte bitte, nun denn, diese auszuloten, ob sie etwas taugt, soll hier einmal der Versuch sein. Ich persönlich müsste an dieser Stelle ja im Moment an den ph-Wert denken, meine persönliche Mitte, der Magen, wo übrigens auch mein Herz liegt, soll hier jedoch nicht inhaltlich zerlegt werden. Viele Meinungen gehen ja dahin, dass sie sagen, das Wahre sei in der Mitte zu finden. Die Ausgeglichenheit, die Gerechtigkeit, die Balance und die gold... lesen


ann cotten | wie ich mich, mich juckt das preispickerl am hals so, dem großen gomringer genähert

der gomringer war grad fischen, da sprang ich ihm fühlig auf den buckel und rutschte ab. meine hand versuchte sich am itüpfelchen über seinem kopf festzukrallen, aber das war völlig sinnlos. ich hatte dann flach am rasen liegend ein fettiges itüpfelchen in der handfläche liegen und erst recht keinen festen halt. der gomringer drehte sich um und sah mich an, ich weiß nicht wie. er klemmte etwas mit seinen lippen fest, war es loser tabak, g... lesen


patrick merziger | der humor

Rasendes Monstrum, stille Idylle, keine Mitte

Die Mitte ist immer prekär, als Zustand kippelig. Die Sehnsucht nach der dauernden Mitte, dem eigenen Ruhepunkt und dem Idyll ist umso größer. Galina Berkenkopf fand ihre Mitte an einem Ort und zu einer Zeit, die wenig geeignet erscheinen: in Bonn im Herbst 1943. Der Humor entdeckte ihr diese Mitte: Septembermorgen im Walde. Die Stille webt unhörbar Frieden. Es ist gut, Atem zu holen und alle Sinne ausruhen zu lassen. In einer... lesen


katja schmid | essen in hülle und fülle

Über Kraut- und andere Wickel

Montag, den 7. November Momentan bin ich im Wickelwahn. Alles, was ich koche, muss ich einwickeln, in Kohlblätter, Wirsingblätter, Spinatblätter, Bananenblätter, Schweinenetze, zur Not auch in Küchengarn. Gestern hat mein Freund das Abendessen verweigert, weil meine geschnürten Paprikaschoten aussahen wie Bondageopfer. Das mit dem Wickeln geht nun schon zwei Wochen so. Es begann mit einem geschmacklosen Krautwickel bei Ikea. Das... lesen


klaus nathaus | die schönste mitte berlins

Erkundungen im Wedding

Ihr letzter Umzug hatte Carla in den Wedding verschlagen bzw. in die, wie es die Dame im Einwohnermeldeamt ausdrückte, „schönste Mitte Berlins“, schließlich war der Wedding bei der letzten Bezirksreform gemeinsam mit dem Tiergarten dem neuen Großbezirk „Mitte“ zugeschlagen worden. Tatsächlich erreichte man vom Leopoldplatz, Weddings Mitte, aus die Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden in zehn Minuten; der Bahnhof Zoo war gen... lesen


eva martischnig | mittel.punkt.mitte.

Zur Lage

"Wenn man im Mittelpunkt einer Party stehen will, darf man nicht hingehen." -Audrey Hepburn Die Mitte ist eine Frage der Position. Als solche steht sie relational zu einem Gegenüber, mit dem verglichen und an dem gemessen werden kann. Und damit ist schon jeder Versuch einer Verortung der Mitte relativ. Und dennoch wird die Mitte als zentraler Maßstab herangezogen, um unsere Umgebung zu erfassen. Mit der steigenden Bedeutung des indivi... lesen


claudia rief-taucher | halt mal die luft an!

Eine Schnupperstunde beim Wellness-Coach.

Warm Up Halt' mal die Luft an. Noch immer anhalten. Noch ein bisschen, bitte! So: Und jetzt wieder einatmen! Gründlich. Ist dir was aufgefallen? Sicher, du warst erleichtert. Du hast den Brustkorb gehoben, wahrscheinlich auch die Schultern, das Schlüsselbein. Du hast deine Lunge mit frischer Luft gefüllt, vielleicht auch ein bisschen geseufzt beim Ausatmen. Aber: Hat sich dein Bauchnabel gehoben, hat sich deine Bauchdecke vorge... lesen


werner schandor | 84.000 wege des verstehens

Im Schatten der Auseinandersetzung des Christentums mit dem Islam blüht in Österreich der Buddhismus vor allem in seiner tibetischen Variante

Das mediale Interesse ist auffällig. Stern, GEO und National Geographic widmeten dem Buddhismus in den vergangenen Monaten Coverstorys und ausführliche Reportagen. Vielleicht ist das ein Indiz für das Bedürfnis des Westens nach echter Spiritualität abseits des Esoterik-Selbstbedienungsmarktes; vielleicht auch nur das Bedürfnis von Journalisten, einmal eine Weltreligion ins Rampenlicht zu rücken, die nicht mit penetranten fundamentalist... lesen


stefan schmitzer | der schlussstein im verfassungsbogen

Von den Fallen der Vulgärdialektik

Wäre ja nichts Neues: „Gesellschaftliche Mitte“ ist kein irgendwie objektivierbarer Ort, an dem der ideologische oder einkommensmäßige oder lebensgefühlige Durchschnitt einer Gesellschaft säße. Freund Sozialforscher irrt hier: Sie hat eben entweder einen Mann und ein Kind und keinen Job, oder keinen Mann und zwei Kinder und ein Angestelltenverhältnis, oder sonstwas, die Österreicherin, und gehört somit einer bestimmten (wirtschaf... lesen


david staretz | surfen auf dem zauberteppich

Über die hartnäckigste Präsenz von Mitte: Die Sperrlinie und ihre Folgen

Das Wesen der Straße liegt in ihrer Mitte. Sämtliche Instinkte eines selbstbewussten (oder ängstlichen) Autofahrers drängen zur Mitte – also exakt dorthin, wo aus der Gegenrichtung ein anderer selbstbewusster Autolenker angefahren kommt. Und schon haben wir das verstrickteste Regelwerk beisammen, StVO genannt, triumphierend bereits im ersten Satz des II. Abschnitts, Fahrregeln: Der Lenker eines Fahrzeuges hat, sofern sich aus diesem... lesen




Feuilleton der Ausgabe 12 - verhalten

harald a. friedl | im anfang war das klischee

Über die (In-)Kompatibilität der Wirklichkeiten von Saharatouristen und Tuareg-Nomaden

Wahnsinn. Touristen sind alle irgendwie wahnsinnig. Aber das wissen wir schon lange. Das ist so neu wie die Weisheit, dass Marquis de Sade pervers war. Und der war, genau genommen, auch ein Tourist: pendelte zwischen seinem abgefahrenen Kastell in der Provence und den Salons in Paris hin und her und erforschte die sexuellen Reflexe der Bevölkerung. Tourismussoziologen würden sagen, der gute Mann hatte wohl einfach nur das Gemeckere seiner K... lesen


myriam keil | lebenslänglich auf bewährung

Das Verhalten und seine (Un-)Möglichkeiten

I. Definition Nach allgemeinem Verständnis bezeichnet Verhalten jede Handlung, die sich zwischen einem Organismus und seiner dinglichen, biologischen und sozialen Umwelt abspielt. Dazu zählt neben dem bloßen Reagieren auf Reize auch die Gesamtheit aller Körperbewegungen, Körperhaltungen und das Ausdrucksverhalten. Der Verhaltensbegriff endet jedoch nicht an diesem Punkt, sondern umfasst des Weiteren alle Aktivitäten, Vorgänge und k... lesen


stefan schmitzer | vom instinkt zur instinktfreiheit

Zu Spezialfällen, Rinderzucht und Spracherwerb

„Ich bin niemand, gehe nirgends hin.“ Soweit der Zen-Buddhist: Da bewegt sich dann ein Körper durchs Gespinst an Eindrücken, ein Fisch im Wasser oder Elefant im Porzellanladen und ist zunächst mal nicht gebunden an ein Ich-Ding. Bewegt sich also und generiert dabei, in den Tiefen seines Navigationsorgans, Feedback-Verschleifungen. Die heißen dann doch sein „Bewusstsein“ und bedingen Äußerung, also Sprache. In der Konzeption... lesen


katja schmid | kiasu ohne boom

Über den Zusammenhang von Verkehrserziehung und Fortschritt

Am schlimmsten sind die Innehalter. Bleiben am Ende der Rolltreppe einfach stehen. Gucken nach links und nach rechts. Überlegen. Blockieren den ganzen Verkehr. Und sind empört, wenn sie von den zwangsläufig Nachrückenden angerempelt werden. Für Innehalter sind Zeit und Raum Nebensächlichkeiten, mit denen sie nichts zu schaffen haben. Zugegeben: Nicht jeder kann immer und überall ortskundig sein. Trotzdem ist das Ende von Rolltreppen ta... lesen


sarah fötschl | das vakuum

Im öffentlichen und im privaten Raum

„To do“ or not to do. Kann ich wissen was mein Nachbar in diesem Augenblick tut oder nicht tut? Sollte ich es wissen? Die Antwort in diesem Falle lautet „nein“. In diesem Mietshaus schließt man sich nicht zusammen. Man schält nicht gemeinsam Kartoffeln und beaufsichtigt, kümmert sich um die Kinder, die sind nämlich vorhanden, zumindest das weiß man. Man bewältigt den Alltag, also das Leben, nicht gemeinsam. Man verhält sich ruh... lesen


werner schandor | feind hört mit

Was ich denke, dass du denkst, dass ich denke

Wer ist dieser Typ, der da an der Bar steht? Was macht er da? Warum schaut er so? – Es gab eine Phase, da war ich mir selbst verdächtig, wenn ich abends in meinem Stammbeisel an der Bar lehnte, und zwar so verdächtig, dass es mich nicht überraschte, dass mich die anderen Gäste notgedrungen für einen schlecht getarnten Spitzel des österreichischen Geheimdienstes hielten, da ich selbst meinen Freunden, kam mir vor, irgendwie suspekt sei... lesen


christian teissl | fiktionen eines chefredakteurs

In der heimischen Medienwüste gedeiht ein besonderes Stilblütenbiotop

Die Kleine Zeitung ist so unentbehrlich wie nur wenige andere österreichische Blätter. Sie herauszugeben und unter die Leute zu bringen, ist eine kulturelle Tat ersten Ranges, die wohl nur von selbstlosen Idealisten zuwege gebracht werden kann. Insbesondere der politische Teil dieser Zeitung gehört in unseren Breiten zur täglichen Pflichtlektüre eines jeden Intellektuellen, was auch nicht weiter verwundert, wird er doch schließlich von... lesen


ann cotten | zivilisiertes gemüse

Erscheinungsformen vegetabilen Materials als Symptome kultureller Befindlichkeiten

Wir halten uns für ziemlich gut, ja? Unser kollektives Über-Ich schreibt wöchentlich in der österreichischen Tageszeitung Die Pisse eine Selbstgratulationskolumne, unser Es (Opa) tut am Wochenende im Schrebergarten Rasen mähen, und selbst leben wir ganz selbstverständlich um die Arbeit, unseren unverdaulichen Gallenstein, herum. Vor allem halten wir selbstverständlich unser selbstverständliches Weltbild für selbstverständlich, gerad... lesen


gisela müller | verhalten optimistisch

Ein Schwanengesang

Ich möchte mal über meine Verhältnisse. Im Plural. Da gehören mindestens zwei dazu, sage ich immer. Manchmal auch gesetzlich definierte Dritte. Dann ist eines das außereheliche, das Nebenbei-, das Sekundärverhältnis. Ein Sahnehäuberl. Aber nicht das eigentliche. Oder doch? Man macht sich ja gerne solche Hoffnungen, man träumt sich in solche Sehnsüchte hinein. Auch Beziehungen genannt. Weil es anfangs in den Unterleibern dermaßen zi... lesen


klaus ebner | auf der balz

Der Kampf der Manieren gegen die Biologie

Oh Mann! Auf Schritt und Tritt den Kopf verdrehen, den Körper halb gewendet, das Hemd verschwitzt und tausend Filme spulen ab im Hirn. Keineswegs ist solches nur vorübergehend, ganz im Gegenteil, die Blickverwirrung reift zum Dauerzustand, das Abweichen vom Weg pulsiert in eng geknüpften Perioden, sodass jedwedes Fortkommen eher einem Getorkel denn einer koordinierten Bewegung gleicht: Trotz vermeintlich ehrbarer Abwehrhaltung gelingt es n... lesen


roswitha rust | im menschenzoo

Über das sprachliche Verhalten

Eloquent und präpotent, omnipräsent und renitent. Oder: beredsam, überheblich, allgegenwärtig und widerspenstig. Oder: A Oaschgeign, de gern vü redt’, oiwei dabei is und si immer quer legn muass. Es gibt viele verschiedene Arten, etwas zu sagen – oder auch nicht zu sagen. Das menschliche (Sprach-)Verhalten ist ein gar komplexes, garstiges Ding. Wie oft passiert es, dass man mit einem leicht idiotischen Gesichtsausdruck dasteht und ei... lesen


kalle laar | wer hört hier eigentlich zu?

Ein kurzer Versuch zur Instruktions-Schallplatte

In unserer durch und durch auf Visualisierung ausgerichteten Welt scheint es kaum mehr vorstellbar, dass man sich vor nicht allzu langer Zeit noch Lebenshilfe zu allen Fragen und Problemen aus dem Schallplattenladen holen konnte. Rein akustische Beratung? Zuhören? Dazu fällt einem normalerweise gerade mal die Frühgymnastik im Radio ein (ohne dass man diese allerdings selbst je gehört oder gar angewendet hätte). In unserer talk-verseuchte... lesen


benedikt narodoslawsky | die freuden des fußballspielens

Über die Gladiatoren der Moderne

Ein fehlender Meniskus, dafür ein künstliches Band, das Kniegelenk gleicht dem eines 80-Jährigen und die vielen Schrammen und Narben – sie erinnern an schöne Zeiten. So sieht er aus, der ausrangierte Fußballspieler in seinen Mittdreißigern, der seine endliche Gesundheit für ein Vierteljahrhundert voller Freude und Genuss aufs Spiel setzte – und verlor. Warum machte er das? Was bringt einen vernünftigen Menschen dazu, sich selbst s... lesen




Feuilleton der Ausgabe 11 - und jetzt?!

werner schandor | wir leben alle ewig

Über das bewusstseinsbedrohende Vergnügen, die Gegenwart in einem medienverseuchten Paradies zu verbringen

Wenn es einen Gedanken gibt, der mich mental aushebeln kann - neben dem, eine winzig kleine Entität in einem unvorstellbar riesigen Weltall zu sein - dann der, dass sich genau in diesem Augenblick auf der Welt alles gleichzeitig ereignet, was man sich an Wunderbarem, Grauenhaftem, an Uninteressantem und völlig Faszinierendem denken kann, nämlich genau jetzt! Jetzt zum Beispiel hüpft irgendwo einer von einer Brücke, irgendwo nicht weit... lesen


paulus hochgatterer | pippi langstrumpf

oder von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens

Wie anfangen?, lautet in meiner Situation zwangsläufig die Frage. Zitieren ist in der Regel eine unverfängliche Möglichkeit. - Wen? Freud macht sich erfahrungsgemäß ganz gut, auch Peter Sloterdijk oder Steven Spielberg. Weniger in Betracht kommt vielleicht Michel Foucault, denn der ist an AIDS gestorben und mit etwas, das zugleich ambivalent besetzt und tragisch ist, soll man nicht beginnen, weniger auch John Locke. Seine Gedanken über... lesen


evelyne polt-heinzl | habe nun ach ...

Ein Kommentar zur aktuellen Kulturpolitik aus dem Jahr 1790

Prolog, sehr irdisch Für Leser gilt uneingeschränkt das Prinzip des Regietheaters in seiner freiesten Interpretation. Die folgende Lektüre von Goethes Faust I und Schillers Kampf mit dem Drachen unterlegt den Texten Befindlichkeiten des beginnenden dritten Jahrtausends und liest eine Ebene der aktuellen kulturpolitischen Misere hinein. Denn wenn Kulturbudgets über Jahre hinweg eingefroren bzw. beschnitten werden, hat man nicht nur um die... lesen


bernd wieser, sandra karner und manfred hall | gentechnik reloaded!

Nach ruhigen Jahren grüßt die „grüne Gentechnik“ wieder aus den Medien

Seitdem die Kontroverse um den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVP) bzw. gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Österreich und anderen Ländern Europas in den späten 1990er-Jahren ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte, war es in den letzten Jahren ruhig geworden um die "grüne Gentechnik" - die Anwendungen der Gentechnik im Bereich von Landwirtschaft und Lebensmitteln. Ab Oktober 1998 wurden in der Europäischen Unio... lesen


bernhard wieser | gentechnik reloaded. epilog

Wie der Markt den Bürgern den Einfluss nimmt - am Beispiel Gentechnik

Pünktlich zur Zulassung der ersten gentechnisch veränderten Konserve seit sechs Jahren in der EU nimmt auch die Diskussion um die grüne Gentechnik mit altbekannten rhetorischen Strategien wieder ihren Gang. Ein kurzer Kommentar dazu sei aus aktuellem Anlass gestattet. Hans Rauscher schreibt am 13. Mai 2004 auf der Titelseite des Standard im so genannten „Einserkastl“: „Der amerikanische Agro-Business-Gigant Monsanto hat die Produktio... lesen


christine werner | tourismus kunst

Tourismustaugliche Kunst für tourismustaugliche Gäste

1. Der Laden mit angeblichen (oder gebräuchlichen) Kulturgütern dieser Gegend führt vom Salzstein bis zur Trachtenschürze praktisch alles. Mein Begleiter, K., nimmt dies und das in die Hand, probiert es an, zwingt mich, ihn zu bewundern oder zu verlachen.... und kauft nichts. Erst spielt er den Großkunden, spannt mich und die Verkäufer ein, und wenn alles aus dem Magazin herbeigeschafft worden ist, befriedigt K. seinen Kaufverweigerungs... lesen


peter wilhelmer | wirtschaftliche möglichkeiten für unsere enkelkinder

Die unerfüllten Hoffnungen der Wirtschaftspolitik

Im gegenwärtigen Augenblick erwarten die Menschen mehr als sonst eine grundlegendere Diagnose, sind sie ganz besonders bereit, sie aufzunehmen, begierig, sie auszuproben, wenn sie nur einigermaßen annehmbar sein sollte. Von dieser zeitgenössischen Stimmung abgesehen, sind aber die Gedanken der Ökonomen und Staatsphilosophen, sowohl wenn sie im Recht, als wenn sie im Unrecht sind, einflussreicher, als gemeinhin angenommen wird. Die Welt wi... lesen


michaela monschein | quo vadis lyrik?

PASSION ist das Wort, welches die Neurosen heilt in das Wort Passion. Passion ist das Wort, welches das Wort Krankheit und Verstörtheit und Lächerlichkeit und Peinlichkeit und Obsession erlöst in das Wort Passion. Passion ist das Wort, in welchem das Wort Passion wird. Christian Uetz, Das Sternbild versingt „und jetzt?“ ist eine Frage, die heute auch immer wieder an die Lyrik gestellt wird. Lange sind jene Zeiten vorbei, in de... lesen


hermann götz | what next?

Von Vergangenheitsüberwältigung im Retro-Boom und wie die Popkultur dabei draufgeht

Wollten wir den Zeitfluss daran festmachen, wie schnell sich die Welt verändert, wie oft sie neu geschaffen, erfunden, ausgerufen wird, wir müssten sagen die Zeit rast. Oder besser: Sie rotiert. Im zügigen Zeitfluss des 21. Jahrhunderts ist längst das Ziel abhanden gekommen. Zumindest wenn wir von Mode, Musik oder auch von Kunsttrends reden. Die Zukunft küsst die Vergangenheit in Form hastiger Renaissancen, Remakes und Reanimationen. Das... lesen


bernhard flieher | ferien im nebenzimmer

Immer noch führt ein Toter den Rock’n’Roll durch die Gegenwart

Die Musik, die genau jetzt unser Leben verändern soll, handelt von Jacqueline. Sie ist siebzehn. Sie trägt eine dieser schicken, rechteckigen, schmalen Brillen. Sie hat blonde Haare, die auf schlanke Schulter fallen, von denen eine so genannte Traumfigur hinunter wächst bis dorthin, wo die teuren Stöckelschuhe nur noch einen letzten Rest Bodenhaftung ermöglichen. Jacqueline arbeitet am Infoschalter einer Empfangshalle, deren kühler Char... lesen


angelika reitzer | plüsch für das auge

Über "Film als subversive Kunst" – 30 Jahre nach Erscheinen des Kultbuches von Amos Vogel

1974. Mit Chinatown und Bring me the Head of Andy Garcia kommen zwei sehr unterschiedliche Filme über die Desillusion der Gegenwart in die Kinos, die virtuos beweisen (vor allem Peckinpah), dass unsere Welt die schlechteste aller möglichen und eine von Gott verlassene ist. In dem großartigen A Women Under the Influence (die großartige Gena Rowlands feiert in diesen Tagen übrigens ihren 70. Geburtstag) wird die (persönliche) Krise so gie... lesen


hans durrer | von medien und wirklichkeiten

Selbst denken macht glücklicher

Und jetzt schalten wir live in den Vatikan, wo der Papst vermutlich zum Frieden aufrufen wird, wie er das ja schon in seiner Weihnachtsansprache getan hat, sagt die Moderatorin auf n-tv und ich denke mir, da wird mir wieder einmal in Reinkultur vorgeführt, dass das nichts als Mutmassungen sind, die mir die Medien da unter dem Titel Nachrichten zumuten. Wie wäre es, wenn man mir ganz einfach sagte, was der Papst wirklich gesagt hat? Also kei... lesen


heinz m. fischer | ... es ist o.k., alles auf dem Weg

Vor, nach, in der Krise: Zur Befindlichkeit des Journalismus. Nichts ist, wie es einmal war und nie mehr sein wird.

Wer 2004 durch Redaktionen vornehmlich deutscher Medien wandelt, begibt sich in sonderbare Sphären. So beklemmend, manche sagen: so depressiv, war es schon lange nicht. Jetzt erst werden die Konsequenzen dessen merkbar, was in den vergangenen Monaten passiert ist. Wird spürbar, was hinter der Managerfloskel vom "Redimensionieren" steckt. Wird sichtbar, was es heißt, weglassen zu müssen, was nicht unbedingt sein muss. Wird fassbar, was es... lesen


harald ditlbacher | was macht die zukunft?

Interview mit Franz Mayerhofer, Zukunftsforscher i.R.

Vor etwa einem Monat lud mich die schreibkraft ein, einen Beitrag zum Thema Was wurde aus den Zukunftsforschern? zu verfassen. Bei meinen Nachforschungen stieß ich auf Franz Mayerhofers Buch Die künftige Welt, 1973 in Salzburg erschienen, und es gelang mir, den Autor ausfindig zu machen. Ich nahm mit Dr. Mayerhofer Kontakt auf, und er war so freundlich, mich für das folgende Gespräch in seiner Wohnung in Steyr zu empfangen. Herr Dr. M... lesen


brigitte fuchs | fighting empire

Hardt, Negri, Jedi, Jerusalem (neu) und die Kokosnuss

Und jetzt, fragt sich ein Zahn allein, und schreibt dann doch keinen Brief an den Direktor der Schifffahrtslinien, um eine Passage nach Suez zu ergattern. Sein Name ist auch gar nicht Rimbaud, sondern Spinzoa, und er stellt sich diese Frage auf Lateinisch. Und er ist in Wirklichkeit nicht allein auf der Welt. Er ist Philosoph und als solcher ist ein winziges Teilchen jener "multitudo", die er selbst erfunden hat. Dieses Wort bezeichnet all... lesen




Feuilleton der Ausgabe 10 - eigen

brigitte fuchs | gottes erdhörnchen und der rest der welt

Nur wenige Hauptsprachen kennen das Wort „eigen“

Eigen/eigen kommt, von einem globalen Standpunkt aus betrachtet, eigentlich selten vor (vgl. Tabelle 1). In unserer Stichprobe, die immerhin 204 (3%) der 6.800 gezählten Hauptsprachen der Erde erfasst, gibt es das Wort „eigen“ nur zweimal oder in 0,98% aller Fälle. Und fehlt einmal „eigen“, so fehlen auch alle Wortverbindungen damit. Allerdings muss festgehalten werden, dass „eigen“, wenn es überhaupt vorhanden ist, zu eine... lesen


jürgen plank , andrea hiller | der sieg in der niederlage

Über Masochismus, Kolonialisierung und Diktatur

So sei denn mein Sklave und fühle, was es heißt, in die Hände eines Weibes gegeben zu sein. Und in demselben Augenblick gab sie mir einen Fußtritt. Leopold von Sacher-Masoch: Venus im Pelz   31. 5. 1994: Eine Autobahnraststätte in der Nähe von Graz, das Grazer Künstlerkollektiv G.R.A.M. präsentiert: Hermes Phettberg am Klo. „Die Besucherin, der Besucher, trifft hier auf Josef Hermes Phettberg Fenz, ein Ausstellungsstück... lesen


colette m. schmidt | mit der pferdekutsche ins 21. jahrhundert

Die Kinder der kanadischen mennoniten gehen eigene Wege

Die schönsten Sommer meiner Kindheit verbrachte ich in Kanada. Im Südosten von Kanada, um genau zu sein in der Provinz Ontario, unweit der großen Seenplatte, mitten drinnen im Flachland um meine Geburtsstadt Kitchener. Als ich ein Kind war, war für mich alles in Kanada größer, weiter, moderner - schlichtweg besser als in Europa! Moderner zumindest dann, wenn ich von einigen Begegnungen absah, die sich regelmäßig ereigneten - wie folge... lesen


martin ross | sparen wir uns das „sparen“

Anleger aller Länder enteignet Euch!

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Sparens. Alle Mächte des neuen Europa haben sich zu einem heiligen Hochamt zu Ehren dieses Gespenstes verbündet, die EU-Kommission und EU-Präsidentschaft, die Schröder und Schüssel, die Arbeits- und Flüchtlingsämter. Wo ist die Oppositionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als prasserisch verschrien worden wäre, wo die Partei, die den fortgeschritteneren Oppositionsleuten... lesen


thomas ernst brunnsteiner | tugendarbeitslosigkeit

oder vom Mann, der sich zu nichts mehr eignet

Jede Mühe, die über das Sorgetragen für Grundbedürfnisse - Essen, Wärme, Reinheit, Duldsamkeit - hinausgeht, nimmt mir immer öfter den Geschmack des Willkürlichen, des Unreinen und Entbehrlichen an. Zu Zeiten treiben mich materielle Sorge um, aber zu Zeiten bedarf es des Geldes gar nicht. Dann will ich nur meiner Herr werden - und dabei Knecht bleiben. „Warum“, frage ich mich, „weshalb, wozu mehr“, und ich finde in der Stille v... lesen


clemens berger | pferde, affen, lächeln

Anmerkungen zu Dressur und Tausch im Neoliberalismus

1. Das gestirnte Pferd und der manische Karren Um die zeitgenössische Kulturindustrie der Postmoderne, und um es ernster zu sagen: den zeitgenössischen Kapitalismus überhaupt besser zu verstehen, lohnt es sich, über ein Produkt jener Industrie nachzudenken, die durch uns in uns am Werke ist. Starmania, als die manisch-depressive Suche der Musikindustrie nach einem Zugpferd, das den Karren mit dem Sumpf aus dem Sumpf zu ziehen vermag... lesen


michael pand | inzucht

Vom Nutzen und Nachteil der Inzucht im österreichischen Kulturbetrieb

Inzucht ist Fortpflanzung unter nahen verwandten Lebewesen. Sie beschleunigt die Homozygotie, das Herauszüchten bestimmter Eigenschaften und hat in der Tier- und Pflanzenwelt von jeher „eine große Rolle gespielt“. Andererseits werden im real existierenden österreichischen Kulturbetrieb (ORF, Parlament, Kronen Zeitung) allgemein: im STANDARD generierender und gestikulierender Zeichensprachen auffällig oft die großen Rollen von Erben p... lesen


julius deutschbauer , gerhard spring | heineken statt heimaten

Eine ökumenische Bierandacht

JULIUS: Martin Luther sagt: ?Wer das Bierbrauen erfunden hat, der ist ein Unheil für Deutschland.? GERHARD: Nietzsche meint, der Geist der Deutschen werde durch Bier niedergehalten. JULIUS: Wie ist es eigentlich möglich, dass junge Männer wie wir, die den geistigen Zielen ihr Dasein weihen, nicht den ersten Instinkt der Geistigkeit, den Selbsterhaltungs-Instinkt des Geistes in sich fühlen - und Bier trinken? GERHARD: Wie viel Bier ist in... lesen


steinleneunerschranz | eigenschreibkraft???

eigen, ein artiges vorgeben; die gehens vor weise, um nicht ins holpern zu kommen (immer am plus der zeit)

das abgeschaffte jenseits bleibt aber agens und motor, + der rotor spältelt uns glatt spalten aus, während der denkbewegung, ins mitten raus (schmittenhöhe, schnitten aus dem tanztempel neben dran). erst das motto also, dann kommt die moral, lässt sichs auch wunderbar persilflieren; waschen und dabei alle 5 gänge probieren, ein säubern, lang + eilig, bis alle, denen das wort nicht schon in der klaviatur tastenbleibt, einen begriff davon... lesen


christian h. sötemann | die auflösung des eigenen im ontischen

Das Sein und sein Sein

Sowohl in der Wissenschaft wie auch im Alltagsleben werden Grenzen und Abgrenzungen immer wieder definiert und redefiniert. Ein wichtiger Teil dessen besteht in der Feststellung (explizit oder implizit), was davon „eigen“ ist und was nicht - d. h., was das untersuchte Phänomen in irgendeiner Weise als unterscheidbar von Anderem qualifiziert, und wo dieses nicht mehr gegeben ist, wo also Gemeinsamkeiten die Konstruktion übergeordneter Ka... lesen


robert hutter | das mit der richtigen körbchengröße

oder die Auflösung des Ontischen in den eigenen Dokumenten I

Eigene Dateien ist Ihr persönlicher Ordner. Er enthält zwei spezielle persönliche Ordner: Eigene Bilder und Eigene Musik. Sie können Ihre persönlichen Ordner allen Benutzern zur Verfügung stellen oder auch festlegen, dass die Ordner privat bleiben sollen, so dass nur Sie allein auf die in den Ordnern enthaltenen Dateien zugreifen können. […] Mithilfe von Windows-Explorer können Sie auf Ihre persönlichen Ordner sowie auf die Ordner... lesen


hannes luxbacher | mantra

Meine Dokumente Meine Dokumente ist Ihr persönliches Heft. Es enthält zwei spezialisierte persönliche Hefte, meine Abbildungen und meine Musik. Sie können Ihre persönlichen Hefte machen zugänglich für jeder, oder Sie können sie privat bilden, damit nur Sie die Akten innerhalb sie zugänglich machen können. […] Sie können Windows Forscher verwenden, um Ihre persönlichen Hefte oder die geteilten Dokumente, Musik zugänglich zu mach... lesen


werner schandor | unser kaffee

die auflösung des ontischen in den eigenen dokumenten III

Ihr persönliches Buch Ihr persönliches Buch ist meine Dokumente. Es enthält zwei spezialisierte persönliche Bücher, meine Abbildungen und meine Musik. Sie können Ihre persönlichen Bücher zugänglich bilden bis jedes, oder Sie können sie in privates bilden, damit nur Sie die zugängliche Akte zurückbringen können es. […] Sie können das Erkundigen von von Windows verwenden, um Ihre Bücher oder die geteilten Dokumente persönlich... lesen


hermann götz | schmatzen

oder die Wahrheit über die besitzanzeigenden Fürwörter

Persönliches Heft Ihr persönliches Heft ist meine Dokumente. Er enthält zwei spezialisierte persönliche Hefte, meine Illustrationen und meine Musik. Sie können Ihre persönlichen Hefte machen zugänglich jedem, oder Sie können sie in privat, damit nur Sie die Akte zurückgeben können zugänglich sie [...] Ihnen an Windows Forschungs- benutzen zu können um zugänglich Ihre persönlichen Hefte oder die geteilten Dokumente zu machen an M... lesen


andreas r. peternell | die nummer 1 vom wienerwald

oder Warum Bananen niemals FPÖ wählen

Murmansk. Nordwestliches Russland. 200 Kilometer nördlich des Polarkreises im Osten der Kola-Bucht. Dick gewandete Seeleute, Kriegswitwen und ehemalige Politbonzen stehen vor den Verkaufstheken des lokalen Einzelhandels. Mangel ist an diesem unwirtlichen Ort kein Fremdwort. Vor allem trockenes Birkenholz, Manner-Schnitten und Political Correctness sind nicht einmal am Schwarzmarkt käuflich erwerbbar. Sehr wohl jedoch erhältlich: Bananen! Und... lesen


andreas r. peternell , gudrun sommer | mein cola, dein cola

wenn die flasche zum kumpel wird

Was tun, wenn ein Getränkemulti das Rezept deines Lieblingsgetränks ändert? Einfach selbst brauen! So wie Uwe Lübbermann. schreibkraft traf den frischgebackenen Cola-Produzenten in Hamburg. Warum Afri-Cola? Uwe Lübbermann: Mein Leben war relativ bewegt: Ich war Maurer, Fliesenleger, Behindertenbetreuer, Barkeeper und bin Skateboard gefahren. Ich hatte wenig Schlaf und viel zu tun. Afri-Cola war immer dabei. Es war klein, hatte eine sch... lesen


martin erhart | der mikrokosmos auto

Das Blechbiotop als Psychotherapieersatz

Als Siegfried Marcus 1870 den ersten einfachen Wagen mit Benzinmotor entwickelte, wagte er nicht zu träumen, wie schnell sich das "Fahrzeug mit maschinellem Selbstantrieb" - wie er es nannte - in unserer Gesellschaft manifestieren sollte. Von der Vision ausgehend, die Mobilität des Menschen zu revolutionieren, ist die eigentliche Idee über sich hinausgewachsen. Marcus konnte nicht wissen, wie sehr das Auto den einzelnen Menschen, ja ganze... lesen




Feuilleton der Ausgabe 09 - brennermania

astrid poier-bernhard | wörter auf großer flamme

Wolf Haas als Sprachspieler

Wenn du heute "Brenner" hörst, in Österreich, woran denkst du dann? An den berühmten Pass, über den du von Österreich nach Italien kommst oder von Italien nach Österreich, wenn er nicht gerade blockiert ist, der Umwelt zuliebe? Oder an den Simon Brenner, den der Wolf Haas erfunden hat? Wenn du nicht gerade in Tirol wohnst, wo Transit natürlich brennende Frage, sondern vielleicht im Salzburger Land, wo der Haas herkommt, aus dem Steiner... lesen


franz schuh | "und jetzt sowas"

Überlegungen zum literarischen Rang von Wolf Haas

Man sieht es ja, dass mein Blick umherschweift, nichts fixiert, auch damit der Seher, den Sie da vor sich sehen könnten, von nichts berührt wird, was ihn, der ohnedies schon krank genug ist, zumindest kränklich, noch kränker, noch kränklicher machen kann. Erlauben Sie mir also, sehr geehrte Damen und Herren, mit einer alten Geschichte, für die ich eine Schwäche habe, zu beginnen: Es war an einem Tag, vor zwei Jahren, als ich erfuhr, da... lesen


moritz baßler | die rettung des bürgerlichen wissens in seiner unterbietung

Zum Erzähler der Brenner-Hexalogie von Wolf Haas

I Von Amerika aus betrachtet, ist Zell ein winziger Punkt. Irgendwo mitten in Europa. Aber vom Pinzgau aus gesehen, ist Zell die Hauptstadt des Pinzgaus [...]: vierzig Hotels, neun Schulen, dreißig Dreitausender, achtundfünfzig Lifte, ein See, ein Detektiv. - Auferstehung der Toten Es gibt kein voraussetzungsloses Schreiben, und wer gar ein wohlabgehangenes Genre wie den Kriminalroman zum Gefäß seiner Kunst wählt, der... lesen


martin ross | im kreis denken

Eine Lanze für Wolf Haas' Roman Ausgebremst

Es gibt einen Roman von Wolf Haas, der im Schatten der Brenner-Romane steht, und das ist schade. Es handelt sich um Ausgebremst, einen Formel-1-Krimi, der als Auftragswerk bei rororo im Juni 1998 erschienen ist. Unter dem Titel Best of Foul Play kamen drei Sport-Krimis verschiedener Autoren heraus: einer zur Tour de France, einer zur Fußball-Weltmeisterschaft - und eben Ausgebremst zur Formel 1. Damit ist auch schon einer der beiden Gründe... lesen


claus philipp | wo bleibt das kino beim brenner

Das muss man sich erst einmal vorstellen

Da gibt es so einen Film, wo der Mönch sagt, also so ein indischer, ein Buddhist, der sagt: Wenn ich gehe, dann gehe ich, und wenn ich stehe, dann stehe ich. Und so einen Eindruck hat man vom Brenner gehabt, wenn man ihn wo gehen oder stehen gesehen hat oder sitzen von mir aus. Rein äußerlich. – Wolf Haas Einen Kuss filmen, natürlich, das geht, soll Alfred Hitchcock einmal gesagt haben. Aber ein gefilmter Kuss, also ein Kuss, einfach... lesen


wolf haas | darüber reden

Wolf Haas im Gespräch über seinen Lektor Wolfram Hämmerling.

Befragt von Werner Schandor im Rahmen eines Podiumsgesprächs bei der "brennermania". Werner Schandor: Anfang dieser Woche hat Wolfram Hämmerling angerufen und gesagt, er muss leider eine Hiobsbotschaft überbringen, eine Autorin des Verlags Hoffmann & Campe hat sich verrannt und steckt in einer veritablen Schreibkrise und es bleibt ihm keine Zeit mehr mit dieser Autorin am Text zu arbeiten - außer ausgerechnet an diesem Wo... lesen




Feuilleton der Ausgabe 08 - fetzen

hermann götz | wer will schon eine null sein?

(Selbst-)kritisch streitbare Meinungen zum öffentlichen Streiten und Meinung Machen Warum ist political correctness so passé? Warum überhaupt will niemand korrekt sein? Oder gar konformistisch? Eine Klärung rhetorischer Fragen: Die Bedrohung des Individuums in Zeiten der kollektiven Individualität zeigt Folgen. Die Ich-Sucht sucht Spielflächen. Eine davon: Die Illusion der eigenen Meinung. Das Gegen-den-Strom-Schwimmen - ein Leistungssp... lesen


peter paul wiplinger | die vertreibung der kärntner slowenen

Die „Aussiedlung“ ging binnen zweier Tage von statten. Die Wiedergutmachung lässt seit 60 Jahren auf sich warten Am frühen Morgen des 14. April 1942 drangen Einheiten des Reservepolizeibataillons 171 bis zu den entlegensten Gehöften von Kärntner-slowenischen Bauernfamilien vor und erfüllten den Einsatzbefehl der Dienststelle des RKFDV (Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums), der die Deportation von ca... lesen


egon christian leitner | nebelscheinwerfer

Damit Sie wissen, wovon Sie reden, wenn Sie „Neoliberalismus“ sagen. Und warum Sie nichts Nennenswertes gegen diesen unternehmen Bourdieus et aliorum Das Elend der Welt ist bewerkstelligt worden, damit entsetzliche, entsetzte Menschen einander ohne Unterlass mitten im angeblich banalen Alltag – welcher angeblich unter einigermaßen erwachsenen Menschen durchaus zumutbar ist und aufgebrachter, enttäuschter, weinerlicher Rede angeblic... lesen


hannes luxbacher | schmachtfetzen

Love is in the Air An den Orten, wo Musik mehr als sonst eindringt, wo es zwischen Gefühlsduselei und hehrem Pathos nur ein kleiner Grat ist, der zu beschreiben und beschreiten kaum möglich ist, dort kommt eine Bezeichnung ins Spiel, die Missverständnisse produziert wie Politik: Schmachtfetzen. Das eigentümliche Wesen der Schmachtfetzen besteht darin, dass sie unabhängig von jeder ansonsten präferierten musikalischen Neigung keine... lesen


anna schober | der fetzenball

Von der Mutation neuester Mode zum Putzutensil Der Abwaschfetzen liegt am Rand des Waschbeckens: ein halbes altes Kinderunterhemd, graubraun schon, vom steten Gebrauch, immer feucht und gewohnt, Töpfe genauso auszuwischen wie die Herdoberfläche abzustauben oder die Tischplatte zu säubern. Irgendwann wird er weggeschmissen und die andere Hälfte des Kinderunterhemdes in Gebrauch genommen werden. Aber dazu kommt es nicht mehr. Mit spitzen... lesen


martin büsser | anleitung zum konformismus

Vom Rechtsruck in der Popkultur

Als mein Buch Wie klingt die Neue Mitte? im Herbst 2001 erschien, hätte das auch leicht als Etikettenschwindel ausgelegt werden können. „Rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popmusik“ lautete der Untertitel, doch die offen rechten Bands, deren Tonträger in der Regel verboten oder indiziert sind, werden darin nicht behandelt. Der Begriff „Neue Mitte“ deutet es schon an: Mich hat vielmehr interessiert, wie rechte und reaktionäre... lesen


hans fraeulin | wer war der fetzer?

Über den Kölner Räuberhauptmann des 18. Jahrhunderts Bei der Durchsicht der eingegangenen elektrischen Post, die ich noch nicht beantwortet habe, stoße ich gerade auf eine Mail, die Martin Krusche an mich und andere weitergeleitet hat: schreibkraft wünscht Beiträge zum Thema Fetzen, heute Redaktionsschluss. Es bleibt mir daher nicht viel Zeit, die Frage zu beantworten: Wer war der Fetzer? Der Fetzer hieß mit bürgerlichem N... lesen


thomas ernst | tic-tac, pip-pop

Verabschiedung eines literarischen Trends mit gerade mal zwei Gedanken I Wo sind wir denn dran? Heute kriegen wir die Popliteratur. Also, was ist die Popliteratur? Da stellen wir uns ganz dumm. Und dann sagen wir so: Die Popliteratur, das ist ein großes schwarzes Begriffsloch, das saugt alles ein, was jung ist und hipt und hopt und popt, bis alles zu einem bunten Püree geworden ist. Denn wenn das Lesen bei Ihnen mal schnell gehen... lesen


werner schandor | gegen die herrenreiter des feuilletons

Und über die Unmöglichkeit der Freundschaft zwischen Kritikern und Dichtern – Interview mit dem Grazer Kulturjournalisten Werner Krause Er gilt als „Edelfeder“ der auflagenstärksten Tageszeitung in Südösterreich. Seine Theater- und Literaturkritiken können ebenso geistreich und unterhaltsam sein wie die ironischen Sportglossen, mit denen er alle vier Jahre die Fußballweltmeisterschaften kommentiert. Werner Krause zei... lesen


victoria reinberg | wortfetzen

Resteverwertung aus dem sorgfältig vernähten Gewand des Hochdeutschen   ‚Pfiati’. Ein Fetzerl von ‚Gott behüte dich’. Zusammengeknüllt in Konsonanten und vokalisch bestückt. Ein Segenswunsch, der aus ökonomischen Gründen zerfetzt und komprimiert wurde. Da Worte je nach Länge mit mehr oder weniger Luftaufwand aus dem Mund gestoßen werden, verbraucht Atemholen in einem Gespräch oft unnötig Energie. Im Wunsch dies... lesen


karl hofbauer | fetzenschubladen

1. Preis des Trinkgeschichtenwettbewerbs der "schreibkraft" "Erzählen Sie uns von Ihrem schlimmsten Fetzen." Dieser unlängst in meiner Mailbox erschienenen Aufforderung konnte ich aufgrund einer in der Natur der Sache liegenden Unmöglichkeit leider nicht nachkommen. Ein Fetzen, an den ich mich erinnern kann und von dem ich demzufolge etwas zu erzählen weiß, so ein im Gedächtnis haften gebliebenes Räuscherl, kann nie und nimmer mein... lesen




Feuilleton der Ausgabe 07 - heftig

helwig brunner | diagnose: dolchstoßsyndrom

Bemerkungen zu Sein und Schein der Heftigkeit

Der junge Dichterfürst stieß seinen Dolch heftig bis ans Heft ins Heft. Mit theatralischer Geste veredelte er, worum es in den darin zu Papier gebrachten Liebesoden ging: dass er eigentlich lieber in freudvollem Zusammensein mit seiner Herzensdame etwas anderes anderswohin gestoßen hätte – nicht minder heftig, versteht sich, und in ähnlich vollendeter Metrik der Hebungen und Senkungen, wie auch die Verse seiner Dichtung sie aufwi... lesen


birgit pölzl | graz im gegenlicht

Ein essayistischer Monolog

Grazerin, tendenziell ironisch, einige Heftigkeitsmomente: Ich bin das, was man intellektuell nennt. Selbstverständlich nicht nur intellektuell, ich habe auch andere Qualitäten, ich bin zum Beispiel ein harmonischer Typ. Aber das ist in Graz synonym. In Graz sind alle Intellektuellen und die, die es sein wollen, ausgesprochen harmonische Typen. Deshalb fügt sich hier die Intellektualität so gut ein, deshalb gibt es ein Miteinand... lesen


hermann götz | die leiden des jungen hausmanns

Oder von der Schwierigkeit Normalität wider die Norm zu leben

Als ich pickelig, pubertär und brünftig war, galt Selbstzerstörung als fesch. Kurt Cobain war der wohl schillerndeste Vertreter eines derartigen livestyle mit Ablaufdatum. Oder Werner Schwab, der für unsereinen nicht zuletzt ob seines Todes zur Kultfigur geriet. Meine ganz private Selbstzerstörung beschränkte sich in der Regel auf das Verschleißen und Zerreißen von Kleidungsstücken. Zum Glück, wie ich meine. Wenn ich trotzdem... lesen


werner suppanz | heftiges ballfieber

Fever Pitch in rot-weiß-rot

„Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.“ Mit diesem Rückblick beginnt in Nick Hornbys autobiographischem Roman Fever Pitch die Schilderung seines „Heimdebüts“ anlässlich des englischen Meisterschaftsspiels Arsenal – Stoke City im S... lesen


heike nitschner | gedanken zur tour de france

oder Weshalb der ehemalige INXS-Sänger ein Trottel ist

Wenn ein guter Freund von mir, der gerne Radtouren fährt und gerne trinkt, nach dem Bergfest anderntags so richtig verkatert ist, die nächste Bergtour durchs Land aber ansteht, dann, so vertraute er mir einmal nach diversen Bieren und bei der zweiten Pina Colada an, sei es nur der Gedanke ans Ficken, der ihn den Berg hinaufbringe: „Vor Erregung bebende Brüste vor dir …“ Dieser interessante und, wie ich glaube, höchst maskuli... lesen


herwig g. höller | big brother hinter glas

Anmerkungen zu heftigen Wiederholungen und zu Schwarzmalereien

Die Reaktionen waren wieder einmal heftig. Wieder einmal, da es bereits zuvor unverwechselbar ähnliche Reaktionen in einer Reihe von Ländern gegeben hatte. Wobei die Wiederholung dieser konkreten Geschichte ausnahmsweise dennoch nicht als Farce durchgeht, zumal das inkriminierte Fernsehformat bislang eigentlich immer nur national rezipiert wurde. Und selbst in EU- bzw. neuerdings auch in Euro-Europa fehlt ein transnationaler Medienrau... lesen


colette m. schmidt | es wird alles zuwachsen

Eine Begegnung mit der Autorin Waris Dirie

Es kommt relativ selten vor, dass ich mich mit hunderten Frauen in einem Raum befinde. Mit hunderten von Frauen und Männern, das ist nichts Seltenes. Mit hunderten Männern saß ich zuletzt als einzige Frau in einem Fußballstadion in Sarajevo. „Man“ fühlt sich da als Frau nicht gerade pudelwohl, aber was tut man nicht alles für einen guten Kick. Vielleicht hab ich mit Massenansammlungen an sich ein Problem, aber gemischtgeschlec... lesen


stefan schmitzer | besinnungsstund hat dings im mund

Über Mythen und Medienphänomene. Oder: Was hat noch Platz neben Potter und Bin Laden?

Ein wahrhaft heftiges Jahr 2001 breitet sich vor den inneren Augen des Zurückschauenden aus, ein Jahr wie das Treatment eines überbudgetierten Achternbusch-Films; die feuchten Träume von Gott NEUZEIT, wie er in die Pubertät kommt, oder so: Erst Genua, zur Einstimmung, dann der 11.09., darauf logischerweise das sinnlose Bombardement eines armen Landes, und am Himmel eines Europa, in dem sich die Rechte recht komfortabel eingerichtet... lesen


bernhard wolf | grillen-missiles und tortenwerfer

Die zeitgenössische Kunst in den USA greift angesichts der Medien- und Politikmaschinerie des Mainstreams zu bemerkenswertem Aktionismus

Das Heftigste an den USA ist ihre pure Existenz. Als Europäer kann man sich vorzüglich über naives Schwingen der Nationalflagge in den Staaten alterieren, über die Diktatur des Fernsehens oder darüber, dass McDonalds für die Nationalspeise zuständig ist. Alles Makulatur. Kinkerlitzchen im Vergleich dazu, wie dieses Land auf der soziokulturellen Landkarte des Systems Menschheit jeden Tag aufs Neue geträumt wird. Die USA sind kein... lesen


susi schneider | uni-interventionen

Stehen die USA vor der Wiederkehr der schwarzen Listen?

Auge um Auge macht die Welt blind! Wir sollten Brücken und Beziehungen bauen und nicht nur Bomben und Mauern. Unwissen brütet Hass. Dies sind nur drei von 115 Statements, die vom American Council of Trustees and Alumni (ACTA) in seinem jüngsten Bericht Defending Civilization: How Our Universities Are Failing America and What Can Be Done About it penibelst aufgelistet und als subversiv kritisiert werden. Die gesammelten Zitate... lesen


werner schandor | die ausnahme von der regel

Der Wiener Autor Daniel Wisser verlegt mit der Zeitschrift „Der Pudel“ eine der unkonventionellsten Literaturpublikationen Österreichs

Am Anfang war ein Tintenklecks. Er sah aus wie ein Pudel. Dazu kam die Beschäftigung des 1971 geborenen Daniel Wisser mit etwas, das in vielen Lehrbüchern unter der Bezeichnung „konkrete Poesie“ oder „Experimentallyrik“ firmiert, aber das Wisser lieber „methodische Dichtung“ nennen würde. Die Synthese aus beiden Gegebenheiten mündete in der Gründung der Zeitschrift Der Pudel, deren Cover von besagtem Tintenklecks gezier... lesen


christian ide hintze | poetry is sexy

zum tod von christian loidl, *linz, 17 09 1957 – † wien, 16 12 2001

christian loidl – illuminated poet of the voices, the writings and the bodies – stürzt am 16. dezember 2001 um 23 uhr aus dem fenster seiner wohnung, fällt zwei stockwerke in die tiefe und prallt auf den gehsteig. er überlebt den unfall nicht. im bericht der polizei, die sich eine obduktion ersparen will, wird später ein selbstmord angedeutet. auch der standard, eine hiesige intellektuellenzeitung, recherchiert schlecht und schr... lesen


peter piller | der künstler sollte verrückt sein

Das ist für alle das Beste

Bei jedem größeren Neubau muss der Bauherr ein paar Prozent der Bausumme für Kunst am Bau ausgeben. Weil der Bauherr aber meist von Kunst keine Ahnung hat, wird aus Sachverständigen, etablierten Künstlern, Kunsthistorikern und den Laien eine Jury gebildet. Ein Wettbewerb wird ausgeschrieben und die Jurymitglieder aus der Kunst argumentieren für die Vorschläge ihrer Künstlerfreunde. Die Jury tagt bei Kaffee und Gebäck. Wenn sie... lesen




Feuilleton der Ausgabe 06 - echt?

brigitte fuchs | echte und unechte dinge

Eine kurze Universalgeschichte

Auf der Suche nach den echten Dingen stoßen wir vor allem auf Bier. Genauer gesagt auf alkoholisches Bier. Dank Werbefenster Österreich wissen wir, dass Bier aus lauter echten Zutaten wie beispielsweise echtem Wasser gebraut wird. Deshalb ist Bier auch ursprünglich und unverfälscht und nimmt gerne Namen wie Urtyp oder Urquell an. Der Alkohol, um dessentwillen das Bier so gern getrunken wird, erhält selten das Prädika... lesen


katja schmid | actual photos

Mitte der 80er Jahre kam es zu einem merkwürdigen kleinen Skandal in New York: die beiden Künstler Allan McCollum und Laurie Simmons hatten in einem Labor des Krebsforschungszentrums Sloan-Kettering Kunststoff-Figuren fotografieren lassen, die Modelleisenbahner zur Bevölkerung ihrer Miniaturwelten verwenden. Sie hatten sich entschieden für Figuren der Größe 'Z', die allerkleinsten Figuren also, deren Gesichter mit bloßem Auge kau... lesen


franz prettenthaler | rolex, werte, fritteröl

Wie wir beim Nachgrübeln über das Echte leicht ins Metaphysische geraten

Es muss gesagt werden, dass ich als Kind der späten 80er Jahre nie zu den Puristen unter den Freunden der Echtheit gehören kann. Im Gegensatz zu unseren unmittelbaren Vorgängergenerationen, welche bei unserer Ankunft in den studentischen Lokalen in den frühen 90ern stoppelbärtig und bierbäuchig die immer echteren Gefühle und wirklich wahren Werte immer noch zu suchen hatten. So als ahnten wir, was nach uns kommen so... lesen


helmut schönauer | schlag nach bei kronenstein

Die sprachliche Nährlösung für "echt"

Um sich einem Thema zu nähern, werden von Referenten fast immer zwei Methoden verwendet. Die analogen Referenten, meist ältere Akteure, die man daran erkennt, dass sie die Gehrersche Rechtschreibreform verweigern, beginnen damit, dass sie vorlesen, was vom zentralen Begriff oder Wort des heutigen Referates im Duden steht. Wer vor Kreisky maturiert hat, schaut auch noch etymologisch im Kluge nach. Die sogenannten digitale... lesen


julius deutschbauer | echt fraglich

Julius Deutschbauer befragt Franz Morak zu seinem ungelesen Buch

Julius Deutschbauer: Wir befinden uns in Graz, es ist der 24. April 2001, Herr Staatssekretär Franz Morak, welches Wetter haben wir heute? Franz Morak: Herr Staatsstipendiat Julius Deutschbauer, es ist sehr heiß, und ich habe meine warmen Hosen an. Welches Buch haben Sie noch nicht gelesen? Dr. Franz Wurst, Landjugend gestern und heute. Wie oft haben Sie dieses Buch noch nicht gelesen? Noch nie. Und wenn Sie es... lesen


christiane zintzen | wilkomirskis biographie: kein spiel

Authentizität als Falle der drei Buchstaben ICH

Lange bevor der Psychoanalytiker William G. Niederland mit der Studie Folgen der Verfolgung. Das Überlebenden-Syndrom Seelenmord ein Pionierwerk über die psychischen Beschädigungen (jugendlicher) Holocaust-Überlebender vorgelegt hat, war es sein 1965 publizierter Essay, welcher mittelbar zum Sturz eines Jahrhundertdenkmals führte. Niederlands psycho-biographische Studie von Heinrich Schliemanns oft fiktiven, ja phanta... lesen


gudrun sommer | stadt, land, flucht

Das Echte als Horizont

Die Aufregung um das Echte ist groß. Gerade weil, so heißt es, die zunehmende Virtualität gesellschaftlicher Praktiken das Reale unterminiert, wächst das Verlangen nach dem echten Bild. Dieser zugegebenermaßen starken These wollen wir eine andere, nicht weniger kräftige These gegenüberstellen: Das Echte hat viele Gesichter. Zunächst ein einfaches Beispiel aus der Nahrungmittelproduktion. Im Fall von Marmelade hat d... lesen


georg gartlgruber | wirklichkeit ist ein urteil

Die Worte, die Welt, die Kunst

"Weil wir immer selber entscheiden, was echt ist und was nicht, könnten wir eigentlich frei sein. Trotzdem nennen wir diejenigen, die sich frei für eine Wirklichkeit entscheiden, Geisteskranke und sperren sie hinter dicken Mauern ein." - Dostojewski in einem Brief an Scholnizin "Ööecht?" sagte diese Klassenkameradin von mir oft, wenn wir, pubertierende Teenager mit Oberstufenbildung, die wir waren, ihr unter Ausnutzung ihr... lesen


hermann götz | gefälschte gefühle - echte gefühligkeit

Längst sind trivialästhetische Töne in der Hochkultur kein

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die literarischen Fälschungen der frühen 90er: Die Gedichte, mit denen Ferdinand Schmatz und Franz Josef Czernin den Residenz-Verlag reinlegten? Oder an Luzia Glaser, die so lange vom Feuilleton als Entdeckung gefeiert wurde, bis Walter Klier und Stefanie Holzer enthüllten, dass sie dieses Pseudonym auf den Bücher-Markt geschmuggelt hatten. Zur verdeckten Ermittlung auf der literari... lesen


rosemarie poiarkov | plastikrosen duften nicht

Das Echte kontrolliert uns, wir kontrollieren das Falsche

Wir werden, ununterbrochen und immer wieder, verarscht. Wir wollen nicht verarscht werden. Man weiß, wie das mit der Wahrheit so ist. Komplizierte Sache, diese Wahrheit. Aber echt. Echt hingegen ist klar. Wenn van Gogh dieses Bild gemalt hat, ist es echt. Ist es denn echt? Warum das so wichtig ist? Kohle, Mann, Kohle. Das also ist ein echter van Gogh. Wenn ich mir das so vorstelle, wie er da in seiner winzigen Kammer gese... lesen


wolfgang kühnelt | von großgrundbesitzern und fälschern

Karin Resetarits interviewt Wolfgang Kühnelt vom Internet-Magazin

1) Die Vorgeschichte Von: wolf@xyz.at Datum: Donnerstag, 01. März 2001 13:18 An: schreibkraft@gmx.at Betrifft: ad: Schreibkraft echt? Hallo, also mir ist da was absurdes und schwer unerwartetes passiert: der ORF bringt ab Juni die Frau Resetarits back mit ihrem Absolut Resetarits und da sammeln sie schon jetzt stories und interviews. und weil im orf immer mehr leut den haubentaucher lesen (kein scherz!) sind sie... lesen


helga pankratz | modern modern

oder: Heutige Leiden - künftige Freuden

Die Medizin unserer Tage bereitet einen großen Segen materiell wertvoller und wissenschaftlich aufschlussreicher Funde für künftige archäologische Ausgrabungen vor. Die Grabstätten von heute sind die potentiellen Grabungsstätten von übermorgen. Was dort zu finden sein wird, das werden zum Teil Knochen von erstaunlich alt gewordenen Menschen sein, denen man aber auch ansehen wird, dass diese Menschen so alt geworden... lesen


alice le trionnaire-bolterauer | vom klonen und anderen erbaulichen dingen

Die Zukunft des Austauschbaren hat schon begonnen

"Fick dich ins Knie" ist etwas, das ich nie sagen würde. Aber vielleicht sagt es ja mein Klon, der anders aufwächst, nicht eingeschrumpft und eng, sondern weltstädtisch und gewandt, was ich nicht bin. Aber es ist schließlich nicht alles eine Frage der Gene, es geht auch um Beförrrrderung, um ein pushen der karrieredienlichen Sprungkraft. Ich liebe meinen Klon, er ist jünger, weniger griesgrämig und noch ohne Mag... lesen


thomas ernst brunnsteiner | Nach Ihnen, Herr Meisterdetektiv!

Der deutsche Meisterdetektiv für Russland - er bleibt ungenannt - arbeitet effizient und undercover in der Redaktion der Moskauer Deutschen Zeitung. Diese Redaktion befindet sich in der südwestlichen Innenstadtrayon, Malaja Pirogowskaja Straße Nr. 5. Der österreichische Detektivstaatsmeister für Russland und Wirkliche Hofrat, der ebenfalls ungenannt bleiben (aber doch mit Bild und kurzem Lebenslauf porträtiert werden) möcht... lesen




Feuilleton der Ausgabe 05 - warten, bitte

eva t. | wer wartet mit?

taxi orange oder Ich warte/Ich warte mich/Ich warte dich. Ein Nachtrag zur jüngst beendeten „Daily Soap”

Ich warte [intransitiv] Seit Monaten wartet ein Gutteil der Österreicher auf taxi orange. Das heißt: In Wahrheit wartet man aufs Warten. Der vom nationalen Fernsehen gestiftete Mikrokosmos „Kutscherhof“ nämlich ist ein Modell der stillstehenden Zeit, die zwar ein Ablaufdatum hat, aber kein Tempo: Nichts bewegt sich, wenn die Bewohner Tag für Tag wahlweise Nudeln kochen, sich Zigaretten anstecken, einander Fußbälle zuwerfen... lesen


manfred prisching | schneller

Ein Abriss über die kulturellen Charakteristika jener Epoche, in der wir leben

Unser Thema ist v = Delta s/Delta t beziehungsweise a = Delta v/Delta t. Schließlich leben wir in einer verwissenschaftlichten Welt, in der wir mit derlei abstrakten Hinweisen umgehen können müssen. Und die Formeln haben den Vorteil der Kürze; wir leben in einer Welt, in der die Zeit knapp ist, also ist es zweckmäßig, sich auf diese knappe Weise zu verständigen. Es könnte sein, dass irgendjemand nicht weiß, worum es sich handel... lesen


ilona kästner | heldenandacht

Eine doppelte Grabrede

Einige wären ein Phönix gewesen, wären andere nicht zuvorgekommen. Großer Vorteil: erster zu sein, und wenn mit Vortrefflichkeit, doppelt. Bei Gleichheit gewinnt, wer als erster gewinnt. - Balthasar Gracian, Der Held In unserem Wertesystem gibt es eine Kategorie, die ist unschlagbar: der oder die Erste. Als Ordinalzahl markiert sie zunächst nur einen neutralen Ort im Rahmen einer abzählbaren und geordneten Reihe. Seltsamerwei... lesen


harald ditlbacher | bond oder colombo

James Bond: Moonraker (1979). Columbo: Murder Under Glass (1978). Zwei Filme, zwei Möglichkeiten

James Bond ist bekanntlich ein vielbeschäftigter Mann. Bevor er seinen neuen Auftrag erhält, ist er in einem Flugzeug der British Airways gerade mit dem linken Oberschenkel einer Stewardess beschäftigt. Bald schon fliegt er aus dem Flugzeug raus, – ohne Fallschirm; diesen muss er erst im freien Flug dem Piloten abknöpfen. Der Pilot wird dieses Abenteuer nicht überleben, aber das geschieht ihm nur recht, schließlich hat er mit de... lesen


rudolf götz | eilige wirklichkeitskonzeptionen

Wie vorverurteilte Realität durch journalistisches Schnellfeuer exekutiert wird

Selbst wer den Anbietern neuer Kommunikationstechnologien noch nicht ins Netz gegangen ist, muss sich damit abfinden, an einer humanoiden Entwicklungsstufe zu partizipieren, in der die vielzitierte Medien-Gesellschaft längst zu einer mediatisierten – den Medien unterworfenen – Gesellschaft mutiert ist. Ereignisse erhalten soziales oder/und politisches Gewicht ausschließlich vermittels medialer Präsenz – nicht dadurch, dass sie... lesen


helwig brunner | schöner streiten

Die knallharte Diagnose postmoderner Bewusstseinsspaltung öffnet den Blick für die Ästhetik zwischenmenschlicher Warten – oder etwa nicht?

Wenn sich nicht von Anfang an eine andere Logik oder ein anderer Raum abzeichnen, dann wiederholt und bestätigt der Umsturz mit negativen Vorzeichen das, was er bekämpft hat. - Jacques Derrida 1 Ein Scharmützel Wenn du und ich problematisch aneinandergeraten, und erfahrungsgemäß betreffen nicht wenige Probleme in erster oder letzter Konsequenz ein Du und ein Ich, dann gebieten uns oft schon die gute Kinderstube beziehungsweise... lesen


bernhard wolf | antimaterie und protomasse

Wolfs kleine Privatmythologie im Überblick

Ich warte schon seit Jahren auf die Einführung von Antimaterie und Protomasse. Seit ich die Menschheit kenne, erscheint mir das Procedere vor allem eines des Schleppens, Tragens und Bewegens zu sein, also ein Kampf gegen Kubikmeter, Wegstrecken und die Gravitation. Bin schon öfter gesiedelt – ein Graus. Wie schön wäre all das mit Protomasse. Sämtliche Gegenstände bestehen nur aus spezifischem Gewicht mit einem Formgenerator und... lesen


gudrun sommer | das warten soll mich nicht verdrießen*

Über das Recht zu Dauern und die Kunst, es auszuhalten

Wie über das Warten sprechen? Nicht Phänomen, nicht Tatsache, benennt das Warten kaum mehr als einen Phantomschmerz in den Löchern des Alltags. Wie aber über etwas sprechen, dessen Substanz in der Leere und dessen Wert allein an deren Rändern zu verorten wäre? Was ist das für eine Bewegung, die nur in der Zeit zu denken ist und trotzdem keiner Geschwindigkeit bedarf? Es kann kein Zufall sein, dass ausgerechnet jene Religion, die... lesen


georg gartlgruber | wartehallen des lebens

Die Erde dreht sich von selbst, die Wolken ziehen allein, am Monatsersten kommt der Gehaltsscheck. Wieviele Menschen verlassen sich auf das Uhrwerk?

Schutzhaus Döbling Versteckt in einer dichten Siedlung aus geduckten Kleinhäusern, auf extremer Hanglage abwärts wartend, nur zu erreichen über eine enge Asphaltstrasse, mit einem wunderbaren Blick auf die Neuwaldegger Weinberge, befindet sich das Schutzhaus Döbling1. Ferdinand Jedlasek trifft sich hier seit Jahrzehnten mit Freunden. Dann reden sie, und sie trinken und sie beobachten die anderen Gäste. Im Sommer sitzen sie auf g... lesen


hermann götz | vergessen oder verdauen

Was kommt nach einer neuen Regierung. Und: Welche Warten taugen als Standpunkt. Von Österreichs Büchern und Österreichbüchern

„Ganz Österreich steht unter Beobachtung. Man sieht uns wieder. Wir sind wieder wer. Endlich.“ Die Gunst hat eine Stunde lang vorbeigeschaut. Bei uns in Hinterwelt. Und Armin Thurnher freut sich. Er weiß zu nutzen, was viele andere als Angriff auf ihr politisches Wohlbefinden oder ihren Patriotismus empfinden – die Regierungsbeteiligung der FPÖ, die Sanktionen und Demonstrationen. Er vernadert Österreich, wo er kann (sagt er... lesen


hannes luxbacher | der beichtvater der ungelesenen bücher

Ein Interview mit Julius Deutschbauer

Julius Deutschbauer ist bildender Künstler und Begründer der Bibliothek ungelesener Bücher. Als Bibliothekar der Bibliothek, die, soferne sie nicht auf Ausstellungen weilt, im Wiener Museumsquartier untergebracht ist, interviewt Julius Deutschbauer Leserinnen und Leser zu einem von ihnen ungelesenen Buch. Sowohl die Gesprächsaufzeichnungen als auch die ungelesenen Bücher sind in der Bibliothek zugänglich. Regelmäßig findet in ih... lesen


werner schandor | literaten im abwind

Eine junge österreichische Schriftstellergeneration versucht, mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen Erfolge einzufahren

Keinem Elektroniker würde es einfallen, sich damit zu brüsten, dass er eine bestimmte Fachrichtung – sagen wir die Schaltungstechnik – nicht versteht. Es würde ihm auch nicht einfallen, sich den Mund über Schaltungstechnik fusslig zu reden, wenn er sie nicht versteht. Und noch weniger würde es ihm einfallen, die Schaltungstechnik in Bausch und Bogen zu verdammen, nur weil er sich nicht damit befasst. Anders in der Literatur: Da... lesen


christoph d. weiermair | unerwartetes warten erwartet

Dem Warten auf der Spur

Als Neo-Grazer komme ich am Jakominiplatz nicht vorbei. Schon gar nicht, weil ich nur unweit beherbergt bin. Alle Straßenbahnlinien laufen hier zusammen und verzweigen sich zu einem Knoten öffentlichen Verkehrs. Morgens macht mich das permanente Kommen und Gehen von Mensch und Maschine, dieses Ein-, Um- und Aussteigen, dieses ruckelnde Einrollen und unmissverständliche Abfahren, immer ein Stück munterer. Doch diese off... lesen




Feuilleton der Ausgabe 04 - widerlich

herwig g. höller | a und f ff.

Österreich erst recht zuerst. Oder: Ohne Kraus geht nichts (mehr)

In den Wochen seit dem vierten Februar 2000 plagt wohl so manche Frau und so manchen Herrn Österreicher der Eindruck, dass sich momentan viel zu viel bis fast alles in A um F dreht, allzu oft selbst ausserhalb von A um A, wobei in vielen Fällen dieses A mit F gleichzusetzen wäre, womit wir wieder bei A und F wären. Gewissermaßen „Österreich zuerst“ zuerst in F, dann in A ... „und morgen die ganze Welt“. Orbi et ergo Erg... lesen


hannes luxbacher | mundverhalten

Über den ökonomischen Impetus des symbolischen Handelns und die Ineffizienz von Schenkelklopfen als Ausdruck politischer Handlung

Weder ist es neu geschweige denn besonders einfallsreich, festzustellen, dass Sprache unsere Welt mitkonstituiert. Mindestens in Österreich verhält man sich im Augenblick des Aussprechens dieses Gedankens sofort zu einer Bezugsgröße namens Wittgenstein und dennoch: Gestatten Sie mir bitte das folgende Nachdenken als ein dilettantisches aber gegenwärtig notwendiges. Damals, als ich noch Kind war, ekelte mir eines Tages vor dem übe... lesen


| auf der straße

Für die meisten war der 19. Februar 2000 ein ganz normaler Tag. Zwischen 60.000 und 300.000 Leute hatten aber etwas Gemeinsames vor. Ein hybrid-satirischer Rückblick

Zunächst scheint unser Ausflug unter keinem guten Stern zu stehen: Unser Anarchisten-Auto - Farbe rot, was sonst! - gibt am Wechsel seinen Geist auf. Wir fahren also bei Grimmenstein von der A2 ab und erfahren an einer Tankstelle, dass unsere Fahrt hier wohl zu Ende ist. Klein sind die Leute von der Tankstelle ja nicht, übertrieben fleißig eigentlich auch nicht - immerhin ist Samstag Schlag Mittag, das kann man verstehen - und ob sie... lesen


wolfgang gulis | von kriegen und duellen

Ganze Heerscharen von Journalisten haben sich schon daran versucht, ihn zu entlarven, ihm zu widerstehen, ihm Einhalt zu gebieten

Manche posaunten es öffentlich hinaus, „wie sie es ihm geben werden“. Das Ergebnis war meist das gleiche; wenn nicht die öffentliche Blamage, so doch das Scheitern des Vorhabens. In den folgenden etwas mehr als 9.000 Zeichen soll es um die immer wiederkehrenden frucht- wie erfolglosen öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen JournalistInnen und Jörg Haider gehen. Haider als Medienprodukt - und nur das soll hier von Interesse... lesen


ute baumhackl | auf der flucht

Stellen Sie sich vor, es ist Krieg, und Sie laufen weg

Nicht freiwillig natürlich. Sie wären schon ganz gern geblieben, aber da sind plötzlich Soldaten bei der Tür hereingekommen und haben Sie angeherrscht, Sie sollen in drei Teufels Namen verschwinden, und zwar flott, fünf Minuten hätten Sie Zeit, um Ihren ganzen Dreck zusammenzupacken, dann würde geschossen. Oder Sie haben Nacht für Nacht die Raketen krachen gehört, näher und näher, bis eines Nachts die Fensterscheiben zerspru... lesen


peter iwaniewicz | big game

Ein Halali auf die Hohe Jagd

Ich war in meinem Leben schon Primzahlenjäger, bin Tornados nachgejagt, lag nächtelang neben Teilchenbeschleunigern auf der Lauer, um Hadronen und Quarks zu entdecken, habe in den Kompetenzen meiner Kollegen gewildert und so manches Bierchen zur Strecke gebracht. Aber. Niemals habe ich wie ein Heckenschütze aus sicherer Distanz auf Tiere geschossen. Nicht deswegen, weil ich Buddhist wäre, mich nur vegetarisch ernähre und aus moral... lesen


werner schandor | arm, matt, schlecht

Wer das AMS aufsucht, macht Erfahrungen. Leider miserable

Das Arbeitslosenamt fällt dem Arbeitslosen vor allem dadurch auf, dass es jene Tugenden, die am Arbeitsmarkt gepredigt werden, nicht im geringsten selbst erfüllt. Von Flexibilität, Einsatzfreude oder Serviceorientierung keine Spur. Vielmehr wirkt das steirische AMS wie die Papier- und Tintenburg par excellence. Es begann im Feber 1998. Ich wollte mich beruflich verändern, dachte daran, mich selbstständig zu machen. Vielleicht wa... lesen


wolfgang kühnelt | geht's sterben

Erste Einblicke in eine Kultur des Widerlichen

Von den wirklich grauslichen Dreckschweinen gibt es viele - mehr als sich das so ein durchschnittlicher schreibkraft-Leser wahrscheinlich vorstellen kann und mag. Die auf diesem Gebiete aktiven Texter und Autorinnen - oder wie immer man diese Arschlöcher auch nennen mag - gehören verschiedensten Denk- und Aktionsschulen des widerlichen Universums an. Folgender Scheißtext soll den Ahnungslosen - und dazu gehören bestimmt die allermei... lesen


alice le trionnaire-bolterauer | im blumengarten des bösen

Die Geschichte des Widerlichen in der Literatur

1. Als er am folgenden Tag spazierenging, begegnete er einem über und über mit Eiterbeulen bedeckten Bettler mit erloschenen Augen, zerfressener Nase, schiefstehendem Munde und schwarzen Zahnstümpfen, der jedes Wort heiser hervorgurgeln musste; fürchterliche Hustenanfälle quälten ihn, wobei er jedesmal einen Zahn ausspie. Der Bettler, dem Voltaires Candide, Medium einer gleichermaßen naiven wie destruktiven Welterfahrung, b... lesen


georg gartlgruber | widerlich - eine reminiszenz

Der Grusel beim Horrorfilm kann als kathartische Erfahrung erlebt werden, der Tritt in den Hundehaufen nicht.

Siebente Klasse AHS am Sommerbeginn, da zog ich ein Heftpflaster von einem meiner Finger und klebte es mir auf die Rückenlehne meines Sessels. Es war wohl ein Ausdruck des jedem Teenager bekannten, unzensierten und unbewussten Strebens nach Individualisierung und kreativer Gestaltung, obwohl damals hätte ich nach meinen Beweggründen gefragt, wohl bloß mit den Achseln gezuckt. Ein Klassenkollege fragte nicht, sondern fing bloß zu sc... lesen


wolfgang fössl | schiffbrüche im heimathafen

Zwei Versuche, das Widerliche zu beschreiben

Erster Versuch Das Widerliche tritt immer spontan auf. In ganz gewissen Momenten affiziert es unser Innerstes. Alle Versuche, menschliche Reaktionsmuster auf Erfahrungen des Widerlichen zu beschreiben, müssen Widerstände konstatieren; Widerstände, die uns die Außenwelt entgegenstellt und Widerstände, die in uns selbst wirksam werden. Widerlich bedeutet daher, dass uns ein innerer oder äußerer Widerstand hinderlich wird, und wir... lesen


jürgen plank | mr. cannibale - leben ist so schön

Kannibalismus ist der wohl bekannteste ethnologische Topos. Doch die Menschenfresserei war nur in Ausnahmefällen mehr als ein Gerücht

Kurios am Topos Kannibalismus ist, dass auch immer wieder Europäer in den Verdacht der Anthropophagie gerieten: In Ethnologenkreisen wird gerne die Geschichte jener Milchkonserven erzählt, die - weil für Kleinkinder gedacht - das Konterfei eines weißen Babys trugen und in dieser Aufmachung nach Afrika verschifft wurden. Und was liegt für einen autochthonen Afrikaner, der Konserven zuvor nicht gekannt hat, näher, als von der Verpac... lesen


hermann götz | krankheit als kriegspfad

Es gibt viele Wege des Widerstandes. Einer davon ist krank sein

Im Sprachgebrauch der Alternativmedizin hat das Begriffsfeld rund um die psychosomatische Krankheitsbetrachtung längst Stehsatzqualität. Des Menschen sichtbar oberflächliche Befindlichkeit ist demnach nichts als ein Spiegel des fragilen inneren Gleichgewichts, die Wunden der Seele schlagen Narben ins Gesicht, die Person wird gleichsam als eine Maske gedacht, die nur dürftig die psychische Wahrheit bedeckt. Verschluckter Zorn tritt u... lesen


lea steinborn | syndrom: pollex erectus

Ich werde belästigt - sexuell, von Männern mittleren bis fortgeschrittenen Alters

Sie kennen diese Typen: propere Anzüge, steif gebügelte Hemdkrägen, Krawatten, die je nach Anlass fest gezurrt bis locker-leger getragen werden, gerötete, leicht verschwitzte Nackenfalte. Tagsüber fläzen sie in großzügig angelegten Büros herum, sourcen out und sizen down, spezialisieren uns flexibel oder betreiben Standortsicherung durch Herumschnipseln an der sozialen Hängematte. So nebenbei müssen sie sich in der new econom... lesen


anton lederer | kein geist

Der Sturm im Wasserglas der Graxer GaleristInnen

Es gibt so viele interessante und nette Menschen, mit denen man sich wunderbar unterhalten kann, in zukünftigen wie vergangenen Dingen schwelgen kann, die euphorisch sein können - das ist überhaupt das wichtigste. Wie schön, ich muss mich darob nicht mit diesen .......... abgeben. Wahrscheinlich hätte ich darüber keinen Gedanken mehr verloren, wenn ich nicht ermuntert worden wäre, für dieses Heft etwas zu schreiben*. Der Tit... lesen


thomas ernst brunnsteiner | nicht absetzen!

Die literarische Reiseapotheke

Ob ich kenne einen gewissen Herrn „Ramschmayer“, „oder anders“. Mein lieber guter Freund ahmte die Worte seiner eigenen Mutter nach, die aus dem Telefon herausdiktierte, ich entschuldigte mich, sie wollte mich sicherlich „wo hintun können“, der gute Freund war unser Medium. Über, hinter mir an der alten Wand der Brauerei, die ein Lyzeum war einmal, für schwedischsprachige Mädchen in Åbo, die es nicht mehr gibt, weil es... lesen


gottfried heuer | otto gross: die suche nach dem dritten mann

Oder: Was suchst Du Ruhe, da Du zur Unruhe geboren bist?

Obwohl der österreichische Arzt, Psychiater, Psychoanalytiker und Anarchist Otto Gross (1877 bis 1920) eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dessen gespielt hat, was wir heute als „die Moderne“ bezeichnen, ist er bis jetzt weitgehend unbekannt geblieben. Es gab aber eine Zeit, und zwar in den ersten Jahrzehnten des gerade vergangenen Jahrhunderts, in der die berühmtesten Vertreter der damals noch ganz jungen Psychoanalyse diesen... lesen


werner schandor | selbstbilder kommen mir immer wahnhaft vor

Gespräch über die widerliche Wirklichkeit mit dem davon angeekelten Schriftsteller Günter Eichberger

„Je mehr ich über mich nachdenke, desto rätselhafter werde ich mir.“ Günter Eichberger, von dem dieser Satz stammt, muss sich vor fünfzehn Jahren noch einigermaßen klar über sich gewesen sein. Seit seinem ersten Buch Der Wolkenpfleger (1988) dürfte es aber bergab gegangen sein mit jeglicher Art der Selbsterkenntnis. Denn das Ich als Thema sowie das Porträt, die Biographie als dazugehöriges Genre ziehen sich als roter Faden... lesen




Feuilleton der Ausgabe 02/03 - wiederkehr

hermann götz | jenseits vom anderswo: propheten, poeten, schreihälse

Ein Essay ist erschienen: vom Verlust der Metaphysik und dem Aufbruch in den virtuellen Raum. Hinter den hochtönenden Sätzen des Autors schwimmt uns ein breiter Strom Gegenwartsliteratur entgegen: von der Wiederkehr der Metaphysik und dem Ausbruch wütender Polemik wider den Cyberspace Es erheben sich Meister des gedruckten Wortes und stimmen ein zorniges Lied an gegen das Wuchern der Wörter im großen Netz. Dichter und Phi... lesen


hannes luxbacher | wer hat an der uhr gedreht?

Gedanken zu Wiederkehr/Wiederholung

Wiederkehr lässt sich die verschiedensten Namen geben, um unter den buntesten Legitimationen auftreten zu können. Jahreszeit zum Beispiel, oder Pastiche. Reden wir gar nicht erst von Postmoderne, schweigen wir von der ORF-Programmierung. Einsichtig ist, dass Wiederkehr mehrere Wesenszüge aufweist und je nach Quantität und zeitlichem Regelmaß einerseits kontinuierliche Wiederholung - etwa das Erde-um-die-Sonne-Spie... lesen


werner schandor | die verehrung des immer selben

Über die Transzendenz im Sport und anderswo

Von einem Grazer Geschäftsmann ist die Anekdote überliefert, er sei während einer Opernvorstellung eingeschlafen. Als der Schlussapplaus einsetzte und seine Frau ihn rüttelte, um ihn zu wecken, sei er von seinem Sitz aufgesprungen und hätte sich, zur Erheiterung der anderen Zuhörer und zur Schmach seiner Frau, mitten im Parkett schlaftrunken bekreuzigt. Mir geht es beim Besuch von Lesungen ähnlich. Ich sehe sie... lesen


jürgen plank | wiedergänger, vampire und bela lugosi

Geköpft, verbrannt und doch nicht umzubringen: Wiedergänger als Kehrseite des ewigen Lebens.

1997 war das Jahr der Vampire: 100 Jahre zuvor hat Bram Stoker seinen Roman Dracula veröffentlicht, zum 125. Mal jährt sich das Erscheinen der Vampirgeschichte Carmilla des irischen Autors Joseph Sheridan LeFanu, die ein wichtiger Einfluss für Stoker war. Auch feiert in diesem Jahr der berühmte Dracula-Darsteller Christopher Lee seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Und ein ewig lebender Stoker wäre 150 Jahre alt gew... lesen


gudrun sommer | dekadenz und wiederholung

Über Remakes und das Leben in der Endloss

Remake ist ein schöner Begriff, ist ein dankbarer Begriff. Remake ist ein Begriff, der zu uns passt und den wir verdienen. Ist Remake überall? Am Anfang war Remake in den Fabriken und den Arbeitern, die sie verließen, als die Gebrüder Lumière sie dabei filmten, und das gleich mehrmals. Das Prinzip der Wiederholung war für den Film entdeckt, und Generationen von Cineasten und Fernsehjunkies sollten das noch zu sp... lesen


brigitte fuchs | paradise lost/regained

oder: Der Messias 1-7

Messias 1: Das himmlische Jerusalem Unter den bekanntesten Messiachim oder Erlösern der Weltgeschichte befindet sich Jesus, der Nazarener, auch: „Christus“. Jesus gilt als der Gegenspieler von Satan oder Leviathan; er ist der Stifter der christlichen Religion/en sowie einer Zeitrechnung, die gegenwärtig in der elektronischen Datenverarbeitung zu großen Komplikationen führt. Jesus wird manchmal als eine Reinkarn... lesen


colette m. schmidt | 60 jahre später

Über den Grundfesten der einstigen Grazer Synagoge entsteht eine neue. Im November 2000 soll sie eröffnet werden

„Am 13. Februar 1938, es war ein Samstag Abend, da kam ich aus dem Tempel heim und während des Nachtmahls öffnete meine Frau das Radio und da hörten wir, Schuschnigg sei in Berchtesgaden und werde morgen früh in Wien rückerwartet. Als ich das hörte, erhielt ich einen Schock und sagte:`finis Austriae´.“ Der Herr, der das Ende, das ziemlich genau einen Monat später eintraf, vorausahnte, war David Herzog, der... lesen


werner schandor | schöne alte welt der bücher

Stellvertretend für jene, die sich schon immer gefragt haben, was es in Antiquariaten eigentlich zu kaufen gibt, begab sich schreibkraft auf einen Streifzug in eine Welt von erlesenen Vermögenswerten

Am Anfang stand ein Missverständnis. Auf der Suche nach Hans Blumenbergs philosophischem Hit aus den 80ern, "Die Lesbarkeit der Welt", erntete ich in mehreren Grazer Antiquariaten nur ein bedauerndes Kopfschütteln. Ich ließ mich sogar in eine Kartei aufnehmen. Nach wenigen Wochen erreichte mich eine Karte: Das Buch sei nicht aufgetaucht. Wozu sind diese Antiquariate gut, fragte ich mich, wenn sie nicht einmal einem bibliomani... lesen


andreas r. peternell | wiederaufbau

Lettlands Wirtschaftssituation vor dem EU-Beitritt: Daten, Fakten, Geheimnisse

Um die Errungenschaften der Kollektivierung zu glorifizieren, die Moral zu stärken und gleichzeitig über den Mangel an funktionierenden Farbfernsehgeräten hinwegzutäuschen, erzählte man sich an den Lagerfeuern Lettlands einst folgende Geschichte: Als die Judäer vom Perserkönig Kyrus die Erlaubnis erhielten, nach Jerusalem zurückzukehren, dachten alle nur daran, ihr eigenes Heim aufzubauen und vernachlässigten dab... lesen


werner schandor | reprise: die verehrung des immer selben

„es is oiwei 1/2 8i“ - Attwenger

Wenn man darüber nachdenkt, was sich alles wiederholt, könnte einem ganz schwindlig werden. Ich habe versucht, eine Liste mit Dingen aufzustellen, die immer wiederkehren. Ich kam auf zwei Seiten, engst beschrieben. Dann merkte ich, dass ich natürliche Phänomene noch gar nicht berücksichtigt hatte: Die Tage, die Jahreszeiten, die Tage, das allgemeine Werden und Vergehen im sogenannten Kreislauf der Natur. Fürchterlic... lesen


andreas r. peternell | pansen, unlimited

Wiederverwertetes aus der sinnfreiesten Rubrik aller Zeiten

„Was sagst Du denn dazu?“ „Was soll ich schon sagen. Er hat ja nichts gesagt.“ So wunderschön klingen Dialoge nur mehr im Fernsehen. Im konkreten Beispiel (es stammt übrigens aus einer Folge des Alten) gut zu erkennen: klassische Errungenschaften des Strukturalismus. Die unbarmherzige Entmystifizierung der Sprache, die Konstruiertheit menschlicher Wahrnehmung und die Komplexität der Aussage. Das vage subjekt... lesen


sven drühl | androgynität in der gegenwartskunst

Wiederkehr eines antiken Ideals

1. Eine Einleitung Verfolgt man die unterschiedlichen Moden in Popkultur und bildender Kunst, so trifft man in letzter Zeit vielerorts verstärkt auf ein Thema, das teils direkt und teils wie nebenbei verhandelt wird: Androgynität. Unzählige Ausstellungen präsentieren Positionen der Gegenwartskunst, die sich auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Thema auseinandersetzen, weshalb hier der Versuch einer systematischen V... lesen


ralf b. korte | anyway the wind blows

anmerkungen zum lüften von räumen und anderen thermischen fragen

1. von den rückspiegeln an den sturzhelmen der kulturtouristen beim abtreten auf der baustelle „avantgarde ist ein historisches wort. es riecht nach geschichte.“ (holger kube ventura 99) ob his oder her story, time is gonna say good bye in den auffangkurven vorm milleniumsrand: im rausch der abschiede, der vom rauschen der neuauflagen belagert wird, türmen sich die links zu den abgehakten dekaden. zwischen den... lesen


werner schandor | der underdog

schreibkraft besuchte den Schriftsteller Gabriel Loidolt in seinem Wohnungsquartier in Graz St. Peter, um mit ihm bei einem Haus-Espresso über Ignoranz, Bestseller und Vorstellungen von guter Literatur zu sprechen

Der Blätterwald des berühmten deutschen Feuilletons raschelte anerkennend mit den Zweigen, als Gabriel Loidolts Roman Hurensohn im Frühjahr 1998 im Alexander Fest Verlag in Berlin erschien. Die Geschichte des 20jährigen Sonderschülers Ozren, der glaubt, seine Mutter, eine Prostituierte, umgebracht zu haben, erhielt von der Kritik durchwegs gute Noten ausgestellt (siehe auch Heimo Mürzls Besprechung in schreibkraft... lesen


| man muss alles wissen. man weiss gar nichts. darum weiss man mehr

Zum essayistischen Werk Raoul Hausmanns

„Ich verkünde die dadaistische Welt! Ich verlache Wissenschaft und Kultur, diese elenden Sicherungen einer zum Tode verurteilten Gesellschaft.“ So beginnt Raoul Hausmann im Jahr 1919 sein Pamphlet gegen die Weimarische Lebensauffassung. Der offenbarungsreligiöse Charakter des Dadaismus und dessen prophetische Verkündung in den wenigen Jahren ab 1916 in Zürich, Paris und v. a. Berlin treffen das Lebensgefühl des i... lesen




Feuilleton der Ausgabe 01 - weltenende

hermann götz | mein weltuntergang gehört nur mir

Fürchte dich nicht, vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. - Offb. 2,10 nach Luther In einer verzweifelten Schrift hat ein religiöser Eiferer des 1. Jahrhunderts die Christen mit Versen wie diesen aufgerufen, dem großen Tier zu trotzen. Himmlische He... lesen


brigitte fuchs | der kosmische kampf gegen lange weile

Schafft eins, zwei, viele Weltuntergänge

Am Anfang war universelle L/langeW/weile: „Die Mutter hatte keine Gestalt, sie war nichts. Sie war ‚Alúna' (Seele, Wunsch).“ (1) Da schuf sie die erste Welt oder „Sonne“, die unter dem Namen „4-Wasser“ bekannt ist. Da es ihr aber an Erfahrung mit dem Erschaffen von Welten mangelte, fehlte es der ersten aller Welten an Tages- und Jahreszeiten, an interessanten Landschaften und Wesen sowie an schmackhaften Spe... lesen


richard stradner | in girum imus nocte et consumimur igni1

Zwanzig Jahre nach dem letzten Konzert der Sex Pistols

When I´m lyin´ in my bed at night I don´t wanna grow up Nothin´ever seems to turn out right I don´t wanna grow up How do you move in a world of fog That´s always changing things Makes me wish that I could be a dog When I see the price that you pay I don´t wanna grow up I don´t ever wanna be that way I don´t wanna grow up. Seems like folks turn into things That they´d never want... lesen


werner schandor | der wassermann vom teufelstein

Sepp Rothwangl zählt die Tage bis zum Jüngsten Tag - und liefert Erklärungen zum Zusammenhang zwischen Astronomie, Mythen, alten Sternbildern und Religion

Mit ganzer Kraft verschreibt sich der aus dem Mürztal stammende Forstwirt und Archäoastronom Sepp Rothwangl der bevorstehenden Jahrtausendwende. Wir trafen den unkonventionellen Denker am Tag 529 vor 2000, um mit ihm über den Teufelstein in den Fischbacher Alpen, alte Sternbilder und ihren Einfluß auf Zeitrechnung, Mythologie und Religion zu sprechen - Themen, die der Autodidakt in seinem kürzlich erschienen Buch Ster... lesen


herwig g. höller | fern von atlantis

Fins de siècle und andere Enden im „aktuellen“ Rußland

Ein weiteres Fin de siècle bzw. dieses Mal sogar das Ende des zweiten Milleniums „unserer Ära“ - wie es in vergangenen sowjetischen Zeiten hieß - steht unmittelbar bevor, der Countdown läuft: 511 Tage, 510 Tage, 509 Tage. Ungeachtet der Willkürlichkeit unserer Zeitrechnung und der damit verbundenen Bedingtheit derartiger Jubiläen wird dem Übergang ins nächste Jahrtausend bisweilen eine sehr große, teilweise si... lesen


jürgen plank | die menschmaschine

Von Graz kommend fährt man zunächst bis Feldbach und dann weiter hinein ins oststeirische Hügelland. Man erreicht Edelsbach, und ab hier wird die Straße immer enger und führt hinauf bis nach Kaag. Dann und wann ein Wegweiser: „Gsellmanns Weltmaschine“. Die letzte Kreuzung mündet in eine Sackgasse, also ist man angekommen. In einem Raum des Bauernhauses steht sie schließlich: Die Weltmaschine. Begonnen h... lesen


stefan schwar | von kometen, kriegen und katastrophen

Der Komet kommt noch, aber der Untergang hat schon längst begonnen ...

Unter Kometenforschern zirkuliert ein Satz: „Comets are like cats. They have tails, and they do precisely what they want.“ Die Vorstellung von Kometen als widerspenstige Kätzchen hat etwas Beruhigendes. Auch im Volksmund hat der Komet seine Bedrohung verloren, kommt er doch notorisch zu spät oder überhaupt nicht. Und wenn doch einmal einer verdächtig nahe an unserer Atmosphäre vorbeischrammt, dann repetieren wir m... lesen


hermann götz | von der bedrückenden endlichkeit

Ein roter Faden

„Es werden wohl noch viele Bücher über die Jahrtausendwende erscheinen“, steht am Buchrücken: „Das 'Ende der Zeiten' wird mit Sicherheit eines der hervorragendsten bleiben.“ Damian Thompson hat aus Anlaß der Jahrtausendwende ein Buch geschrieben, das sich durch ernstzunehmende Argumentationen und einen glaubwürdig erscheinenden Autor wohltuend von anderen Machwerken abhebt, die aus der selben Motivation auf... lesen